Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
515
JPEG-Download
 

Encyklopädie 515

stellung der Hauptgrundsiitze oder der wichtigsten Gegenstände derselben besteht, vonder Encyklopädie einer Wissenschaft oder der Wissenschaften, d. i. einer Wissenschaft-liehe» Übersicht über den Inhalt derselben. Erstere wäre eigentlich nur die kürzer vor-getragene Wissenschaft selbst. Das Bedürfniß einer solchen Übersicht wurde schonin frühern Zeiten theils zum Behuf einer nach festen Grundsätzen anzustellendenAbbildung der Wissenschaften unter sich, theils auch nur zur Erleichterung desAuffindens einzelner Gegenstände, immer fühlbarer, je mehr sich die Begriffe undKenntnisse mehrten, und in dieser doppelten Rücksicht wurde sie bald in systemati-scher, bald in alphabetischer Form abgefaßt. Der Geist des Zusammentragens,welcher in der aleyandrinischcn Schule herrschte, führte bald auf entferntere Ver-suche dieser Art hin, und auch bei den Römern lieferten Varro und PliniuS derAltere (jener in verlorenen Schriften, „Ilci >»» liui»a,>r>r»in eidivinsruni .vntigui-I.-Ilcs" und „Disciplin.-nun» lilui IX", dieser in „Ilisiui i.-l Ii-itiir.-dis") ähnlicheWerke. Auch die spätern Sammlungen der Griechen Stobäus und Suidas , undvorzüglich desMarcianusCapella, können hierher gezogen werden. Unterdeß warendies immer nur noch Vorarbeiten. Der Ruhm, mit Bewußtsein Encyklopädien unternommen zu haben, gebührt dem Mittelalter, welches mit eisernem Fleiße nichtnur eine beträchtliche Menge von Encyklopädien einzelner Wissenschaften, ü»»»»ac,auch dipeciid, genannt (z.B. die „d>iim»>!> Um»!»!;».,'" des Thomas von Aguino),u. a., sondern auch eine Universalencyklopädie lieferte, wie sie noch nicht gesehen wor-den war. Es war der unverdrossene Dominikaner Dincen; von Beauvais (Ilell»-vaceusis), welcher um die Mitte des 13. Jahrh, die ganze Summe von Kennt-nissen des MitkelalterS in einem Werke von beträchtlicher Größe („8s>ecnlui» I»-sOuialc, ».-ilnralc, ilnciriusic", dem ei» Ungenannter wenige Jahre später ein,Hp<-c»ln>» ,»orale" in gleicherForm beifügte) in wörtlichen und treuen Auszügenaus den Werken der Schriftsteller selbst darstellte: ein wahrer Schatz für die litera-rische Charakteristik des Mittelalters, und selbst in mehrfacher wissenschaftlicherRücksicht (z. B. der profanen Kritik) nicht ohne Werth. (Neueste AuSg. zu Douay1624, in 4Bdn. Fol.) Im 17. Jahrh, lieferte nach den nicht unwichtigen Schriftendes Matthias Martinius, Pros. und Rectors am Gymnasium zu Bremen („Ideainctlindicae ei l»c> is encvclopaediac: rivc aclumbralio Universität!«", Herborn 1666) und Ioh. Heinr. Älsted's („liucvclopsedi.v VII Minis distincta", Herb.1620, 2 Bde., Fol.), der scharfsinnige Francis Bacon Lord Derulam in kleinen,aber sinn- und gehaltvollen Büchern, „diovnm or^anon scientiaium" (zuerstLond . 1620, Fol.) und,,De .-»inpncntis scic-nli,-»»in" (engl. zuerst Lond. 1605,4.,lat. Lond. 1638, Fol.) die Grundlage einer Encyklopädie voll der tiefsten Forschun-gen und kühnsten Ahnungen, die s. Zeitalter nicht verstand. Seit s. Zeit mehrtensich die Encyklopädien in ungemessener Zahl, aber keine derselben hatte den rein-wissenschaftlichen Zweck des Baco; denn alle bezogen sich entweder aufden Unter-richt der Jugend und der Ungelehrten (Chevigny, „Di science des persunnes deIn cour. de I'cpce et ile I.i i»l,e". 5u>e cd. per II. ?. de ldiniers, Amsterd.1717, 4 Bde.; Ioh. Chsiph. Wagenseil, „?era librorui» juveuilium", Altorf 1695, 5Bde.), oder sie »varen auch zum Nachschlagen für Gelehrte bestimmt.Zu den größer» Werken frühererZeit würde die von Cvrnelli unternommeneri.'i de .äliiierva" (Dened. 1696 —1717, 7 Bde., Fol.) gehört haben, welche auf45 Foliobände angelegt war, wenn sie ganz erschienen wäre. (Vgl. Keyßler's „Rei-sen", 1. Th., S. 1136.) Glücklichern Fortgang in Rücksicht der Beendigung hattedas „Große vollständige Universalleyikon aller Wissenschaften und Künste" (vons. Unternehmer gewöhnlich das Zedler'sche genannt; Halle u. Leipz. 1732 — 50,64 Bde.; iLupplem. 1751 —54, 4 Bde., Fol., das im Ganzen wenig Werthhat, und nur in einzelnen Fächern, z. B. in der Genealogie, gelangen ist. DieEngländer besitzen eine oft aufgelegte „Ovclvpsedia or a universal dictionsr^ ak