Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englisches Theater

auch die Kleinmalerei zuweilen in Kleinlichkeit fallt, und dir Darstellung zu tief mitdem Gegenstände sinkt. — Unter den übriqen Dichtern der neuesten Zeit sind nochzu nennen: „Samuel Roger'S, Bankier in London , Lehrdichter („Niea-mres nl'mo-,"nrr". „Im!>"), in schöner einfacher Sprache; Leigh Hunk, phantasiereich undtieffuhlend, doch nicht frei von falschem Schimmer, vorzüglich bekannt durch dieErzähluna, Rimini " (I81K); Barv Cornwall, ein vielversprechender Dichter, derzuerst (1820 durch s. erzählendes Gedicht: „Ncillan ,t»>r^" sich Auszeichnung er-warb; Percy Bisshe Shelley (starb 1822) von vorzüglicher Anlage bei aller Ver-kehrtheit, besonders durch „ I'I>e revnlt nsl,l.,m" bekannt; Bernard Barton undWissen, beide Tuäker, glücklich in lyrischen Gedichten, und der Letztere auch Über-setzer des „Befreiten Jerusalems" in neunzeiligen Stanzen; James Montgomery,ein religiöser Lehrdichter mit elegischer Natur; die Naturdichter Cläre und Hogg;und die Romanverfasser, theils dem HoraceWalpole im romant.Novellenton nach-eifernd, wie Anna Radcliffe, oder mit patriotischer Tendenz, wie Lady Morgan ,oder in häuslichen Charaktergemälden, wie Mary Edgeworth , der vielen Nachah-mer Scott'« nicht zu gedenken. Die ihm zugeschriebenen Waverley-Novellen bildeneinen glänzenden Zeitabschnitt auf diesem Felde der Literatur. Neben ihm stehen derAmerikaner Washington Irving , ihm geistverwan'w und doch eigenthümlich, und dernationalere Cooper, der nur in der Form s. Romane an das engl. Vorbild erinnert.

3) Englisches Theater. Wir haben bei der vorstehenden Übersichtdie dramatische Poesie und ihren Fortgang unerörtert gelassen, um sie, als dashöchste Erzeugnis, im Ganzen zu betrachten. Eine geistreiche Würdigung hat A.W. Schlegel in s. „Vorlesungen" geliefert, dem wir hier zum Theil nachzugehenfür Pflicht halten. Wie überall, entsprang auch in England das -Schauspiel zu-nächst aus der Religion und schloß sich ihr zuerst an, wenngleich auch einige spu-ren dramatischer Spiele (wie die, welche in Wales den Namen intc-, l»dc5 führen)noch auf die Römerzeit hinweisen. Und so waren denn die älor.ilitl» und »vate-rlos hierin das Ursprüngliche. Für das Erste hält man die Wunder der heil. Katha-rina. Unter Heinrich V >Il. wird „läver^ man" als das Erste angeführt, worauf„llvcse 5001,,.«" und „Interim!«" gefolgt, dann unter Eduard VI. „.Invlv ,1n-vonln'"; dabei auch noch die Tragikomödien. 1551 wird schon „Gevatterin Gur-ton's Nadel" von I. Still erwähnt, das, bei aller Niedrigkeit, doch viel Komischeshaben soll. Es wurden auch schwache Versuche in der Form der antiken Tragödiegemacht. „Forrep und Porrex", oder das Trauerspiel von „Gorbodue", aus denersten Zeiten der Elisabeth war, wie „Mustapha", geistlos. „Die spanische Tra-gödie" war das erste ernste Stück, unsicher und bombastisch. Lilly schrieb „Cam-paspe"; er war süßlich, verschroben. Marlow's „Eduard U." kunstlos, aber treuund einfältig, und s. übrigen dramatischen Arbeiten von wilder und kühner Gestalt.Unter den übrigen Vorläufern und Zeitgenossen Shakspeare's nennen wir RobertGreen, Heywood, Decker, Rowlev, Peele rc. Dies altenglische Theater hartenun wol zwar Maschinerien, aber keine eigentliche Dekorationen. Denn in eini-ger Entfernung von den Wänden hingen Teppiche. Im Hintergründe war eine überdie erste erhohele Bühne. Man spielte am Tage. Parterre war unter freiem Him-mel. Tracht war die gewöhnliche, etwa Federbüsche auf den Hüten und Rosen aufden Schuhen. Knaben spielten Frauenrollen. Musik war in den Zwischenaktennicht. So fand Shaklpeare die Bühne. Daß sein Zeitalter ungebildet gewesen,darf man wol nicht behaupten. Die Regierung der Elisabeth brachte England inhohen Flor durch Handel und Schifffahrt. Die Lust an den Alten war aufgeregt,wie an den Erzeugnissen der Italiener und Spanier. Der Geist der Geselligkeit warkeck, kräftig, muthwillig, witzig, und nach.mehren Schilderungen und Darstel-lungen Shakspeare's zu urtheilen, gab es einen feinen Hofton. Denn , wie einDichter auch riesenmäßig über feine Zeit hervorragen und die noch in ihrer Tiefe un-