Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englische Literatur und Wissenschaft

den manche, fast gelehrte Herrscher an dem Fortgange der Wissenschaften naknnen,theils dnrch Schriften, theils durch Anstalten und Schenkungen, daß doch Allesaus der Mitte der Nation selbst hervorging, und durch ihre große Freimüthigkeit,wie sie, durch den Woblstand gehoben, nirgends sich findet, gefördert ward. Dererste Zeitraum, unter dem Häuft Tudor (1485 —1603), nennt Heinrich VII. ,Heinrich VIII. (einen scholastischen Tbeologen, der gegen Luther schrieb und auchdichtete), Eduard >>., den Kirchcnveibesserer, die katholische, fanatische Mariaund die gelehrte Elisabeth; der zweite, unter dem Hause Stuart (1803 —1702), sjakob I., einen wissenschaftlich gebildeten Prosaiker und Redner, den un-glücklichen Karl I. , der Wissenschaften beunruhigten Pfleger, den rohen Cromwell,den zweiten Karl, der, wicwol üppig, doch die Societät der Wissenschaften bestä-tigte, Jakob II., Wilhelm III. , welche sämmtlich die Bibliotheken beschenkten; derdritte endlich Anna, die vier George.

Über den Charakter der englischen Literatur der neuesten Zeit wollen wir,da dieselbe uns näber liegt und durch den herrschenden Geschmack gegenwärtig nochbesonders anziehend für uns geworden ist, etwas umständlicher handeln. Warfenwir zuvörderst emen Blick auf die letzte Hälfte des 18. Jahrh., so werden wir in allenGebieten der Wissenschaft und Kunst nur eine dürftige Arnte erblicken, ja mancheswissenschaftliche Gebiet, besonders in den Naturwissenschaften, lag fast ganz brach.Es sind nur einige hoch glänzende Namen, die den Ruhm der Literatur stuften,noch hinübergekommen aus dem Zeitalter der Königin Anna, Johnson, Hunie,Robertson, Gibbon, Burke, aber nian darf, obne ihren Ebrcnkranz anzutasten,wol behaupten, daß keiner von ihnen ein echt volksihümlichcr Schriftsteller in jenemSinne gewesen s's wie man es von Shakspeare, Bacon und Milton sagen kann;aber ein Umstand ist hier zu erwähnen, die in jenem Zeitraum immer bemerkbarerhervortretende hohe Ausbildung des StylS, selbst in wissenschaftlichen Werken, siewar im Grunde das beste Erbtheil des zunächst vorhergegangenen Zeitraums. Bli-cken wir dagegen in das Gebiet der schönen Künste, so tritt uns kein leuchtenderName entgegen, keiner, der die höchste Weihe des Dichtergeistes empfangen hätte,wenn wir auch Thomson, Akeuside, Pein oft, Grav und Goldsmith gerecht schätzen.Obgleich man aber während jenes Zeitraums die Muster der Dichtung noch immerin dem vermeintlich goldenen Zeitalter unter der Regierung der Königin Annasuchte, so wurde doch eben schon in jener Zeit, wie die Werke einiger von den ge-nannten Dichtern verrathen, eine Veränderung des poetischen Geschmacks vorberei-tet, und der Geist der alten einheimischen Dichtung begann sich mit leisem Flügel-schlag unter den aufgedrungenen Formen zu regen. Was indeß noch lange die Ent-wickelung hoher dichterischerEigcnthümlichkeit in England hinderte, war ohneAwei-fel auch der Zustand der ästhetischen Kritik, die selbst bis in den Zeitraum, dessenBetrachtung unsere Aufgabe ist, noch immer auf einer tiefen Stufe stand. Willman sich davon, auch ohne mit einzelnen Werken über die Geschmackslehre odermit der Masse der kritischen Zeitschriften sich bekanntzumachcn, überzeuge», sodarf man ja nur die berühmtesten neuen und neuesten Erläuteret des größten volks-thümlichen Dichters, den England gehabt hat, und dessen fortdauernde Verehrungden Funken der Dichtung in der Brust des Volks wach erhalten wird, näh.r- an-sehen, und man wird erkenne», wie wenig sie Shakspeare's Geist in seiner Tiefe undseinem Reichlhum auch nur zu fassen vermochten. — Auch während des Zeit-raums, zu welchem wir uns nun wenden, wirkten die dem Aufschwünge der Lite-ratur günstigen Umstände fort, die aus der Lage des Volks, seinen gesellschaftlichenund politischen Verhältnissen hervorgingen, ja sein zunehmender Wohlstand undsei» wachsendes Ansehen im europäischen Skaalenvcreine gaben diesen Umständeneine noch umfassendere Wirksamkeit. Dies fuhrt uns zunächst zu den äußern Be-günstigungen und Beförderungsmitteln der lilerarischen Cultur. Die beiden engl-