Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
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anerkannten Grundsätze der Lehrfreiheit gestatteten eine durch kein System oderSymbol gebundene, rein grammatisch-historische Exegese, deren Ergebnisse nununter Leitung der philosophischen Vernunft zur Bestimmung des Inhalts der christ-lichen Glaubenslehre um so mehr hinreichend erschienen, da eine gründlichere Ge-schichtsforschung gleichzeitig nachzuweisen wußte, wieviel vonGebalt undForm dereinzelnen Dogmen des alten Kirchensystems Menschenwerk und Folge wechselnderZeitumstände gewesen sei. Der dabei über die Schranken des Heilsamen vordrin-genden Neigung zu neuen Gestaltungen sehten sich bald Vertheidiger des alten Sy-stems mit ungleicher Tonseguenz entgegen, um aufgegebene Dogmen zu retten undherabgewürdigten wieder Ansehen zu verschaffen. So entstand ein Kampf zwischenrationnellen und supranaturalistischen Doginatikern, der, seit im 19. Jahrh, einemodische Mystik und Überfrömmigkeit, sowie der durch den Versuch einer Unionbeider protestantischen Consessionen aufgeregte Parteigeist und eine mißtrauische Po-litik auf die Seite der Lehrern getreten sind, in scharfen, unerfreulichen Gegensätzenganze Kirchen und einzelne Gemeinden spaltet. Dieser Zwiespalt fällt unter denPi otestanten am stärksten ins Auge, blieb aber auch der kathol. Kirche nicht fremd,die in dieser Periode wissenschaftlicher und politischer Revolutionen starke Veranlas-sung erhielt, an ihren wichtigsten Unterscheidungslehren irre zu werden, und durchunverkennbare Zeichen verrieth, daß die gepriesene Einheit des Glaubens bei ihr inder Wirklichkeit auch nicht zu finden sei. Nur die griechische Kirche hat seit ihrerTrennung von der lateinischen, was ihre Dogmen betrifft, wesentliche Verände-rungen nicht erfahren und an jenen Gährungen im Ganzen keinen Antheil genom-men, weil die ihr angehörenden Volker entweder nicht mehr oder noch nicht fürwissenschaftliche Bildung empfänglich waren.— Fast in dieser letzten Periode ist diesonst in der Dogmatik und Kirchengeschichte beiläufig mit abgehandelte Geschichteder Dogmen durch Ernesti, Semler und Beck zu dem Range einer selbständigenWissenschaft erhoben und von Münscher („Handb. der christl. Dogmengeschichte",Marb. 1802 — 4, 4 Bde.), freilich nur bis zum Anfange des 7. Jahrh., am be-sten bearbeitet worden. Was für die Geschichte einzelner Dogmen und PeriodenVerdienstliches geleistet wurde, wartet noch auf eine befriedigende Zusammenstel-lung, welche in dem kurzen „Lehrb. der christl. Dogmengeschichte" von Augusti(Lpz. 1805) begreiflicherweise nicht gesucht werden kann. 31.

Dohm (Christian Wilhelm v.), k.preuß. Geh.-Rath und Kammerpräsident,ein durch Grundsätze, Geist und Verdienst ausgezeichneter Staatsmann und Gelehr-ter, geb.zu Lemgo den 11. Dec. 1751, Sohn des luth. Predigers daselbst, bildete sichauf dem Gvmnasium daselbst durch das Studium der alten Literatur und der bi tt.Elastiken. Dies und derEindruck, den die Werke der aufblühenden schönen Literaturder Deutschen auf ihn machten, gab s. Neigung zur Geschichte eine höhere Richtung,wobei ihn s. gutes Gedächtniß unterstützte. In Leipzig studirte er RecbtSgelehrsam-keil, Philosophie, Geschichte und alte Literatur, und erhielt 1773 den Ruf nach Ber-lin als Lehrer der Pagen des Prinzen Ferdinand, Bruders des Königs. Allein dieseStelle war s. Studien hinderlich; er legte sie daher nach 6 Monaten nieder, bliebjedoch in Berlin , wo ihn Büsching zu lirerarischen Unternehmungen aufmunterte,unter welchen s. Übersetz, von Ives „Reisen nach Indien und Persien ", mit Au-sätzen, die wichtigste war. 1774 ging er nach Göttingen , wo er die Bibliothek be-nutzte. Hier begann er s. „Geschichte der Engländer und Franzosen im östl. Indien "(Lpz. 1776, I.Bd.). 1776 nahm er den von Schliessen erhaltenen Ruf als Prosder Statistik und Finanzwissenschaften an das Carolinum zu Kassel an, lehrte mitBeifall bei dem Cadettencorps und gab mit Boje das „Deutsche Museum" heraus.Die Geschichte des östl. Asiens war s. Hauptstudium, und es erschien von ibni, ausden vorgefundenen Originalhandschriften, des aus Lemgo gebürtigen Kämpfer„Reise nach Japan ". 1777 ward ihm die Stelle eines Hofmeisters bei dem zwei-