Ellenborough- 499
demischen Grad eines Baccalaureus erworben hatte, widmete er sich in Lincoln»Inn zu London der Rechtsgelehrsamkeit. Bald erhielt er Ruf, und nach einigerZeit, nebst Scott (s. Eldon), unter den Sachwaltern den Vorrang. Auch Erskinefing damals s. glänzende Laufbahn an; aber Law war anerkannt an Rechtsgelehr-samkeit ihm überlegen. Sein Ruf an den GerichtSschranken erwarb ihm die Freund-schaft des Sir F. Buller, eines Unterrichters am Tribunal der Kingsbench, dessenVerwendung ihm -> silk ^o-vn zu Wege brachte. Dem engl. Sachwalter ist dasseidene Gewand eine Auszeichnung, welche es ihm zur Vorschrift macht, bei Pro«cessen, wo mehr als Ein Advocat für eine Partei angenommen wird, als Anklägeroder Vertheidiger, die Hauptrolle zu spielen und sich nie zu einer untergeordnetenherabzulassen (bemust Icacl or <1o nolbinxi): ein kühnes Unternehmen für einenso jungen Mann, als Law damals war. Allein er übertraf noch seinen Ruf. AlsWarren Hastings 1785 aus Bengalen zurückkam, um dem über ihn verhängtenProcesse beizuwohnen, suchte er einen gerichtlichen Vertheidiger. Der berühmteErskine schlug den Antrag ab; Law nahm ihn an. Dazu gehörte großerMuth;denn die Ankläger waren Burke, Fox, Sheridan und andre nicht unbedeutendeMänner. Law hatte zu Gehülfen Plomer und Dallaö, verdiente, aber damalswenig bekannte Sachwalter. Aber trotz der anscheinenden Überlegenheit derGegen-partei siegten sie. Law wich dem berühmten Burke keinen Finger breit und antwor-tete ihm so kühn, daß ihn das hohe Parlamentstribunal mehre Male zur Ordnungverwies. Erst im fünften Jahre des Processes konnte er die Defension anfangen.Er ging die lange Anklage mit prüfendem Scharfsinne durch, zeigte ihreUnhaltbar-keic und that dar, daß Hastings ein verfolgter, schuldloser Mann sei. Das Ansehen,die Schönrednerei und den hohlen Wortkram seiner Gegner bekämpfte Law miteiner nüchternen, logischen, allen Prunk verachtenden und klaren Auseinandersetzung,welche ihre Wirkung nicht verfehlte; denn nach 8 langen Zahre», in welchen dieserRechtsstreit 148 Tage einnahm, fanden sich nicht mehr als 29 Lords zum Urtheils-spruche ein, von welchen 21 Warren Hastings (s.d.) für nicht schuldig, und nur 8wegen eines oder etlicher Klagpunkte für schuldig erklärten. Dieser Staatöproceßgründete sein und seiner Gehülfen Glück. Law besonders stieg schnell. Er wurde1801 (ohne Generalsachwalter gewesen zu sein) zum Generalfiscal ernannt undzum Ritter geschlagen. Als 1802 Lord Kenyon starb, machte ihn der König zumOberrichter des Gerichts der Kingsbench und erhob ihn zum Pair, bei welcher Ge«legenheit er den Titel EUenborough von einem Fischerdörfchen annahm, wo s. Vor-fahren lange gewohnt hatten. Als Lord Grenville an die Spitze des Ministeriumstrat, gab er ihm einen Sitz im geh. Staatsrathe, welches einiges Murren erregte,weil man es für unconstitutionnell hielt. Zm Parlamente war er Widersacher derirländ. Katholiken; er sagte, sie genössen die ausgedehnteste Duldung und strebtennur nach politischer Macht; aber so lange sie mit dem römische» Stuhle verbundenblieben, könne er nicht zugeben, daß sie einen Zweck erreichten, welcher die Wohl-fahrt des Landes zu Grunde richten würde. 15 Jahre lang stand er seinem Amteals Lordoberrichter des Tribunals der Kingsbench vor; die außerordentlichen damitverbundenen Mühewaltungen schadeten seiner Gesundheit. Diese erlag endlich beifolgender Gelegenheit. Der Buchhändler Hone hatte die berüchtigten 3 Parodienherausgegeben, worin die christlicheReligion verspottet wird. Die gerichtlichen Ver-handlungen über die erste fanden unter Abbot statt, die über die beiden letzten unterEllenborough. Beide Richter hielten in ihren Erläuterungsreden an die Jury dieParodien für Schmähschriften; dennoch erklärten die Geschworenen Hone nichtfür schuldig, und die Anwesenden, allem Anstande Trotz bietend, jauchzten darüber.Lord Ellenborough, der sich schon vorher unpäßlich befand, wurde durch dieses Er«eigniß rief erschüttert. Nach einer langen Kränklichkeit legte er seine Ämter niederund starb am 13. Dec. 1818 im 70. Zahre. 52,
32 *