Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
385
JPEG-Download
 

385

Dschingis- Khan

Die Eroberung von China beschäftigte die Mongolen über 3 Jahre lang; dieHauptstadt, damals 2)en-kinq, jetzt Peking genannt, wurde 1215 mit Sturm ge-nommen und geplündert. Der Brand dauerte einen Monat. Die Ermordungvon Gesandten, die Dschingis-Khan an den König von Kharizme gesandt hatte,veranlaßte 1218 den Angriff auf Turkestan mit einem Heere von 700,000 M.Das erst--Zusammentreffen der feindlichen Heere war furchtbar, doch unentschieden.Dschingis-Kahn's Sehne zeigten sich durch Unerschrockxibeit des Vaters würdig.Die Kharizmer verloren 160,000 M. 1219 drangen die Mongolen immer wei-ter. Den meisten Widerstand leisteten die beide» großen Städte Bokhara und Sa-markand. Sie wurden erstürmt, geplündert, verbrannt, und mehr als 200,000Menschen kamen dabei um. Zu bedauern ist hier die Zerstörung der köstlichen Bi-bliotheken von Bokhara, einer Stadt, welche in ganz Asien durch ihre gelehrtenAnstalten berühmt war. Sieben Jahre hinter einander war Dschinais-Khau nurmit Morden, Plündern, Unterjochen beschäftigt, und dehnte seine Herrschaft bisan die Ufer des Borvühcnes aus, wo auch der Großherzog von Kiew und der Her-zog von Tchcrnikoff gefangen wurden. Zn China halte er einstmals alle Landbe-wohner wollen umbringen lassen, um die bestellten Fluren in Viehweiden zu ver-wandeln, und weniger Menschen ernähren zu müssen, die nicht zum Kriege taugten.Allein einer seiner Räthe, Tlekchusav, widersetzte sich muthig dieser Maßregel. Die-ses bestimmte den Eroberer, einige Zeit nach Kara Korom, seiner Hauptstadt, zu-rückzukehren. Hier kam ihm seine Familie bis an'die User des Flusses Tula ent-gegen und empsing ihn mit ausgezeichneten Freudensbezeiaungen. Er zeigte sichnicht ohne Gefühl dafür. Von seinen zahlreichen Enkeln ließ er 2 nach einem vonihm selbst entworfenen Plane erziehen. 1225, wo er bereits älter als 60 I. war,zog er noch in Person, an der Spitze aller seiner Heere, gegen den König von Tan-g»t, der 2 Feinden der Mongolen eine Zuflucht bei sich gestattet hatte und sie nichtausliefern wollte. Die Mongolen zogen durch die Wüste von Kobi im Winker unddranaen ins Herz der feindlichen Staaten ein, wo sich ihnen ein Heer von 500,000M. entgeaenwarf. Auf einem von dem Karamoran gebildeten gefrorenen See lie-ferte Dschinzis-Kban dem Feinde eine große i^cblacht, worin dieser gänzlich ge-schlagen wurde und über 300,000 M. verlor. Einige Zeit verweilte der Sieger inden neuerobertcn Provinzen, von wo aus er 2 seiner Söhne abschickte, um die Er-oberung des nördl. China zu vollenden. Indessen wurde dieBclagerungPer Haupt-stadt von Tangut, Ninghiu (Nanking ), mit Eifer fortgesetzt. Die E7ladt erlagendlich, und hatte mit andern gleiches Schicksal. Alles wurde mit Feuer undSchwert verbeert. Allein die Gründung einer mongolischen Dynastie in China wardem Enkel Dschingis-Khan's erst aufbehalten. Bei diesem Unternehmen fühlteDschingiS-Khan die Annäherung seines Todes. Er berief seine Kinder zusammen,empfahl ihnen Eintracht und gab ihnen die weisesten Rathschläge zur Regierungder weitläufigen Staaten, die er ihnen hinterließ (ein Gebiet von mehr als 1500Stunden in der Länge). Erstarb, umgeben von den Seinigcn, den 24. Aug. 1227im 68. Z. s. Alters und dem 52. s. Regierung. Das Dasein dieses Eroberershatte dem Menschengeschlechte wenigstens 5 — 6 Mill. Individuen jedes Altersund Geschlechts gekostet. Dabei hatte er eine ungeheure Menge von Denkmalender Kunst, kostbaren Handschriften, die sich in den Städten Balk, Bokhara , La-markand, Peking u. a. befanden, vernichtet. Er wurde mit vielem Pomp zu Tan-gut, nicht weit von dem Orte, wo er gestorben war, unter einem Baume begraben,der sich durch seine ungeheuern Äste auszeichnete. Er hakte sich diesen Ort selbstzum Begräbnißplatze gewählt. Ehe er starb, theilte er seine Staaten unter die 4Prinzen, die er von der ersten seiner 4 recktmäßigen Frauen hatte. Ein großerTheil seiner Staaten ging aber aufKublai über, den man als den Stifter der mon-golischen Dvnastie in China zu iv trachten pflegt. Ein Abkömmling des LschingtS-

Conversations-Lcricvn. Bd. l>I. 25