ErebuS
§29
Erfahrung
fti nung vom Wende- bis zum Polarkreise, oder die Breite der gemäßigten Zone,sowol auf der südlichen als nördlichen Halbkugel, beträgt 43 Grade. Alles, wasüber die Polarkreise hinauSliegt gegen die Pole zu, bildet die kalten Zonen; nur inder nördlichen gibt es noch Land, das ebenfalls bewohnbar ist, obgleich die organi-sche Natur hier zu erstarren beginnt und weder Getreide noch Bäume, sondernnur Moose, Flechten und einiges Gesträuch hervorbringt. Die Entfernung vomPolarkreise bis zum Pole beträgt noch 234 Grad, aber bis zum Pole selbst ist nochkein Mensch vorgedrungen. Dem südlichen Pole, der noch unwirthbarer als dernördliche ist, weil sein Winter zugleich in die Zeit der Sonnenferne fällt, hat sichCook bis auf 71 Grad genähert; in die nördliche Zone ist man bis auf 80 Gradvorgedrungen. Das Charakteristische der kalten Zonen ist, daß Tag und Nachtmit der Annäherung an den Pol immer ungleicher werden, und Tage, ja Wochenlang die Sonne einmal gar nicht auf- und einmal gar nicht untergeht. äl.
Erebus, der Sohn des Chaos und der Finsterniß, verband sich mit seinerSchwester, der Nacht, und zeugte mir ihr den Äther und den Tag. Auch die Par-zen werden von Einigen als seine Töchter genannt. Er ward in einen Fluß ver-wandelt und in den Tartarus gestürzt, weil er den Titanen Hülfe geleistet; vonihm hat der Tartarus, besonders derjenige Theil desselben, den man als den Auf-enthaltsort der tugendhaften Schatten bezeichnete, und von welchem diese zu denelysäischen Feldern übergingen, den Namen Erebus erhalten.
ErechthcuS, s. Erichthon iuS.
Erfahrung überhaupt bedeutet die Summe von solchen Kenntnissen,welche wir zuerst durch Sinnesanschauungen erworben, durchDerstand gesichert undzu Beobachtungen erhoben, oder durch Versuche herausgebracht haben. DieSinne liefern uns dcn>L?toff zu der Erfahrung; allein einzelne Sinnesanschauun-gen, ohne Verbindung unter einander durch den Verstand, machen noch keine Er-fahrung aus. Der Verstand muß erst einzelne Anschauungen unter gewisse Ge-sichtspunkte ordnen, hieraus Begriffe bilden, Schlüsse ziehen, und auf diese Weiseaus mehren einzelnen Anschauungen Beobachtungen machen; mehre Beobachtun-den über eine und dieselbe Sache verdienen alsdann erst den Namen Erfahrung. —Erfahrung in der Arznei künde ist die durch gehörige Beobachtungenund Versuche erlangte Fertigkeit, Krankheiten zu erkennen und zu heilen; sie setztdie historische Kenntniß ihres Gegenstandes voraus, weil man ohne diese nichttvüßte, worauf man die Aufmerksamkeit zu richten hat; sie setzt ferner Schärfe derSinne, Lebendigkeit des Auffassungsvermögens, Beobachtungsgeist und Übungdes Verstandes im Selbstdenken voraus: Gaben, die nicht Zedem verliehen sind,welcher der Erfahrung sich rühmt. Es gibt daher auch neben der seltenen echtenErfahrung eine falsche, die das Eigenthum Vieler ist. Sie besteht aus einseitigen,unvollkommenen Beobachtungen, aus welchen falsche Schlüsse gezogen worden,oder welche ohne das Band des Verstandes nebeneinandergereiht sind. Wer nichtweiß, worauf er sehen soll, wer der Kunst zu sehen und über das Gesehene zu den-ken nicht mächtig ist, kann alle Läoder der Erde durchreist haben, und kein einzigeskennen; er kann tausend Kranke gssehen haben, und doch keine Kenntniß der Krank-heit haben. Nur zu oft ist Das, was man im gemeinen Leben mit dem Namender Erfahrung beehrt, nichts weiter als die regellose Übung, mechanische Fertigkeitin dem Äußern der Kunst, ohne Einsicht der Grundsätze derselben. Einen Arzt,welcher viele Kranke gesehen hat, hält man für erfahren; ob er über Das, was ergesehen, auch gedacht hat, ob er so mit den nöthigen Vorkenntnissen ausgerüstetwar, daß er mit Nutzen darüber denken konnte, danach fragt der Pöbel nicht.Schon in den ältesten Zeiten, bald nach der Hippokratischen Schule, bildete sicheine besondere Schule der Ärzte u. d. N. der Empiriker. Die Spitzfindigkeitender ältern Dogmatiker mußten bald Männer von einfachem Sinne, welche die