Dschamy Dschingis-Khan 383
wird im Tempel als kostbare Reliquie aufbewahrt, aber nur Wenigen gezeigt.Iäbrlich, besonders an zwei Hochfesten, im März und Juli, strömen die Pilger inzahllose» Scharen zu der Pagode. Man rechnet deren mindestens 1,200,000jährlich, von welchen, wie man behauptet, in der Regel 9 Zehnkheile unterwegsdurch Mangel, Beschwerde oder Krankheit weggerafft werden; so viel ist wenig-stens gewiß, daß bis auf 12 Meilen in der Runde der Weg zum Heiligthum mit*Menschengebeinen bestreut ist. Diele alte Leute unternehmen die Wallfahrt in derAbsicht, auf dem heiligen Gebiete zu sterben. Nicht weit von« Tempel ist ein Platz,von den Europäern Golgatha genannt, wohin man gewöhnlich die Leichname wirft,und wo man immer Hunde und Geier sich nähren sieht. Die von den Pilgern be-zahlten Abgaben werfen ein ansehnliches Einkommen ab, das, nach Abzug der Ko-sten zur Unterhaltung des Tempels, der Regierung zufällt. Als 1803 die Land-schaft von den Engländern den Marotten entrissen ward, traten Jene in alle Rechteder frühern Besitzer, aber die Abgabe ward während der Verwaltung des Marquisvon Wellesley den Pilgern nie abgenommen; nach feiner Abreise aus Zndien hin-gegen (1806) von der bengalischen Regierung eine Verordnung zur Verwaltungder Pagode und Besteuerung der Pilger erlassen. Die Aufsicht über die Tempelund die Priester ward 1809 dem Rajah von Kurdah übertragen, mit der Verpflich-tung, die alten Anordnungen zu handhaben. Eine Straße von Calcutta zu demTempel ward seil 1810 angelegt, wozu ein reicher Hindu, Rajah Sukmov Roy,16,000 Pfd. St. beitrug, unter der Bedingung, daß sie seinen Namen führe.
Dschamy, Molla (Djamy), eigentlich Abdurrhaman ebn Achmet, be-rühmter persischer Dichter, geb. 1414, hatte jenen Beinamen von seiner HeimathDscham, in der Provinz Khorasan. Er verdunkelte die größten Geister seiner Zeit.Der Sultan Abu Said rief ihn an seinen Hof nach Herat ; aber Dschamy, einAnhänger der Lehre der Sophi, zog -die Verzückungen eines Mystikers den Vergnü-gungen des Hofes vor. Er sehte sich oft in die Halle der großen Moschee zu Herat ,wo er sich freundlich mit Leuten aus dem Volke unterhielt, sie in den Lehren der Tu-gend und. des Glaubens unterrichtete und sie immer durch seine milde Beredisam-keit zu gewinnen wußte. Als er 1494 starb, war die ganze Stadt in Trauer. DerSultan ließ ihm auf öffentliche Kosten ein glänzendes Leichenbegängniß ausrichten,und die Erde öffnete sich, sagten die persischen Dichter, wie eine Muschel, um dieseunschätzbare Perle aufzunehmen. Er war einer der fruchtbarsten S chnftsteller Per-siens und hinterließ über 40 Werke, meist mystischen ZnhaltS. Sieben der an-ziehendsten >Lchriflen vereinigte er u. d. T.: „Dieisieben >Lterne des Bärs". Dazugehören: „Zusuf und Zuleika", eins der unterhaltendsten Werke in der persischenSprache, wovon Law in den ,,.4siatic Iiiiscellunic!," Bruchstücke bekanntgemachthat, und die anmuihige Dichtung „Medschnun und Leila", die Hr. von Chezy(Paris 1805) sranz., und Hartmann (Lpj. 1807, 2 Bde.) deutsch übersetzte.Sein „Beharistan", eine Darstellung der Süienlehre in Prosa und Versen, wirdmit Sadi's „Ghulistan" verglichen. Bruchstücke daraus ließen Zenisch (in der,,.4utl>»!<,^i.i z^lsii.'!,") und Wissen (in der „(lliiestani.itliül persicu", Leipzig 1805) abdrucken. Nach Göthe faßt er alle Bemühungen der frühern persischenDichter zusammen. Klarheit und Besonnenheit ist sein Eigenthum.
Dschingis-Khan (auch Genghis-Khan ). Dieser berühmte Eroberetwar der Sohn eines mongolischen HordenanführerS, mit Namen 2)ezonkai »derPvzonkai, der zwar über 80 bis 40 Familien gebot, jedoch den TaiarkhanS o"^Kins, die damals die östliche Tatarei und den ganzen nördlichen Theil voy, sshj^abeherrschten, Tribut zahlte. Dschmgis-Khan wurde geb. im 1.559 der Aegira, oder1163— 64 nach Chr. Geb., und erhielt den Namen Temudjyn. Die kriegeri-schen Talente des Züngluigs waren von s. Lehrer, Karakhar, so gut ausgebildetworden, daß er im 18. Z. schon im Stande war, die Zügel der kleine» Herrschaft