Band 
Dritter Band. D bis E.
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ErasmriS

Heldengedicht, Maschinen und Wunderbar; hier nur eine Bemerkungnoch: Unglaube an das Himmlische hat uns die Epopöie, wie Herder sagt, fast ge-raubt; kann uns da eine willkürliche Mythologie, kann uns die kalte Allegorie der„Henriade" retten? Was sollen wir aber dann thun? Wenn nicht alle Dichter wieGöthe in seinem echt Homerischen Epos „Hermann und Dorothea " verfahren,unsern Unglauben gefangen geben unter die Poesie. In ihr soll Alles nur möglicherscheinen. Wird daher nur nächst der psychologischen jene Wahrscheinlichkeit nichtverletzt, die auf dem innern Zusammenhange der Begebenheit beruht, so kann manwol auch jenes gestatten. Indeß bleibt es gewiß, daß das Wunderbare des Eposnicht eben vornehmlich in Einmischung höherer Wesen bestehe, und daß deren Er-zwingung, wo kein Volksglaube sie mehr bestätigt, nichts als Mißverstand ist. <Icl.

Erasmus (DesideriuS), geb. zu Rotterdam am 28. Oct. 1467, der unehe-liche Sohn eines Holländers, Namens Gheeraeds, aus Gouda , und der Tochtereines Arztes, war bis zu seinem 9. I. Chorknabe im Dome von Utrecht , dann trater in die Schule von Deventer , wo er sein Talent auf eine so glänzende Weise zuentwickeln begann, daß ihm vorausgesagt wurde, er werde einst der gelehrteste Mannseiner Zeit werden. Nach dem Tode seiner Ältern, die er im 14.I. verlor, zwangenihn seine Vormünder, in den geistlichen Stand, und mildem 17.1. in das KlosterEmaus bei Gouda zu treten. Der Bischof von Cambrai befreite ihn von diesemZwange. Nachdem er 1492 die priesterlicheWeihe empfangen hatte, reisete er nachParis , um sich in der Theologie und in den Humanioren zu vervollkommnen. Erunterrichtete kort einige reiche Engländer, von welchen Einer ihm, fs lange er lebte,eine Pension zahlte. Mit ihnen ging er nach England (1497), wo ihn der Königsehr wohl aufnahm. Doch kehrte er bald nach Paris zurück. Er reisete dann, umseine Kenntnisse zu bereichern, nach Italien. Hier wurde er in Bologna , wo er dietheolog. Docwrwürde annahm, wegen seines weißen ScapulierS für einen Arzt derPestkranken angesehen und mit Steinwürfen verfolgt, die sein Leben in Gefahr seh-ten. Dieser Vorfall war die Veranlassung, daß er bei dem Papste um Dispensationvon seinen Qrdensgelübden anhielt, die er auch erhielt. Er besuchte Venedig, Padua und Rom ; aber so glänzende Aussichten sich ihm auch hier darboten, so folgte erdoch lieber den Einladungen seiner Freunde nach England, wo ihm das Ansehen,worin er bei Heinrich VIII. stand, noch größere Vortheile versprach. Als er denbei-ühmten Großkanzler Thomas Morus besuchte, ohne sich ihm zu erkennen zu ge-ben, ward dieser dergestalt von seiner Unterhaltung entzückt, daß er ausrief: „Ihrseid Erasmus oder ein Dämon". Man bot ihm eine Pfarrei an, aber E. war weniggeneigt, durch ein solches Amt sich zu fesseln. Zu Oxford verwaltete er kurze Zeitdie Professur der griech. Sprache. Daraufging er nach einigen Wanderungen durchdie Niederlande und Deutschland nach Basel , wo er die Herausgabe seiner Werkebei Froben leitete und am 12. Juli 1536 starb. Sein Grab befindet sich daselbst indem reformirten Münster . §. vereinigte mit ausgebreiteter und gründlicher Gelehr-samkeit ebenso viel geläuterten Geschmack und treffenden Witz. Ein angeborenerHang zur Unabhängigkeit und Ruhe ließ ihn eine gelehrte Muße und Einsamkeit demglänzenden Gepränge der Großen vorziehen. Das leise Auftreten des schlauern Welt-manns machte ihm viele der Bessern seiner Zeit, z. B. Hütten, zu Feinden. Großund dauernd sind seine Verdienste uni die Wiederherstellung der Wissenschaften. Wie-wol er, aus Abneigung gegen alle Händel, an dem Reformationsgeschäfte nicht un-mittelbar Theil nabm, so besinn er doch das Unwesen des Mönchthums und desAberglaubens und forderte allenthalben die Lache der Wahrheit. Er wünschte eineallgemeine Kirchenvcrsammlung, welche aus den gelehrtesten und aufgeklärtestenMännern bestehen sollte, ohne sie jedoch zu erleben. Lo beschränkte er sich darauf,der Welt durch Schriften zu nützen, die noch immer wegen ihres gehaltvollen Inhaltsund anmurhigen Styls geschätzt und gelesen werden. (Die beste AuSg. seiner Werke