Band 
Dritter Band. D bis E.
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Diplomatik

die mit jener eigentlich Nichts gemein habe, und erklärte am End« geradezu, nur dieältere sei die eigentliche Diplomatik. Dieses Verfahre» hat unstreitig s. Grundin der Entstellung der Diploniarik, deren erste wissenschaftliche Begründung durchdeutsche Länderstreitigkeiten veranlaßt, in die erste Halste des 17. Jahrh, fällt.Unter die Ersten, durch welche wenigstens die Wichtigkeit einer solchen Wissenschaftfühlbar gemacht wurde, gehörten Zyllesius, Benj. Leuber und Eonring. Währendder Streitigkeiten, an welchen diese und A.Antheil nahmen, entstand der erste, frei-lich nur noch roke, Versuch einer Diplomatik, deren Erfinder der antwerpen'sche Je-suit, P. Dom. Papebruch war (1675). Er, nebst P. Gfr. Henschen, bildete Re-geln zur Beurtheilung derDiplome. Vielleicht weil sie strenge waren, beschuldigteman ihn der Absicht, er habe die Benedictiner und Carmeliter in den vornehmstenStützen ihrer Güter untergraben wollen. Ungeachtet dies nun schwerlich s. Absichtgewesen, so wurde doch einBenedictiner dadurch veranlaßt, die Diplomatik genauerzu erforschen, und so erschien das erste ausführliche und tiefer begründete Werk vonH.ssstabillon: „Dr er illplnni.itia.i >iluI > I." (Paris 1681, Fol., Suppl. 1701).Zn allen Landen gewann die neue Wissenschaft, obscho» es ihr nicht an Anfechternfehlte, durch ihn immer mehr Freunde. Unter allen Werken aber, die darüber er-schienen, zeichnetesich das „tllnouiaun t7nit» iron «e" (1732) aus, worin die Lehrevon den innern und äußern Kennzeichen der Diplome zuerst ausgeführt wurde.Nach diesem erschienen mehre Compendie», und endlich das große Hauptwerk fürdiese Wissenschaft von Toustain und Tassin, zwei Ordensbrudern Mabillon's, der„dioinrnn tr.'iitö eliplniiiatigiii'" (6 Bde., 1., mit 100 Kupfl, 1750 — 65,übers. von Adelung (Erf. 1769, 9 Bde., 4.), während fast um dieselbe Zeit Ioh.Heunemann von Teutschenbrunn in s. sehr schätzbaren ,,«ä»i>ixc,,i!x x>, <l« cli-plxixatx:» IZrgnnx ,-t Im^eratoru,» tlcn >xui>il.'«i »ix"(Nürnberg 1715 — 49) derUrheber der praktischen Bearbeitung ward, und die Benutzung der Diplomatik fürpolitische, kirchliche und gelehrte Zwecke zeigte. Eine völlig systematische Formaber gab dieser Wissenschaft der zweite Reformator derselben, Z. C. Gatterer, dersie in 3 verschiedenen Werken behandelte. Er brachte die ganze diplomatische Theo-rie auf 3 Hauprwissenschaften: 1) Schriftkunde (Graphik), 2) Zeichenkunde (Se-miotik), 3) Formelkunde (l'o, ixului u>), und ihm folgten mit wenigen oder keinenAbweichungen Schwabe, Oberlin, Schwärmer und Mereau. Nach diesen Allenerschien ein dritter Reformator, K. Traug. Glb. Schönemann, welcher zuerst dieDiplomatik mit einem freien Blicke ansah und dem gemäß behandelte. Aber auchbei ihm blieben die Spuren der Entstehung dieser Wissenschaft noch sichtbar. Dasie von Streitigkeiten über Territorialgcrechtsame ausgegangen war, so mußte dieAufmerksamkeit der Forscher vornehmlich auf die Gattung von Urkunden gerichtetsein, welche vor andern zur Schlichtung solcher Streitigkeiten dienen, also aufUr-kunden jener Zeit, in welcher die Verfassungen der neueuropäischen Staaten undderen Verhältnisse sich bildeten, was ohne Staats- und Völkerrecht, und MithinÜbereinkunft mehrer Parteien, nicht geschehen konnte. Hierdurch wurde ein recht-licher Zustand, rechtmäßiger Besitzstand und Anerkennung der Heiligkeit desselbenbegründet. Merkwürdig wurden nun Familienverträge der herrschenden Häuserunter sich, und die Verträge, welche die Regierten mit den Regierungen schlössen,und unter diesen vornehmlich die mit dem Adel und der Gastlichkeit, welche beidegroße Vorrechte genossen, bis späterhin, als eine Frucht der entstandenen Städte,ein freier Bürgerstand sich bildete und seine Privilegien heischte. Natürlich, daßjeder Tbeil mit Eifersucht die erhaltenen Gerechtsame bewachte, begreiflich aber auch,daß Mancher mir Umgehung des Rechts dieselbe» zu erweitern und Andre in den ih-rigen zu beeinträchtigen suchte; ein Mittel dazu war die Abfassung falscher und dieVerfälschung echter Urkunden. Besonders im 11. und den nächstfolgenden Jahrh.