Elisabeth Charl. (Herz. v.Orl.) Elisabeth Petr. (Kais. v. Rußl . 495
Sophokles, sowie von 2 Reden desDemosthcneS lat. Übersetzungen gefertigt undSeneca's „Rasenden Hercules" in Verse übertragen. In dieser Sprache wußte siesich fertig und rein auszudrücken. Kürzlich fand man von ihr eine vollst. Über;setzung des Boethius „1)e. c-ounolnt. pbiloü.", größtentheils von ihr selbst geschrie-ben. Überhaupt war damals alte Literatur guter Ton bei Hose. — In den Bü-chern über Elisabeths Regierung hat nicht selten die Religion der Vers. Einflußauf die Darstellung der Begebenheiten und Angabe der Beweggründe ihrer Hand-lungen gehabt. Außer Melvil hat auch Walsingham in seinen Memoiren anziehendeAnekdoten aus ihrem Leben geliefert. M. s. „»einoiin e>I tbc cc>»> t »I tstuecn1'.Iii->l>i.uI>", von Lucv Aikin (London 1818, deutsch Halberstadt 1819, 2 Bde.).
Elisabeth Charlotte , Herzogin von Orleans, einzige Tochter desKurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, geb. zu Heidelberg 1652, war eine durchGeist und Charakter ausgezeichnete Fürstin, die ein halbesIahrh. an Ludwigs X I V.Hofe übte, ohne daß frauz.Sitte ihr deutsches Gemüth veränderte. Sie ward amHofe ihrer Tante, der nachmaligen Kurfürstin Sophie von Hanover, trefflich erzo-gen, hierauf, als ein Opfer der Politik, in ihrem 19. I. mit dem Herzoge Philippvon Orleans vermählt. <Lie war nicht schön, hatte ein männlich cmsaches Wesenund war dabei voll Lebendigkeit und Geist. Leider durste sie auf die Erziehungihrer Kinder gar nicht einwirken. Ihr zweiter Sohn war der nachmalige Regent.Die Maüiteiion war ihre Feindin, Ludwig XI V. aber ihr gewogen, da ihr gera-des offenes Wesen, ihre Munterkeit und ihr Witz ihn anzogen. Sie begleiteteibn öfter aus die Jagd. Für deutsche Gelehrte behielt sie die anhänglichste Ver-ehrung, besonders für Leibnih, dessen Briefwechsel sie selbst Mit franz. Gelehrtenbesorgen half. Sie starb 1522 zu St.-Cloud. Sich selbst und ihre Verhältnissehat sie mit naiver Laune sehr originell in ihren deutsch geschriebenen Briefen geschil-dert, die ein anziehender Beitrag zur Charakteristik des Hofes Ludwigs XIZ. sind.Das Denkwürdigste aus diesen Briefen sinket man in des Pros. Schütz „Leben undCharakter der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans" (Leipzig 1820).
E l i sa b e t h P e r r o w n a , Kaiserin von Rußland , Tochter Peters desGroßen und Katharinas I., geb. 1509, in dem Zeitpunkte, wo ihr Vater auf demGipfel seines Glückes und Ruhmes stand. Nach ihrem Regierungsantritt 1541wurde gesagt, Katharina l. habe vor ihrem Tode ei» Testament gemacht, nach wel-chem ihre älteste Tochter Anna (vcrm. mir dem Herz. v. Holstein) Peters II. Nach-folgerin hätte sein, aufAnna aber deren jüngere Schwester Elisabeth folgen sollen;allein dies ist weder erwiesen, noch ist es wahrscheinlich, daß Fürst Menschikoff einsolches Testament zugelassen haben würde. Die Großen des Reichs und der Se-nat wählten, nach dem Tode Peters II., Anna/ verw. Herzegin von Kurland,die Tochter Ivans und jüngere Nichte Peters I. Diese verfügte über die Thron-folge zum Besten des jungen Fürsten Ivan, Sohns ihrer Nichte Anna, die an An-ton Ulrich, Herzog v. Braunschweig , vermählt war, und sich bald nach dem Todeder Kaiserin, nach Biron'S Verbannung, zur RegcNtin während der Minderjährig-keit ihres Sohnes hatte ausrufen lassen. Elisabeth, von Natur nicht sehr thätigund mehr vergnügungssüchtig als ehrgeizig, schien gegen alle politische Plane gleich-gültig. Indessen bewies sie den Garden Aufmerksamkeit und wählte sich selbst Lieb-haber unter den Ofsicieren derselben. Die Regentm aber und deren Gemahl, deßden Oberbefehl der Truppen führte, nahmen nicht die geringste» Maßregeln, sichgegen Revolutionen zu schützen. Es bildete sich daher eine Partei für Elisabeth,die Tochter Peters des Großen, an dessen Namen so große Erinnerungen hafteten.Die Prinzessin widerstrebte den Versuchen nicht, die man machte, um sie auf denThron zu setzen, und überließ sich den Rathschlägen Lestocg's, eines Wundarztes(von einer vermuthlich franz. Familie in Hanover ), der, voll Ehrgeiz, eine Rollezu spielen wünschte. Der Marguis von Cherardie, franz. Gesandter, dessen an-