Band 
Dritter Band. D bis E.
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606
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606 EpimenideS Epinay

Nothbehelf, insofern er von einem Kunstwerke Etwas sagt, was dasselbe nicktdurch sich selbst aussprichr. Zn einem etwas veränderten Sinne nennt manEpilog die (größtentheils versificirte) Rede, worin eine Schauspielergesellschaftbei ihrem Abgänge von einem Orte von dem Publicum Abschied nimmt.

EpimenideS, ein berühmter Philosoph und Dichter des Alterthums,im 6. Jahrh, vor Ehr. und aus Kreta gebürtig. Don Einigen ^vird er zu den so-genannten sieben Weisen Griechenlands gerechnet, Periander dagegen von dieserZahl ausgeschlossen. Die Sage schildert ihn als einen Vertrauten der Götter unduntrüglichen Seher der Zukunft. Als die Athener von Feinden und ansteckendenKrankheiten heimgesucht wurden, und das Orakel ihnen erklärte, die Stadt habesich durch Enlheikigung der Tempel, in welchen die Anhänger des Eplon ermor-det worden, den Zorn der Götter zugezogen, und müsse wieder entsündigt werden,riefen sie den durch seine Weisheit und Frömmigkeit berühmten E. von Kreta zusich, um durch ihn mir den Göttern versöhnt zu werde». Er entsprach ihremWunsche und traf noch verschiedene nützliche Einrichtungen. Bei seinem Fortgangeschlug er alle Geschenke aus und „verlangte zum Lohne Nichts als einen Zweigvon dem der Minerva geweihten Olbaume. Leicht zu deuten ist die Sage, das, erals Jüngling in einer Höhle von einem Schlaf überfallen worden, der nach Eini-gen 40, nach Andern noch mehr Jahre gedauert habe. Bei seinem Wiedercrwa-chen habe er zu seinem Erstaunen Alles in seiner Vaterstadt verändert gefunden. Erstarb in seinem Vaterlande in hohem Alter. Diese Sage liegt Gölhe'S Dichtung:„Des EpimenideS Erwachen", zur Jahresfeier der Schlacht bei Leipzig , zumGrunde. Vgl. Heinrich: „EpimenideS aus Kreta " (Leipz. 1801).

EpimetheuS, s. Pandora.

Epinay (Louise, Frau v.). Diese durch Rousseau's Liebe und Anklagen be-kanntgewordene geistreiche Frau war die Tochter des H. Tardieu Deselavelles, derim Dienste Ludwigs X V. sein Leben in Flandern verlor und seine Familie in sehrmittelmäßigen Umständen hinterließ. Dies und die Gewogenheit, welche DeScla-velles am Hofe genoß, machte, daß man einige >Lorge für die Tochter trug und siemit einem H. Delalive de Bellegarde, dem man eine Generalpächterstelle gab, ver-band. Die Verschwendung des jungen Mannes verkümmerte jedoch bald s. Gattindas Glück, welches ihr durch diese Verbindung hatte gesichert werden sollen. Wäh-rend der Tage des Glanzes und der Jugend machte sie die Bekanntschaft des Phi-losophen von Genf , der, leicht beweglich in seinen Gefühlen, wie er stets war, nichtermangelte, der minder schönen als anmuthigen und geistreichen Frau seine ganzeZuneigung mit einer Glut zu widmen, deren Tiefe und Stärke er selbst in seinen„Ooniessicnii" schildert. Auch Mad. d'E. war nicht unempfindlich für die Hul-digungen ihres „Bären ", wie sie ihn wegen mancher seiner Eigenheiten zu nennenpflegte, und sie that in jener Zeit so viel ihr möglich war, um ihm eine seinenWünschen entsprechende Existenz zu verschaffen. Zn ihrem Park von la Chevrette,im Thale Montmorency , räumte sie ihm ein Häuschen (die so berühmt gewordeneEinsiedelei) ein, und hier war es, wo der Vers. der „Neuen Heloise" in s. romanes -ken Liebe zu Mad. d'E. so lange glückliche Tage verlebte, bis er aufden, von ihmselbst bei seiner Freundin eingeführten bekannten Baron Grimm glaubte eifersüch-tig werden zu müssen, und nun, in Folge dieses von ihm keineswegs verhehlten Ge-fühls, zwischen ihm und Mad. d'E. erst Kälte, dann ein Widerwille eintrat, dersich nur zu schroff in den Bekenntnissen des Philosophen ausspricht. Eine Ver-theidigung des spätern Benehmens der Frau v. E. gegen Rousseau findet sich inGrimm's „(loiicspoiiclenee", woselbst auch Nachricht über einige von ihr ge-schriebene Werke gegeben wird, deren berühmtestes „bes aonvurrulivn!- ü'b.milis"ist, in welchem die Verfasserin in einem etwas kalten, aber wohlgeregclten Style dieLehren der Mrral für Kinder so geistreich als anziehend entwickelt, und für welches