Erfindungen 651
Werke abzulegen, was doch mehre der größten Künstler gethan haben. Ader, sagtman, im Felde derWissenschaft kann man erfinden lehren, es gibt eine eigne Ersin-dungsmethodc, Heuristik (vgl. d.); gibt es eine solche auch für den Künstler, undkann es eine solche geben? Befragt man Künstler und Theoristen um sie, so merktman bald, daß sie nicht einstimmig sind. Einige, die den Erfindungsgcist im Gegen-satz des bloßen Nachahmungsgeistes ins Auge faßten, setzten das Wesen der ästheti-schen Erfindung in Neuheit des Gegenstandes, wogegen Andre sagen, die Erfin-dung bestehe keineswegs in dem Vermögen, den Gegenstand zu ersinnen, sondernin der Fähigkeit, dmselben in der Einbildungskraft zweckmäßig kür die Kunstdarstel-lung zu ordnen. Die letzte Ansicht findet vornehmlich in Beziehung auf die bilden-den Künste statt, die man im Punkte der Erfindung für die beschränktesten hielt,weil sie ihre Gegenstände am häufigsten aus der Poesie, Geschichte und Tage ent-lehnen. Während also die Einen den darstellenden Gegenstand selbst, saften dieAndern die Behandlung desselben inS Auge. Wenn indeß diese Letzten» nicht, wieallerdings öfter geschehen ist, die Erfindung geradezu mit der Anordnung, Compo-sition, dem Entwurf u. a. m. verwechseln, so läßt der Widerspruch sich wol heben,der überhaupt größer scheint, als er ist. In dem Begriffe des Erfinders selbst liegtes, daß Etwas allererst durch Finden zum Dasein gebracht wird, und dieses schließtkeineswegs den Fall aus, wo die Bestandtheile des neuen Erzeugniftes schon einzelnvorhanden waren, sitzt aber freilich voraus, daß durch eine neue Zusammensetzung,Verarbeitung, etwas bisher noch nicht Vorhandenes entstehe. Man kann dem-nach, ja man muß die Erfindung in zwiefacher Hinsicht nehmen: 1) aus den Stoff,und 2) auf die Form. Wollten nur bloß auf Erzeugnis; des neuen Stoffes sehen,so ständen wir in Gefahr, Homer, Sophokles, Shakspeare, Göthe und vieleDichter des ersten Ranges aus der Reihe der originellen Schöpfer auszustreichen,weil ihnen fast in den meisten Fällen der Stoff gegeben war; mau könnte sagen vonihnen: gefunden und nicht erfunden; da wir hingegen Namen in diese Reihe sehenmüßten, die man neben jenen Namen zu nennen billig Bedenken trägt. Indeß kannfreilich nicht geläugner werden, daß Erfindern neuen Stoffes, der ohne fruchtbareEinbildungskraft nicht hervorgebracht werden kann, auch ihr Verdienst gebühre, dasjederzeit im Verhältniß steht mit dem Grade, in welchem der neue Stoff interessantist. Das größere Verdienst ist aber Dessen, der dem Stoffe die ästhetische Enfial-tung gibt, wobei sich eben die zweite Art der Erfindung, die der Form, hervorthut.Was man von einer Poesie der Erfindung sagt (die, ganz verschieden von Erfindungin der Poesie, in allen Künsten stattfindet), das zeigt sich eben hier, sowie aucheben hier nicht zu verkennen sein wird, daß der Künstler bei dieser Art der Erfindung,die sinnen Entwurf bestimmt, nicht ohne Bewußtsein verfahre, obschon stets aufeigenthümliche Weise, durch eigne geistige Selbstthätigkeit hervorbringend, undnicht, wie der Nachahmer, zusammenstöppelnd. Da jene ästhetische Entfaltung nurdann echter Art ist, wenn alles Einzelne im Einklänge mit dem Ganzen steht, so siehtnian hieraus, wie Mengs die Erfindung in die Einheit der Ausführung der ur-sprünglichen Idee des Künstlers setzen konnte. In diesem Sinne rühmte er vonRasael, daß er die zu einem Gegenstände paffende Zahl der Figuren so richtig be-stimmt und so vertheilt habe, daß keine müßig oder unnütz blieb. <>ü.
Erfindungen und Entdeckungen wurden seit dem Ende des Mittel-alters der Grund der Weltmacht des Europäers. Deutsche und Italiener stehen indiesem Theile dcrGeschichte des menschlichen Geistes oben an. Der ItalienerDeran-zio beschrieb am Ende des 15. Jahrh. Hänge-und Kettenbrücken, das Tretrad, Zug-böte, eiserne Mühlen u. a. Maschinen, die erst 300 I. nach ihm ins Leben traten.(LL. s. „ölacbimm noe:,v".) In der neuesten Zeit haben Engländer, Franzosen undNortamerikaner dieDcutschen wenigstens in der Zahl von Entdeckungen übertroffen.Eine Geschichte der Erfindungen in denWiftensch. u.Künsten in alphabet. Ordnung