Band 
Dritter Band. D bis E.
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Epee

geistige Übereinstimmung mit dem berühmten Bischof Soane zog ihm den Unwil-len des Erzbischofs von Paris zu, der dem Abbe für einige Zeit die Ausübung desBeichtstuhls, sogar gegen seine Zöglinge untersagte. Der Gedanke, Taubstumm-geborene niittels einer Zeichensprache geistig der menschlichen Gesellschaft wiederzu-geben, ward von ihm zwar nicht zuerst aufgefaßt, doch war derselbe, seiner Versiche-rung nach, in ihm obne äußere Anregung entstanden. Schon zu Ende des 16. Jahrh,hatte ein spanischer Benedickinermönch, Pedro de Ponce, ein Paar taubstummgo-borene Kinder des Connetable von Easiilien init solchem Erfolge unterrichtet, daßdiese nicht allein lesen und schreiben, sondern auch Rechnen, Religion und mehreSprachen lernten, und sogar einige Kenntnisse in der Physik und Astronomie erwar-ben. Auch in England, der Schweiz u. a. wurden glückliche Versuche mit Taub-stummen gemacht, und 1748 kam ein Spanier, Pereira, nach Paris und stellte derAkademie der Wissenschaften einige von ihm gebildete Taubstumme vor, die durchihre Kenntnisse allgemeines Erstaunen erregten. Keiner von diesen Lehrern hattejedoch über die Art, wie er seinen Unterricht einrichtete, Etwas bekanntzemacht, undes gab hierüber, außer den Werken von I. P. Bonet und Ramirez (beides Spanier),nur unvollkommene Nachrichten. So ist es erklärlich, daß destEpee gewissermaßenErfinder dieser Unterrichtsmethode wurde, die er zuerst an 2 taubstummgeborenenSchwestern versuchte, und mit einem so glücklichen Erfolge gekrönt sah, daß er sichentschloß, sein ganzes Leben diesem Geschäfte zu widmen. Der edle Mann wurdeein wahrer Vater der Unglücklichen, für deren Ausbildung er in einer, einzig aufseine Kosten gegründeten, Anstalt «Lorge trug. Hier verwendete er seine ganze Ein-nahme und Astes, was ihm menschenfreundliche Könner, z. B. der Herzog von Pen-thiävre, zukomme» ließen, zur Erziehung und Ernährung seiner Zöglinge, für derenBedürfnisse er mit solcher Aufopferung sorgte, daß es ihm selbst oft am Allernoth-wendigsten fehlte, und er einmal, im bereits vorgerückten Alter, einen Winter ohneFeuerung zubrachte, nur um seine Kinder, die, während er oft mehr als ärmlich ein-herging, stets gut gekleidet waren, keinen Mangel leiden zu lassen. Diese Aufopfe-rung für die leidende Menschheit ging bei ihm so weit, daß seine VermögenSuin-stände dadurch in Unordnung geriethen und er deßwegen manchen Verdruß vonseinenVerwandten hatte; dennoch ließ er die Kaiserin Katharina II. , die ihn unterstützenwollte, bitten, ihm lieber, statt Geschenke, einen Taubstummen aus ihrem Reichezu senden. So brachte ihn auch sein Mitleiden mit einem taubstummen Jüng-linge, den er 1773 auf der Etraße von Peronne mit Lumpen bedeckt fand, in vieleVerdrießlichkeiten. Er glaubte nämlich, in diesem Verlassenen den auSgestoßenenErben der reichen gräflichen Familie Solar zu entdecken, nahm ihn zu sich und fe-derte dessen Rechte zurück. Es entstand ein Proceß, und das Chatefet erkannte1781 den Taubstummen als Grafen an und setzte ihn in dessen Rechte em; 1792aber, als Ep,-e und der Herzog von Penthil vre (die einzigen Beschützer des armenJoseph Solar) gestorben waren, wurde das Urtheil umgestoßen, wodurch der jungeMann seiner Ansprüche verlustig erklärt, inS tiefste Elend gcricth und gezwungenward, als gemeiner Cuirassier Dienste zu nehmen. (Er starb nach kurzer Zeit imHospitale.) Bouilly hat diesen Stoff u. d. T.: „l.'->bl,<! <Io I'kflwe", zu einemSchauspiele benutzt, welches mehr dialogisirte Erzählung als Drama ist, aber lauterUnwahrheit enthält. Kotzebue bearbeitete dasselbe u. gl. T. für die deutsche Bühne.Laharpe erzählt den Proceß in s. re-p.Iillc,., lll. 1801, S. 170 sg. DerAbbä de l Epce starb den 23.Dec. 1789. Ungeachtet seiner vielfältigen Bemühun-gen war er doch nie so glücklich, seinen Lieblingswunsch, Gründung einer Taub-stummenanstalt auf öffentl. Konen, zu erreichen, und erst s. Nachfolger, der AbböRicard, der die Unterrichtsmethode noch um Vieles verbessert hat, gelangte dahin.Man hat von l'Eple mehre Schriften über den Unterricht der Taubstummen sowolals über die von ihm befolgte Methode, von denen eine auch insDeutsche übersetzt ist.