-194 Elisabeth (Königin von England)
sie wurde vom Feinde sogleich angegriffen und getrennt, sodaß die einzelnen Abthei-lungen nur auf ihre Rettung bedacht sein mußten. Die ganze Unternehmung ver-unglückte. Nach de Thou soll dieses Unternehmen der spanischen Krone 120 Mill.Dukaten gekostet haben. Unter den Mitteln, welche Elisabeth zur Begeisterungihrer Unterthanen zu benutzen verstand, war auch eine Zeitung, »<>,-
curv", die erste, welche in England erschienen ist. *) Durch den AuSgang diesesKriegs wurde die Anhänglichkeit der Engländer an ihre Königin ungemein erhöht,und wir sehen sie von diesem Zeitpunkte an ihre Überlegenheit zur See immer festerbegründen. Gegen Spanien wurden verschiedene, mehr oder weniger glücklicheUnternehmungen versucht, auch die Unterstützungen, welche England Heinrich !V. von Frankreich gegen die Ligue leistete, und welchen er zum Theil seinen Sieg zudanken hatte, gründeten sich auf den Haß gegen Spanien, das inan nicht in Frank-reich festen Fuß fassen lassen wollte. Allein eine persönliche Zusammenkunft beider,welche man 1601 erwartete, als Heinrich in Calais und Elisabeth in Dover sichbefanden, hatte nicht statt. Nur Sully sah die Königin. Der Tod Philipps I I.,1598, befreite England von seinem gefährlichsten Feinde, der nicht aufgehört hatte,Unruhen in Irland zu unterhalten, welche erst spät unterdrückt wurden. Bei die-ser Gelegenheit erlitt Elisabeth den härtesten Schlag, der sie treffen konnte. GrafEssep, ihr Günstling, der ihre Truppen in Irland befehligte, pflanzte dort dieFahne des Aufruhrs gegen die Königin auf. Sein Kopffiel auf dem Blutgerüste,und die Monarchin sank darüber in tiefen Trübsinn. Sie wurde immer kränker,und weigerte sich dennoch, die nöthigen Arzneimittel zu nehmen, indem sie sagte:sie wünsche den Tod. Auf Kissen sitzend, den Finger auf den Mund gelegt, dieAugen auf den Boden geheftet, schien sie 10 Tagelang für Nichts als das Gebet,welches der Erzbischof von Canterbury bei ihr hielt, Gefühl zu haben. Endlich er-nannte sie, auf seinen Rath, den König von Schottland zu ihrem Nachfolger, fielin einen betäubenden Schlaf und endigte ihr Leben den 3. April (24. März a. St.)1603. Sie hatte 70 I. gelebt und 44 I. mit Glänze regiert. In ihrem Charak-ter zeigte sich eine vielleicht einzige Mischung der edelsten Eigenschaften des einenGeschlechts, verbunden Mit den Schtvächen des andern. Ihr Name erweckt nochjetzt bei den Engländern die Begeisterung des lebhaftesten Patriotismus. DerDespotismus, woran Heinrich VIII. seine Unterthanen gewöhnt hakte, wurde beiElisabeth kaum bemerkt, weil man ihn stets zum Besten des SiaatS sich äußernsah. Ihre Falschheit nannte man Politik, ihre oft kindische Eitelkeit, bis in ihreletzten Lebensjahre für die schönste Frau in Europa gelten zu wollen, erschien alseine, durch ihre großen Eigenschaften ausgelöschte Schwäche. Einer ihrer Haupt-grundsätze war, daß das Geld besser aufgehoben fei in den Taschen .hrer Untertha-nen als in ihrem eignen Schatze, daher sie denn auch bei jedem Unternehmen sicherauf die Unterstützung ihres ganzen Volks rechnen konnte. In ihrem Finanzwesenherrschte große Ordnung; daher konnte sie die Schulden ihrer Vorfahren bezahlen,ohne neue Auflagen zumachen. Sie erwarb sich den Namen: Wiederhcrstellerinder englischen Seemacht und Königin der nördlichen Meere. Obgleich sie eine ge-wisse Strenge und Willkür in ihrem Charakter zeigte, so war sie doch auch groß-müthig und milde. Sie liebte Geistesbeschäftigungen und hatte eine besondere Nei-gung zu rauschender Musik. Ihre Tafelmusik bestand gewöhnlich aus 12 Trompe-ten nebst Pfeifen und Trommeln. Auch wünschte sie für eine treffliche Clavierspie-lerin zu gelten. In ihren Mußestunden beschäftigte sie sich mit Übersetzung alterElastiken. So soll sie den Horaz ins Englische übertragen haben, und diese Arbeitzu ihrer Zeit sehr geschätzt gewesen sein. Auch halte sie von einigen Tragödien des
*) Zm britischen Museum befindet sich noch ein Blatt davon, von 23. Juli 1586,worin auä' Br.chcranzeigen stehen. In Frankreich gab es schon 15 U 9 unter Ludwig XII. eine Akt von politischer Zeitung.