496 Elisabeth Petrowna (Kaiserin von Rußland )
genehm; Gestalt und Sitten Elisabeth für ihn eingenommen hatten, sah in derRevolution, die nian vorhatte, nur die Gelegenheit, Frankreich einen Verbünde-ten zu sichern. Man vermochte Schweden , welches damals mit dem PetersburgerCabinet unzufrieden war, Rußland den Krieg zu erklären. Indeß hätte die Ver-schwörung leicht entdeckt werden können. Lestocg war unbesonnen, die Regenlinwurde gewarnt; allein die natürliche Güte ihres Charakters ließ keinen Verdachtaufkommen. Durch heuchlerische Thränen gelang es der Elisabeth leicht, sie zuberuhigen. Dabei waren jedoch die Verschworene» selbst nicht ohne^Besorgnisse,und Lestocg drang auf Vollziehung. Einst fand er bei Elisabeth eine Charte aufdem Tische. Er zeichnete darauf ein Rad und eine Krone, und sagte zur Prinzes- ^sin: „Entweder, oder! Eins für mich, das andre für Sie!" Da entschied Elisa- -beth. Alle Verschworene wurden benachrichtigt, und in einigen S tunden sollte dieVerschwörung ausbrechcn. Der Gemahl der Regentin, von der Gefabr benach-richtigt, drang aufSicherheitSmaßreaeln, allein Anna wollte den Berichten nichtglauben; so wurden denn Beide (6. Dec. 1741) im Lächlas überfallen. Die Re-gent!», ihr Gemahl und Sohn wurden in den Palast der Elisabeth gebracht; zu-gleich verhaftete man Münnich, Vater und Sohn, Ästermann, Golofkin u. A.Anna und der Prinz Anton Ulrich wurden auf eine Insel der Dwina am weißenMeere, und Ivan auf das Schloß ^chlüsselburg gebracht. Elisabeth ließ sich alsKaiserin ausrufen. Münnich, Osterinann u. A. sollte» hingerichtet werden, alleinElisabeth wollte mild erscheinen und verbannte sie nach Sibirien . Lestocg wurdeerster Leibarzt, Präsident des MedicinalcollegiumS und Geheimerrath. späterhinsiel er in Ungnade. Bestuscheff, der unter Anna Minister gewesen war, und denLestoeg hatte zum Kanzler ernennen lassen, gewann ein bedeutendes Übergewicht.Der Krieg mit Schweden war zu Abo (s. d.) 1743 durch Frankreichs Vermitte-lung für Schweden unter leidlichen Bedingungen geschlossen. Darauf schickteElisabeth 1748 ein Hülfscorps für Maria Theresia nach Dentschlaud, wodurchsie den Abschluß des aachner Friedens beschleunigte. Indeß bildete sich auch gegensie eine Verschwörung, woran u. A. Lapuchin und dessen Frau, die sich durch Geistund Schönheit auszeichnete, Theil nahmen; allein sie wurde entdeckt, lind Frauv. Lapuchin, in welcher die Kaiserin eine gefährliche Nebenbuhlerin sah, mußtenebst ihrem Gemahl und Sohn, sowie Frau v. Bestuscheff, die Strafe der Knurrleiden, sich die Spitze der Zunge abschneiden lassen und nach Sibirien wandern.
An dem siebenjährigen Kriege 1758 fg. nahm Elisabeth Theil, weil sie gegen Fried-rich den Gr. eingenommen war, der sich einige Scherze über ihre Person erlaubthatte. Der Großfürst Peter, Herzog v. Holstein-Gottorp, Schwestersobu derKaiserin und ihr erklärter Nachfolger, hingegen war Friedrich l l. sehr ergeben,daher wurde der Krieg von den russischen Generalen, die sich bei dem Thronerbenbeliebt machen wollten, nicht mit gehöriger Kraft geführt. Allein dies wurde be-merkt, General Aprapin durch Fernior ersetzt, und der Kanzler Bestuscheff nachSibirien geschickt. Jetzt drangen die Russen in Deutschland vor; später kamSoltikoff an Fermor's Stelle, Friedrich wurde bei KunerStorf geschlagen, Berlin genommen und Kolbcrg erobert; aber im Ganzen Nichts entschieden. Elisabethkränkelte seit einigen Jahren und starb den 29. Dec. 1761, 52 I. alt, nach einer2lljähr. Regierung. Sie gründete die Universität zu Moskau und die Akademieder schönen Künste zu Petersburg . Sie ließ an dem Gesetzbuch? arbeiten, das un-ter Peter I. begonnen worden war. Allein es wurde nicht vollendet. Sie hattegeschworen, daß unter ihrer Regierung Niemand mit dem Tode bestraft werdensolle. Dafür ließ sie grausame Strafen bestehen und anwenden. Sie vergoßThränen über das Unglück des Kriegs, und doch stoß unter ihrerRegierung auf denSchlachtfeldern des Blut in Strömen. Sie war sanft, mild und ekelmüthig,liebte aber die Staatsgeschäfte nicht und ließ ihre Minister nach Gefallen schalt,».