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Englisches Theater
entwickelt schlummernden Keime herausfordern möge: nie wird man ihn doch ganzunzusammenhängend mit ihr nennen können. Shakspeare hatte sich schon frühernicht bloß als dramatischer Dichter hervorgethan, und als letzterer genoß er allge-meine Achtung und Verehrung. Dies, wie die glänzende Aufnahme keiner Stücke,trotz der wenigen äußern Hülfsmittel der Darstellung, erweist ebenfalls wieder, daßsein Zeitalter wol nicht roh gewesen sein könne. Es ist hier der Ort nicht, diesesDichters unergründliche Herrlichkeit weiter zu verfolgen, ebenso wenig, als mancheüber ihn im Schwünge gehende Vorurtheile zu widerlegen; seine Bildung ist, wiealle große und einzelne Bildung, fast den Fesseln der Zeit und der Geschichte ent-flohen. Wir bemerken nur kürzlich, daß seine Werke eine so durchaus gegliederteharmonische Ansicht der Welt und des Geistes verkünden, daß beide sich ewig ineinander spiegeln und wechselseitig Symbol für einander werden, wodurch sich ge-wiß das Wesen eines wahrhaften, hohen Dichtergeisteü beurkundet und ausspricht.Er war ei» Herzenskundiger, seine Charakteristik ist tief eingreifend und wahr. Un,erschöpfiich ist die Fülle des IndividualisirenS in ihm, worin ihm vielleicht kein Dich-ter gleichkommen möchte, ein Moment des Drama, der gerade dem neuern Dramaals Aufgabe vorgelegt ist! Außer den 34 allgemein ihm zuerkannten Stücken gibtes vielleicht noch manche, die mehr oder weniger seinen Einfluß erfuhren. Über andreist man fast gewiß, daß Shakspeare sie geschrieben, und unter uns hat Tieck ange-fangen, mehre hervorzuziehen. Dahin rechnet Schlegel den „Perikleü, Prinz vonTvrus", den „Londner verlor'nen eLohn", „Thomas Lord Cromwell", „Sir JohnOldcastle ", „Ein Trauerspiel in Berkshire". Manche Stoffe scheint er umgearbei-tet zu haben. Bei diesem Meisterthum ist es wol nicht befremdlich, daß er, wie obengesagt wurde, durch die gesammte dramatische Poesie der Engländer mehr oder we-niger durchtönt, ohne doch je erreicht zu werden. Dagegen unterliegen selbst talent-volle Männer der herrschenden Zeikrichtung und ihren Gebrechen. Dies erweist sichan Ldhakspeare's Zeitgenossen und Nachfolgern, von welchen er gleichsam der Mit-telpunkt zu nennen ist. Mehre derselben sind nichts als Nachahmer. Chapman,der Übersetzer des Homer, schrieb „Die Thränen der Witwe", nicht ohne komischesTalent; Heywood ein bürgerliches Trauerspiel: „Die durch Güte geiödtete Frau",kunstlos und leicht, und übrigens noch 220 Ltücke. Ben Ionson, von Shakspearesehr geschätzt, unterstützt und aufgemuntert, wähnte, sich über seinen Meister erhe-ben zu können, weil er mehr Echulgelehrsamkeit besaß als dieser. Er war fleißig,kritisch, mühsam, aber ohne Anmuth und Pathos, wie seine „Catilina " und „Se-janus" beweisen. Im Lustspiel war er vorzüglicher, wiewol ihm ein schwerfälliger,satyrisch-römischerZug, in derIntrigueMangelhaftigkcit, llnwahrscheinlichkeit undmethodische Breite eigenthümlich blieben. Deaumonr und Fletcber, die schon beiShakspcare's Lebzeiten über 50 Stücke schrieben, ihm immer nachiretend, warenfruchtbar, leicht und biegsam, nur zu sehr Alles auf Erfolg berechnend. Auch siewaren im Komischen vorzüglicher, hatten natürlichen Ausdruck, waren aber frechund unanständig. „Die zwei cdeln Vettern", „Der Ritter von der brennendenMörserkeule", „Die treue Schäferin", sind bei Schlegel ausführlicher beurtheilt.Ihnen sehr ähnlich sind Massmaer und Shirlcy. In dieser Reihe alter Dichterherrscht eine gewisse Raschheit und Natürlichkeit, die aus Unstätheit und Unordnungdes Dialogs hervorgeht, in welchem eine große Vorliebe für Wortspiele sichtlich ist.Ihr Styl istmeist gewandt und gebildet, zuweilen mit einem Beischmcck von Zwangund Verwickelung, oft gesucht kurz, aber gehoben durch glücklich hingeworfene Bi -ber, durchaus fast gefärbt mit einer unverkennbare» Treuherzigkeit und Zierlichkeit.Von 1647—60 blieben durch Veranlassung der Puritaner dieBühnen verschlossen,und nun wurde der Hofton Karls II . eine Mode, die auch in die Kunst überging,und dieser Ton war sittenlos und unanständig. Auch Frauen stimmten in diesenTon ein, z. D. Miß Bchn und WrL. Ccntlivre, Durch Davcnant wurde Opern-