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Einfalt
wieder bewußt zu werden, hak die Einbildungskraft auch 3) die Fähigkeit, Vor-stellungen aller ?lrt mit einander zu p -rbinden, und dadurch neue Bilder zu er-zeugen. Hier heißt sie productive Einbildungskraft oder Phantasie im engernSinne. Hier wirkt sie unwillkürlich nach den bloßen Gesetzen der Vergesell-schaftung (Association) der Vorstellungen, wobei das Gemüth dein Strome derVorstellungen, wie sie der Zufall herbeiführt, überlassen ist, und Träume desWachenden bervorbringt; oder nach dem (besetze der Zweckmäßigkeit, und in ge-wisser Abhängigkeit von dem Verstände. Die Vergesellschaftung der Vorstellun-gen kann aber entweder einem bestimmten Zwecke des Verstandes gemäß gescheben,oder sie geschieht nur dem Verstandesgebrauch überhaupt angemessen, den allge-meinen Gesetzen desselben entsprechend, und dann wirkt sie in unbestimmter Zweck-mäßigkeit. Hm crsiern Fall ist sie durch den bestimmten Zweck gebunden, imzweiten ist ihr Wirken frei, ohne darum doch regel- oder gesetzlos zu sein; dasallgemeine Gesetz der Zweckmäßigkeit setzt ihrer Willkür Grenzen, innerhalb derensie ihr Spiel mit Freiheit treiben, die sie aber nicht überschreiten darf. Die freieund doch zweckmäßige Thätigkeit der Phantasie begründet allein die Möglichkeiteiner schönen Kunst. Hier bildet sie nach Ideen, — sie dichtet, und wird daherDichtungsvermögen genannt. Nach jener doppelten Wirksamkeit der Einbil-dungskraft kann man eine solche zwiefache Sphäre derselben unterscheiden: eineniedere prosaische, und eine höhere poetische. Ihre erste und nächste Bestimmungist nämlich, das Denk- und Dildegeschäft des Verstandes für die mannigfaltigenBedürfnisse und Zwecke des Lebens und des Erkenntnißtriebes zu besorgen:hier ist sie stets durch bestimmte Zwecke gebunden; ihre zweite aber besteht darin,durch ihre freie, jedoch zweckmäßige, Thätigkeit das Gemüth harmonisch zu be-leben, durch ideale, über gemeine Wirklichkeit erhabene, Dichtungen und Gebildeihrer schöpferischen Kraft den Geist über die Beschränkungen des Daseins zu er-heben , und dadurch das Dasein selbst zu verschönern. Man kann nichts schönerund wahrer über die Einbildungskraft in ihrer poetischen Sphäre sagen, als wasGdlhe in s. Gedicht: „Meine Göttin", oder Tiedge in d. „Urania " über siegesagt haben. Zu groß, um übersehen, zu weit, um völlig gefaßt, zu reich, um er-schöpft zu werden; mannigfaltig genug, um allen Abänderungen dcrLagc desAlters,jedem Bedürfnisse eine eigne Befriedigung zu gewähren; geschickt, jedem Tone derSeele eine so volle Harmonie zurückzugeben, daß vom Helden bis zum LiebhaberZeder glauben sollte, sie wäre bloß für seinen Zustand geschaffen; groß mit dem Ei-nen, sanft mit deni Andern, überall bereit, jedem Wunsch und jeder Sehnsucht Er-füllung zu geben, sich in jede Farbe zu kleiden, ist sie auch nach Gram und Leiden diesanfte und letzte Gefährtin unserer Klagen. Ihre Bilder sind es, die uns in Freudeund Unglück beherrschen, Hoffnung und Furcht wird uns durch sie erregt. Das ganzeGeheimniß von der Wirksamkeit aller schönen Kunst beruht darin, daß die Einbil-dungskraft schöpferisch wird. Es versteht sich, daß dies selbst nur durch eine schö-pferische Einbildungskraft zu bewirken sei. Daß der Mensch ein solches schöpferi-sches Vermögen, selbstthätig Bilder und Ideen in sich zu erzeugen, besitzt, lehrtJeden sein eignes Bewußtsein; denn kaum wird einer von der.Natur so sebr ver-wahrlost sein, daß er nicht Wesen, Scenen, Lagen, Zustände sollte dichten können,die er nie erlebt hat. Unendlich verschieden aber sind die Grade dieses schöpferischenVermögens der Einbildungskraft, und nur in seinen hohern Graden, wo es eigen-thümliche Formen und Charaktere zu erfinden, ein Mannigfaltiges von Begeben-heiten, Bildern und Ideen zu einem für die Vernunft zweckmäßigen Ganzen zu ver-knüpfe» vermag, kann nian es als eine entschiedene Anlage zur Kunst ansehen.(S. Genie, Phantasie, Darstellung, Kunst, Poesie.)
Einfalt ist deni Vielfältigen und Mannigfaltigen entgegengesetzt, wte dasleicht Übersehbare dein Verwickelte», schwer zu Übersehenden, Hu Erkennenden.