Dresden (Tapeten nach Rafael. Doublettensanimlling) 871
Amorincn umgeben, seine Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, sein Besuch der Eli-sabeth bei Marien, sich als solche Werke auszeichnen, durch w lche man die tiefsteEigenthümlichkeit dieser unsterblichen Meister kennen lernt. Als Zierden der Ga-lerie muß man noch erwähnen: die himmlisch-schöne, zart ausgeführte heil. Cäci-lia von Carlo Dolce , sein das Brot segnender Heiland die reizende Magdalena inLebensgröße, von Battoni ; die ausdrucksvolle büßende Magdalena von Franceg-chini; Loth mit seinen Töchtern, ein höchst wirkungsvolles Gemälde von Guercino da Cento; die heilige Nacht, von Carlo Maratti ; die Ruhe auf der Flucht nachÄgypten, von Francesco Trevisani ; die Madonna mit dem Jesuskinde, welches denkleinen Johannes küßt, von Gemintani; Hero und Leander , von Francesco Mola;die Madonna della Rosa, von Parmegiano; die heilige Nacht, vonGiulio Procac-cini, und Joseph mit Potiphar's Weib, von Carlo Cignani . Ungern vermißt manin dieser so reichen Sammlung Domenichino's Werke, von dem kein einziges Ge-mälde hier ist. In dem Pastellcabinet sind noch über !50 Gemälde. DerAmor mit dem Pfeil, von Rafael Mengs , ist das Kleinod dieses Cabinetg; untermehren von diesem Künstler gemalten Portraits: sein eignes und die seiner Schwe-stern; von einer derselben, Theresia Mengs , sind schöne Email-und Miniaturarbei-ten hier. Das Chocolatenmädchen von Liotard ist bekannt; von der PastellmalerinRosalba Carriera sind fast alle übrige Portraits in diesen« Cabinet. — Die Ge-mäldegalerie steht unter Aufsicht des Oberkammerherrn. Von« Anfang des Mais anbisEnde Sept. istvon8—12 UhrVormitt. und außer Mittwochs und Sonnabendsvon 3 — 6 UhrNachmitt. die Galerie offen; nach vorgängiger Meldung wird auchaußer dieser Zeit Fremden die Samm, ng gezeigt. Künstler haben in den gedachtenStunden die Erlaubniß, in der Galerie zu arbeiten.
2) Tapeten nach Rafael's Zeichnungen. Diese 6 Ellen hohenTapeten werden im japanischen Palaste verwahrt und gezeigt. Casanova gab Ver-anlassung zur Entdeckung dieser seltenen Kunstdenkmale, als er in seinen Vorlesun-gen die Vermuthung des Cardinalö Albani mittheilte, daß sich Teppiche nach Ra-fael's Zeichnungen, Geschenke Leos X., in Dresden befinden müßten, da von 12in Wolle gewirkten Tapeten, die der Papst in Arras verfertigen ließ, 7 nach Ra-fael , die übrigen nach seiner Schüler Zeichnungen wären. Der Hausmarschall,Frech, von Racknih, forschte nach und fand endlich 8 Teppiche, theils noch guterhalten, theils unscheinbar; der 7. war nicht aufzufinden. Die unkenntlich ge-wordenen wurden sorgfältig gereinigt. Sie stellen dar: 1) die Erblindung desZauberers Elynias in Paphos, eine kunstvolle Gruppirung; 2) Paulus, in Athen predigend, eine herrliche Gestalt; 3) das Opfer zu Lystra, eine schöne Gruppe;4) Petrus und Johannes im Tempel (Ap.-Gesch., Cap. 3); 5) Christus, als erzu Petrus sagt: „Weide meine Schafe"; k) den wunderbaren Fischzug. OhneZweifel war der Tod desAnanias der Gegenstand des verlorenen 7. Teppichs. Ra-feal's Geist ist überall sichtbar, obgleich einzelne Theile durch die Schuld der Werk-meister in Arras mißlungen sind. Über die Originalzeichnungen, bekannt u. d. N.der Rasalel'schcn Cartons, s. Carton. — 3) Der Gemäldesaal auf demBrühl 'schen Garten, auch der Doublettenfaal genannt, war in frühern Zei-ten zur Aufnahme der Werke neuerer Künstler bestimmt. Seit den Veränderun-gen in derGemäldegalerie erhielt diese Sammlung einen ansehnlichen Zuwachs vonBildern niederländ. und franz. Meister, sowie von einige» Gemälden des GrafenRotari, welche dort nicht Platz fanden, sodaß sie jetzt ungefähr 250 Gemälde ent-hält. Merkwürdig sind die großen Landschaften und Ansichten von dem Meisterin der Perspektive, Bernhard Bellotto, genannt Canaleno, aus Venedig , der seit1564 Mitglied der Akademie zu Dresden war. Diele sächsische Gegenden, z. B.Königstein und Sonnenstein, ein Bergauszug im plauenschen Grunde und mehreinnere Ansich:en von Dresden , welche die ehemalige Gestalt verschiedener Gebäude
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