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Englische Poesie
auch hierin noch dieStudirenden ihre Freiheit geltend machen, und die Talente derEinzelnen" mit geringen Fingerzeigen meist ihrem eigenen Triebe und Feuer über-,lassen werden: dies dünkt uns ein Wechselverhälrniß zu bilden, dessen Vortheileund Nachtheile einem deutschen Meiste leicht bemerklich werden. Mathematik, Logikund classische Philologie sind das Einzige, was alsGrundlage aller Studien am ern-stesten betrieben wird. In den übrigen Wissenschaften wird nach vorläufigen, man-gelhaften Übersichten, Fingerzeigen und Rathschlägen, wodurch dieTheoriedem Pri-vatstudium überlassen wird, öffentlich Alles nach Außen und aufdie Praxis bezogen.
2) Englische Poesie. Es ist schon aus dem bisher Gesagten begreif-lich, daß auch in der Poesie ein so ganz auf öffentliches Leben und Bürgerlichkeit inhöherm Sinne gestelltes Volk, zumal mit dem tiefen, ja schwerfälligen, starrenErnste, der ihm eigen ist, sich mit andern Völkern, im Ganzen genommen, nichtwird messen können, obwol es auch hier glänzende Genien geben wird, als derenInbegriff wir den einzigen Shakspeare nennen, der alle Elemente seines Volksin sich zusammenfaßt, selbst das eigenthümlichste, am trefflichsten von ihnen aus-gebildete, den Humor. Aber eben dies Hervortreten des Humors zeigt auchwieder, daß die Poesie zurückweichen mußte, indem das Komische, dessen (derneuern Zeit ungehöriges) Element der Humor ist, theils das Widerspiel der herr-schenden Richtung einer Zeit, theils das der Poesie ist. Darum erlischt der Hu-mor dort nie, und setzt sich, so zu sagen, fast in ein Gleichgewicht mit der Wis-senschaft; wohl aber tritt die Poesie nicht selten weit zurück. Schon die überwie-gende Neigung, die sich seit den frühesten und in den angeblich besten Zeiten kundgibt, zu einer Art derselben, nämlich der beschreibenden, welche in den letziern Zei-ten sogar noch der geographisch-topographischen Richtung der Nation dienen mußte,verräth eine Einseitigkeit, welche der Poesie fremd ist. Dazu klingt, bewußt oderauch bewußtlos, Shakspeare überall durch, wo noch etwa Poesie waltet, und, wenneinige die iLeite derselben, durch welche sie an die Sprache rührt, mehr ausbildeten,so wirkte theils hierin die Zeit mehr, theils möchte es doch wol dem Gemüth anFrische, Tiefe und Zartheit der Anschauung fehlen. Einige Blicke in die Geschichteder englischen Poesie werden dies lehren. Sammler von alt-romantischer Poesiesind Percy, Ellis und Rikson. Da Heinrich VIII. selbst Verse, besonders So-nette, machte, so wurde dies begreiflich Hofton, und Wyat und Surren schriebenbereits vor 1541 Verse. Borde und Heywood schrieben 1556 Epigramme undPossen, Sackville poetische Lebensbeschreibungen; Eh. Tye brachte sogar die Apo-stelgeschichte in Verse. Die durch Provern-alpoesie angeregten Versuche bliebenroh, und Chaucer , der Vater der engl. Poesie genannt (st. 1400), der nach franz.Mustern mit geistreicher Gewandtheit dichtete, war nicht volksrhmnlich. Keinbedeutender Sänger erschien, bis aufSpenser und Waller in der letzten Hälfte des16. und der ersten des 17. Jahrh. Sie, die in der Idylle arbeiteten, erwarben sichVerdienste um Weichheit und Melodie der Sprache, wie schon Lüdney sich in dieserGattung versucht hatte. Spenser war Ariostisch reich an Erfindung, verschwende-risch bis zur Verwirrung, Erfinder der neunzeiligen, nach ihm genannten stanze.Um diese Zeit lebte Shakspeare, dessen Riesengeist nicht allein in der Ge-schichte des engl. Theaters Epoche macht, sondern auch in andern Gattungender Poesie, und namentlich der lyrischen, Vergleichlos in seiner Zeit dasteht. Zwi-schen Sbakspeare und Milkon lebten eine Menge guter VerSkünstler, aber keingroßer Dichter. Der schwermüthige Eowley mag eine besondere Auszeichnung un-ter denselben verdienen. Milton, der Dichter des „Verlorenen Paradieses", warin allen seinen Werken ein Spiegel der Zeitverhältnisse, in denen er lebte, aber alssolcher großartig auffassend und wiedergebend. Sein religiöses Epos, voll lyrischerKraft und Warme wie Klopstock's „Messias", oft auch zum Lehrton übergehend,gilt als unerreichtes Meisterwerk in der engl. Poesie, so wenig es auch als GanzesCviiversarions - Lmcvn. Bd. III.