Band 
Dritter Band. D bis E.
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Englische Medicin und Chirurgie

senschaftliche Cultur auf dem Nationalcharakter eben dieses Volks, und auf dessenphilosophischer Überzeugung, die aber selbst wieder aus dem nationalen Charakterbervorgina, beruhen müsse. Einen neuen Beweis für die Wahrheit dieses Satzesbietet die Betrachtung der Ausbildung der Arzneiwissenschaft bei den Engländern.Die Grundzüge des encst. Nationalcharaktcrs bezeichnen Zugleich jene der cngl. Me-dicin. Freiheit ist vor Allem das Element, in dem die Engländer sich bewegen, undeine ungebundene Freiheit auch ist es, die wir in der Erlernung wie in der Aus-übung der Medicin im großen Inselreiche wiederfinden. Die Regierung hat frei-lich ihre ofstciellen Unterrichtsanstalten in Oxford, Edinburg, Glasgow, Dublin u. s. w. Niemand aber ist deßhalb gezwungen, in ihnen seine Weisheit zu holen.Er kann für sein Geld puss! in irgend einem Hospitale werden, hier sich ausbilden,er kann als Apothekergehülfe nebenher einige (neuerlich indeß doch für diese Fällegenau bestimmte) Vorlesungen hören, er kann in der Marine, in der Armee alsWundarzt dienen — ja er brauchtAlleS dies nicht einmal, wenn er sich durch andreMittel, als Erfahrung und Gelehrsamkeit bieten, in das medicinische Vertrauendes Publicums einzuschleichen weiß—und so treiben denn die graduirten Docwrenneben den Apothekerärzten, den bur^eon« und den Quacksalbern collegialisch ihrePraxis fort! Daß auf diese Art an eine gewisse Einheit in der engl. Ar-neiwissen--schaft—wie sie etwa sehr merkbar in jener der Franzosen stattfindet—nicktzu den-ken sei, leuchtet ein. Hierzu kommt noch, daß selbst auch die öffentliche» Kranken-anstalten nicht, wie bei uns auf dem Continente, unter der Regierung stehen, weildas engl. Gouvernement überall nicht Alles und zu viel regiert, sondern auf demBeutel und der Fürsorge der Bürger beruhen, daher nicht nach einem gemeinschaft-lichen Zwecke geleitet werden und ein gemeinschaftliches Resultat liefern können. —Wie aber ferner der gepriesenen engl. Freiheit aufderandernSeiteeine Aristokratiezügelnd gegenübersteht, die wol in keinem Lande der Welt mächtiger und drückenderist, so finden wir auch eine medicinische Aristokratie in England, die gewiß höchstwichtig ist für die Medicin, besonders für die Literatur. Diese Aristokratie bildenvornehmlich das flottere ok pb vzici.ins und das tlolle^e okrurgeon« in London .Die eigentlichen Mitglieder (Httmvr) dieser Gesellschaften bilden eine wahre Mi-nisterialmacht; sie ertbeilen die Befugnisse, in oder nahe bei London die Praxis aus-zuüben — können daher von diesem Mittelpunkte der reichsten Erfahrung Die ver-drängen, die sie gerade nicht in ihrer Nähe wünschen — und unzählig sind die Chi-tonen, welche die Nichtmikglieder erdulden müssen, wenn sie auf die Ehre Anspruchmachen, in das Collegium ausgenommen zu werden, oder nur selbst ihre Arbeitenund Erfahrungen in die Archive dieser Gesellschaften („äleil. oliir. tr.-nu-.ioi.") nie-dergelegt zu sehen. Wir überlassen es sachverständigen Lesern, zu entscheiden, obund wie eine solche wissenschaftliche Aristokratie von Einfluß auf die Cultur derWissenschaft sei. — Höchst wichtig ist ferner für den Zweck dieses Art. die Tendenzim Charakter der Engländer nach dem Praktisch-Brauchbaren; hier ist es kennauch, wo wir die Philosophie derselben in Anspruch zu nehmen haben. Das nochheute in England herrschende System ist der Locke'sche Empirismus, ein .System,das den -Latz behauptet: Wissenschaft könne nur auf Erfahrung beruhen, wie alleunsere Begriffe zuletzt darauf beruben, und z. B. angeborene Begriffe nicht anzuneh-men sind. Wie wichtig einsolches philosophischesSystem für dieMedicinsei, leuchtetein, denn es macht aller Hvpothese und Theorie von vorn herein den GarauS. Trifftes nun vollends aufeine so rein praktische Tendenz, wie die imKopfe des Engländers,der das cmi linnn als ewiges Motto anfalle s. Gedanken und Handlungen setzt, soläßt sich denken, welche rein prakt. Physiognomie die Arzneiwissenschaft hier annehmenwerde, lind hier kommen wir aufdenHauptzug derCharakleristik derengl. Medicin.„Vom Empirismus aus", so ruft uns jedes engl. Buch von Harvey an bis auf heutezu, „müssen wir Arzte ausgehen, wenn wir etwas wahrhaft Brauchbares liefern