814
Erbauung
andern vermehrt (Erblandmarfchälle, Erblandvoi-schneider, Silber-kämmerer, Sta-belmeister rc.) in vielen deutschen Ländern vor, und haben sich zum Theil noch er;halten. Baiern hat 4 neue erbliche Oberkronämter (den Kronobersthofmeister,Oberstkämmerer, Oberstmarschall und Obersihofmeister) errichtet. 37.
Erbauung (nach dem griech. o/>-säo^^) bedeutet Fortschritt im Guten,nach der Bestimmung des Sprachgebrauchs: im religiösen Guten. Oft verstehtman unter Erbauung nichts weiter als die Erregung guter Gefühle, Erweckungund «chärfung des Sinnes für das Schöne, Wahre und Übersinnliche. Auf dieseArt kaun man zufällig erbaut werden, z. B. in der Natur, durch den Anblick desgestirnten Himmels, in Gesellschaft durch ein rührendes Gespräch rc. Hat es aberbei der bloßen Anregung guter Gefühle sein Bewenden, und wird keine bleibendeWirkung erzeugt, so kann man nicht von Erbauung sprechen; denn es wird Nichtsin uns auferbaut. Wenn dies geschehen soll, so müssen wir über die Dinge, dieunser Gefühl bewegen, nachdenken, danach gewisse Grundsätze bilden und Ent-schließungen fassen. Dazu gehört aber absichtliche Sammlung des Gemüths.Denn wer sich mit jenen zufälligen Anregungen begnügt, wird wenig an Veredlunggewinnen, indem er dann erst in Gefahr steht, bloß von zufälligen Eindrücken sichlenken zn lassen. Nur wer sich über die Sphäre des Sinnlichen erhebt, das innereHeiligthum der Seele erspäht, seine Vorstellungen von der Bestimmung des Men-schen berichtigt, und mit Hülfe der sie begleitenden Gefühle Entschließungen faßt,die er von Neuem immer belebt, nur Der wird veredelt. Demnach ist Erbauungebenso wenig Erleuchtung allein, als Rührung allein, und wer erbauen will, mußsich ebenso wenig bloß zu dem Verstände, als bloß zu dem Herzen oder zu der Ein-bildungskraft wenden, sondern muß den ganzen Menschen bearbeiten. Natürlichmuß bei dieser Bearbeitung das religiöse Element das vorherrschende, das überwie-gende sein. Von Gott , dem Urquell alles Wahren und Guten, gehen alle Betrach-tungen aus, auf ihn führen sie alle zurück. Die Offenbarungen Gottes sind abernicht nur in der Schrift, sondern auch in der Natur aufgethan. Diese Erbauung zubewirken gibt es 3 Wege: Verstand, Herz und Sinnlichkeit; und nach der eigen-thümlichen Verschiedenheit der zu bearbeitenden Personen richtet sich nun die ArtundWeise, aufdie man denselben beikommen kann. Gott selbst wirkte, wie uns die Bi-bel erzählt, nach dieser Verschiedenheit durch jeden dieserWege. Bald überzeugte erden Verstand, bald rührte er das Herz, bald erschütterte er die Sinnlichkeit, doch so,daß der ganze Mensch aufgeregt wurde. Auch in diesem Fache haben sich die Extremeberührt. Es gab Zeiten, wo man auf dem Gebiete des Glaubens ausschließend denVerstand beschäftigen wollte, und es glich die Aufklärung dem Sonnenlichte eineskalken Wintertages, der bloß erleuchtet, aber nicht erwärmt. Zu einer andern Zeit,namentlich in unsern Tagen, finden Diele das Heil der Welt wieder in bloßer Anre-gung von Gefühlen, und erzeugen somit die immer mehr um sich greifende Empfin-delei, Überspannung, Schwärmerei, ssdaß einige Sprecher auch in den Protestant.Gottesdienst gern die Gebräuche einschwärzen möchten, welche durch die Sinnlich-keit auf das Gefühlsvermögen in hohem Grade wirken. Aber die Wahrheit li^tmitten inne. Das geheime, innere geistige Leben, was man Mystik nennen kann,ist allerdings dem wahren Christenthume nicht fremd, und wohl fehlte Kant darin,daß er das Wesen der Religion einzig und allein in der Pflichterfüllung bestehen ließ.Religion ist etwas ganz Andres, was mehr empfunden als ausgesprochen werdenkann, weil das Gefühl ebenso viel Antheil daran hat als der Verstand, dem dieSprache dient. Es ist das Gefühl der Verwandtschaft mit Gott; aber Thorheitist eS, sich diese Verwandtschaft näher versinnlichen zu wollen, in üppigen Gefüh-len zu schwelgen und einen unmittelbaren Umgang mit Gott vorzugeben. Ver-stand und Herz haben also bei der Erbauung gleichen Antheil. Zur Beförderungdieser Erbauung ist bereits in der christlichen Kirche eine öffentliche Anstalt errichtet;