Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englische Poesie

heißen mag, und von dem ausländische Etwas, nicht eben Gefühl und Leidenschaft,aber eine reiche Phantasie, welche indeß, statt in leichten Spielen, glänzendenSchilderungen sich zu ergießen, in das Epigrammatische oder auch in frostige Über-treibung umschlug. Er wollte wie Pope schreiben, und war doch von Natur mehran Cowlev und Shakspeare gewiesen, ward also unbeholfen und unnatürlich.Akenside und Gray aihinten die Alten noch. TollinS und Goldsmith schufen nurwenig. Cowper warf endlich die franz. Fesseln ab, und schrieb wieder frei in alt-englischem Geiste und eben so eigenthümlich national ist der frische Waldgesang desSchotten Burns. Um die Zeit, als diese beiden Dichter den Schauplatz verließen,traten nach und nach die Sänger aus, die jetzt Englands Dichterruhm gründen.Man hat selbst in England bei dem Wiederaufleben der vaterländischen Dichtkunst,die nichts Anderes als die entschiedene Richtung nach dem Romantischen ist, wol voneiner Einwirkung deutscherArt und Kunst sprechen wollen, wenn man aber erwägt,daß zur Zeit jenes Wiederauflebens nur so wenig von der neuern teutschen Dich-tung bekannt war, ja selbst jetzt im Ganzen nur so wenig bekannt ist, daß der Geistdeutscher Kunst schwerlich vollständig hat erkannt werden können, was sich auch bisauf diese Stunde aus den Äußerungen engl. Kritiker deutlich entnehmen läßt, unddaß die nähere Vertrautheit Einzelner, z. B. Coleridge's, mit deutscher Literaturhier nichts entscheidet, so möchte man an einen solchen Einfluß kaum glauben, undeher geneigt sein, hier nichts als das Wiederaufwachen des, eine Zeitlang niederge-drückten, aber nie zu erdrückenden innersten Wesens aller neuern Bildung, eben desRomantischen , zu erblicken. Es erging auch bei dieser Wiedererweckung, wie immer,der schöpferische Dichtergeist eilte dem beurtheilenden Geiste weit zuvor, und einerder begabtesten unter den neuern Sängern, Wordswörth, mochte bei deni Blickeauf den Zustand der cngl. Kritik wol recht haben, als er bei s. früher herausgegebe-nen Dichtungen den Wahlspruch wählte: I^egue to ut mireiu, turl>:>, I.-iboiks—daß nicht der Haufen auf dich schaue, dahin strebe! In dem Verlauf von 20 Jah-ren hat sich aber — wie man besonders in dem „Lclinlnirxl, rcvierv" und „s-uur-terlv reviuvv" bemerken kann —auch der Geist der Kritik geläutert, und schonlange ist nian ziemlich zu der Ansicht von dem verkehrten poetischen Streben dernächst vorhergegangenen Zeiträume gelangt, die wir oben ausgesprochen haben, undimmer mehr scheint sich der Gesichtskreis zu erweitern und aufzuhellen, wo nichtParteiansichten ihn trüben. Die engl. Kritiker haben im Anfange der neuen poeti-schen Zeit, wo einer von ihnen bei dem freien Flügelschlag der Muse von „Abtrün-nigen vom herrschenden System der Poesie und Kritik" sprach, und noch „Pope's treffende und seine Eigenheit" für das Höchste in der Poesie hielt, einige der damalsaufgetretenen Dichter, nämlich Wordsworth, Coleridge und Southey , wozu spä-ter noch Wilson kam, mit dem Namen der Seeschule (babe scbnol) bezeichnet,weil besonders die Ersten die reizenden Umgegenden der Seen in Wesimoreland inihren Gesängen schilderten. Die Bezeichnung ist jedoch so wenig in einer besondernEigenheit gerade jener Dichter gegründet, daß in unserer Übersicht darauf nichtgeachtet werden kann. Nach diesem Vorworte versuchen wir, den dichterischenCharakter der Einzelnen anzudeuten. William Wordsworth (s. d.), derzuerst durch s. lyrischen Balladen (1798) mit der herrschenden Kritik sich verfein-dete, zeichnete sich gleich bei seinem ersten Auftreten durch das Streben nach Ein-fachheit in Gedanken und Ausdruck aus, aber bei allen Vorzügen, die ein reiches,tiefes Dichtergemüth, eine ungemein kräftige Phantasie und ein zaAeS Gefühl ihmgeben, nahm er in jener Bestrebung nicht selten eine verkehrte Richtung, die ihn zuleerer Spielerei führte. — Walter Scott (s. d.), der Sänger des Rilterthums,sang gleich in der ersten der erzählenden Dichtungen, die seinen Ruhm begründethaben, deni „Lied des letzten Minnesingers" (1805) im Geiste der alten Romanze,und zeigte schon hier jene ergreifende Treue in der Beschreibung der Sitten, der Ge«

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