Band 
Dritter Band. D bis E.
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Drachma Dragoner 347

die elektrische Materie, welche die Spitze aufgenommen hatte, vermöge der Schnurbis zum Schlüssel geleitet, sodaß man an demselben eine Verstärknngsffasche ladenkonnte. Ohne FrankliiüS Entdeckung erfahren zu haben, stellte de Romus inFrankreich ein Jahr später ähnliche Versuche an, und brachte mit seiner weit gro-ßem Geräthschaft eine so beträchtliche Menge Elektricität herab, als weder vor nochnach ihm Jemand vermocht hat. Anfangs betrachtete man die elektrischen Drachenbloß als Mittel, die Elektricität der Gewitterwolken zu untersuchen; in den neuernZeiten sing man aber auch an, durch sie die tägliche Luftelektricität zu beobachten.Hierzu nimmt man am schicklichsten die papiernen Drachen, 4 Fuß lang und etwasüber 3 Fuß breit. Einen solchen Drachen überzieht man mit Firniß oder tränktihn mit gesottenem Leinöl, damit er von dem Regen nicht verdorben werde. DieSchnur, worauf das Meiste ankommt, muß ein guter Leiter sein. Cavallo fandeitlen unechten, mir dünnem Bindfaden zusammengedrehten Goldfaden qm taug-lichsten» Man läßt nun den Drachen in die Höhe steigen, zieht die Schnur des-selben durchs Fenster in ein Zmimer, bindet eine starke seidene Schnur daran undbefestigt das Ende derselben an einen schweren Tisch, aufweichen ein kleiner isolie-ren Conductor gestellt und mit der seidenen Schnur durch einen Draht verbundenwird. Auf einem gläsernen, mir Siegellack überzogenen Stative stellt man einElektrometer so neben den Conduktor, daß es denselben berührt. Dieses Elektro-meter zeigt nun die Stärke der in der Luft befindlichen Elektricität an. Noch be-quemer zu solchen Beobachtungen sind kleine aerostakische Maschinen, die man stattder Drachen und mit weniger Abhängigkeit von den Umständen, dem Winde w.aufsteigen läßt.

Drachma, Drachme. Bei den Griechen 1) eine Münze, ungefähr5 Gr. 1^ Pf. betragend; 100 machen eine Mine, und 6000 ein Talent; 2) einGewicht, ungefähr 1 Quintchen 11s holländische Aß betragend. Bei uns einApvthekergewicht (s. d.).

Draco , Archon und Gesetzgeber der Athener , etwas über 600 I.vorChr.,wurde durch die außerordentliche Ltrenge seiner Gesetze merkwürdig. Das geringsteVerbrechen, z. B. Frnchtdiebstahl, ja sogar Müßiggang , bestrafte er ebenso mitdem Tode als Beraubung der Tempel, Mord und Verrath des Vaterlandes. Mansagte daher, daß seine Gesetze mit Blut geschrieben wären. Nichts war natürlicher,als daß diese Härte die Vollstreckung derselben , vorzüglich bei zmiehmender Culturseines Volks, hinderte und sie verhaßt machte. Man trug daher dem Solon auf,neue Absetze abzufassen. (Vgl. Attika.) Die Lage erzählt, daß Draco bei sei-ner Erscheinung in dem Theater der Insel Ägina , wohin er seine Gesetze gebrachthaben soll, unter dem jubelnden Zurufe des Volks, welches der Sitte nach Kleider,Mäntel und Hüte über ihn geworfen, erstickt sei. Auch sei er unter diesem Thea-ter begraben worden.

Dragoman , im Orient, besonders am türkischen Hofe, ein Dolmetscher.Der Dragoman der Pforte, der in Diensten des HofeS steht, und durch welchendcr Großsnltan die Eröffnungen der christlichen Gesandten empfängt, war bis 1821ein Christ von griechischer Nation, der öfters zur Stelle eines Fürsten (HoSpodar)der Moldau oder der Walachei gelangte.

Dragoner, eine Art leichter, ursprünglich franz. Reiter, welche sowol inals außer der Linie, geschlossen oder einzeln, zu Pferde vorzüglich, aber wo esnöthig war, auch zu Fuß fechten sollten. Demgemäß waren sie beritten, bewaffnetund geübt. In frühern Zeiten nannte man sie Arqucbusierrejter oder Reiterschützen.Den Namen Dragoner erhielten sie von den römischen Draconarien, deren Lanzenmit Drachensiguren geschmückt waren, oder von dem mit dem Kopse eines Drachenverzierten Reüerpistol, einer Waffe der Reiterei, die Dragon hieß. Da jedochdie Erfahrung zeigte, daß sie dem beabsichtigten Zwecke nicht entsprachen, so