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Dramaturgie
noch höhere Grade zuläßt, indem das Vergegenwärtigte noch nicht das Gegenwär-tigc selbst ist. Vergegenwärtigen kann man auch in der Erzählung. Stellt mannun aber eine Handlung in ihrer allmäligen Entwickelung, mir ihren Ursachen undVeränderungen, von dem Augenblicke des Entschlusses bis zur Erreichung desZwecks, als gegenwärtig sich ereignend dar, so ist eine solche Darstellung drama-tisch, gleichviel, in welcher Form man dargestellt habe. Göthe's Werther ist einwirkliches Drama, und jede Darstellung, die in allen Punkten das Werden zeigt,immer entwickelt, immer im Fortschreiten begriffen ist, ist dramatisch. Nur mußman freilich nicht meinen, nur da sei Handlung, wo, wie Lcssing sich ausdrückt, derFrosch sich die Maus aus Bein bindet und mit ihr umherspringt. Nicht jede Hand-lung äußert sich auch in einem äußern Ereignisse, denn das Handeln geht von In-nen aus, und es gibt eine Handlung der Seele, bei welcher die Veränderungen nurVeränderungen des Seelenzustandes sind. Hier treten sie freilich nicht so laut her-vor, als wo sich auch die äußern Zustände verändern, und wo die bewirkten Erschei-nungen äußere Ereignisse sind. sollen nun Handlungen als gegenwärtig sich er-eignend dargestellt werden, so kann es nicht besser geschehen als durch die handelndenPersonen selbst, oder durch Stellvertreter derselben, welche ihren Willen, ihre Ge-sinnungen und Zustände durch Rede offenbaren, und gleichsam selbst schildern.Daher die dialogische Form, wodurch jedoch allein ebenfalls noch kein Drama ent-steht, wie Manche geglaubt haben; weil der bloße Dialog, wenn er z. B. untersu-chend ist, etwas Hemmendes haben kann; dahingegen bei Darstellung einer Hand-lung ein beständiges Vorwärksstreben, eine lebendige Bewegung in dem Gedanken-gange und eine Spannung auf den Ausgang stattfinden muß. Wo dieses dahersich in einem Dialoge findet, da nennen wir auch ihn dramatisch, wie z. B. die mei-sten Plakon'schen, oder Klinger'S dialogisches Meisterstück: „Der Weltmann lindder Dichter". Bei Darstellung einer Handlung bilden sich Gedanken durch Ent-schlüsse zu Thaten aus; die Entschlüsse sehen Umstände, wodurch sie bewirkt wer-den, voraus, diese machen auf den Erfolg, und mehre Erfolge auf einen Punkt derBeruhigung begierig. Daher eben jenes VorwärtSsirebende, lehendig sich Bewe-gende, Spannende. Daher überhaupt der große Reiz der dramatischen Poesie.„Sie Weckt", sagt A. W. Schlegel, „Thätigkeit, welche der wahre Genuß des Le-bens, ja das Leben selbst ist. Wir sehen handeln, und zwar den größten Gegen-stand menschlicher Thätigkeit, den Menschen. Wir sehen Menschen in freundli-chem oder feindlichem Verkehr, als verständige und sittliche Wesen durch ihre Mei-nungen, Gesinnungen und Leidenschaften auf einander einwirken, und ihre Ver-hältnisse gegenseitig entscheidend bestimmen". Wir sehen handeln, denn es ist nachdem Dbigen offenbar, daß in der Darstellung einer Handlung durch Gespräche dieAnfoterung der Bühne, als dervollständigstenVergegenwärtigung, liege, und deß-halb nun ist Drama im engern Sinne gleichbedeutend mit Schauspiel, welchesdurch seinen bloßen Namen Da? gar nicht verräth, was es eigentlich ist. Wollenwir nun aber Drama im engern Sinne bestimmt erklären, so werden wir sagen, essei poetische Darstellung einer menschlichen Handlung, als gegenwärtig sich ereig-nend, mithin im Dialog der handelnden Personen selbst, welche zur vollkommen-sten Vergegenwärtige»^ von andern Personen vorgestellt werden sollen im Schau-spiel. Es scheint bestimmt, auf der Bühne vorgestellt zu werden. Alle Anfode-rungen, die sich an ein solches Werk der Poesie machen lassen, können aus dieser Er-klärung abgeleitet werden. Indessen haben uns die neuern Dichter gelehrt, eindramatische? und theatralische? Gedicht zu unterscheiden, sodaß man, wo man aufdas erste Beiwort stößt, beinahe den Gedanken an das letztere ausschließen, undglauben möchte, das Werk sei nicht für die theatralische Vorstellung geeignet. Um-ständlicheres hierüber s. im Arr. Handlung und Schauspiel. si,I-
Dramaturgie heißt eigenrüch die Wissenschaft der Regeln beräumst,