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Erfahrunggftklenlchrc Erfindung
Natur beobachteten, dahin bringen, daß sie zu ihr allein zurückkehrten und sichbloß an sie hielten. Herophilus, «Lerapion von Alexandria, PhilinuS aus Kos (etwa -50 I. v. Chr.) waren die vorzüglichsten Stifter dieser Schule. Sie dran-gen auf reine Beobachtung der Natur, auf sorgfältige echte Erfahrung, ohne künst-liche Systeme, ohne weitere Nachforschung nach den verborgenen Ursachen. Spä-terhin näherten sich die Empiriker wieder den Dogmatikern, indem sie den Epilogis-mus annahmen, d. h. die Kunst, aus vorhandenen bekannten Erfahrungen auf dasUnbekannte zu schließen, das kein Gegenstand der Erfahrung ist. Geschieht dieserÜbergang von echter Erfahrung mittelst geläuterter Naturphilosophie, von einemhellen Verstände, durch richtige Schlüsse und vorsichtige Versuche unterstützt, sokommt hierdurch allein Erfahrung und Speculation in ein richtiges Verhältniß,und es wird ein harmonisches, der Kunst forderliches Werk daraus. Ohne dieseErfoderuisse baut sich jeder Arzt nach einseitigen Beobachtungen und falschen Er-fahrungen eine Brücke zur Speculation hinüber, auf welcher noch die meisten ver-unglückt sind. Die neuern Empiriker haben diesen Namen durch ihre Unwissen-heit in den Kenntnissen, welche, um zur echten Erfahrung zu gelangen, vorausge-hen müssen, durch ihre Verwegenheit in dem Verordnen der Mittel gegen Krank-heiten, ohne diese gehörig zu kennen, jn sehr Übeln Ruf gebracht. Man bezeichnetjetzt gewöhnlich eine» Menschen damit, der mit Unrecht den würdevollen Nameneines Arztes sich anmaßt, der aus Mangel an theoretischen medicinischen Kennt-nissen bloß aufs Ungefähr nach dem Namen der Krankheit, oder nach einzelnenZeichen Mittel verordnet, welche der gemeine Glaube oder einseitige Beobachtungund falsche Erfahrung gegen jene Zufälle für heilsam hält, ohne zu beurtheilen, obsie der eigenthümlichen Beschaffenheit des Kranken und dem Charakter seinerKrankheit angemessen sind. Am schärfsten bezeichnet Zimmermann in seinem reich-haltigen Werke von der Erfahrung den Unterschied zwischen dem echten Arzt unddem Empiriker, nach dem jetzt gewöhnlichen Sinne des Worts. U.
E r fa h r u n g s se e l e n l e h re, s. Psychologie.
Erfindung ist diejenige Art der Thätigkeit des menschlichen Geistes, mit-telst welcher er auf eine eigenthümliche Weise etwas bis dahin noch nicht Vorhande-nes hervorbringt. Sie zeigt sich in der Wissenschaft und in der Kunst im weiter»Sinne, und unterscheidet sich von dem Entdecken, d. h. von dem Auffinden Dessen,was vorhanden, aber nur verborgen war; denn dieses ist mehr Sache des Zufallsund der Beobachtung. Nicht mühsam aber sind jene Combinationen, auf welchendie Erfindung beruht, sondern sie entspringen plötzlich im Geist; denn wer kann sichvorsehen, er wollte zu dieser oder jener Zeit eine Erfindung machen? Den Keimder Erfindung kann er freilich mit der Zeit langsam entwickeln; allein das ist ganzetwas Andres; die eigentliche Erfindung ist dann schon gemacht. Die Verwechse-lung beider Momente scheint den Irrthum Derer veranlaßt zu haben, welche be-haupteten, der wissenschaftliche Erfinder sei von dem ästhetischen wesentlich ver-schieden. Der wissenschaftliche Erfinder, sagen sie, ist sich seines Ideenganges be-wußt, kann die ganze Methode, wie er zu seinem Ergebniß gelangt ist, beschreiben;dem Dichter aber gibt sein Genius, ohne sein Bemühen, als Geschenk des glückli-chen Augenblicks, die Welt von Ideen, und der Dichter ist nicht im Stande zu sa-gen, wie er dazu gekommen ist. Letzteres ist allerdings wahr; ist es aber mit demwissenschaftlichen Erfinder anders? Springt nicht auch hier mit Schnelligkeit desBlitzes die Idee aus seinem Geiste, worin, wie indem Laamenkorn ein ganzerWald, eine unendliche Reihe von Erzeugnisse» eingewickelt siegt? Er vermöchtenicht zu sagen, wie er dazu gekommen, weil die kräftige Seele im Fluge am Zielewar. Freilich kann er uns den Weg zeigen bis auf den Punkt, wo die Idee inchm entsprang; kann uns zeigen, was und wie er daraus entwickelte; allein daskann der Künstler auch, oder er würde nie im Stande sein, Rechenschaft von seinem