Band 
Dritter Band. D bis E.
Seite
658
JPEG-Download
 

658

'Eschen buch

befördern kann. Die Hauptpunkte einer zweckmäßigen physischen Erziehung sindfolgende: 1) Gleichmäßige und rechtzeitige Bildung aller körperlichen Anlagen undThätigkeiten; daher kein System desKörpers vor dem andern begünstigt, keines ver-nachlässigt werden darf. Bei dem Kinde herrschen die Thätigkeiten des Unterleibes,die Verdauung, Einsaugung u. s. w. vor; man darf daher durch Übersüllung mitNahrungsmitteln, durch öftern Gebrauch der Lapirsäftchen u. dgl. die Thätigkeitdieser Systeme nicht noch mehr reizen. Dagegen muß frühzeitig angefangen wer-den, das Hautsysiem in angemessener Thätigkeit zu erhalten. Dazu werden täg-.liches Waschen, öftere Wasser-und Luftbäder, gelindes Reiben der Haut, zweck-mäßige, dem Zugänge der Luft nicht ganz hinderliche Kleidung erfodert. Schonum der Reinlichkeit willen ist öfteres Waschen und Baden des Kindes eine Haupt-sache in der physischen Erziehung; allein auch die Haut zu ihren Verrichtungen zustärken, einen gehörigen Grad von Empfindlichkeit in derselben zu erhalten, ist fürdas Bestehen der Gesundheit von größter Wichtigkeit, indem Schwäche und zu großeEmpfindlichkeit der Haut, welche, seitdem wir von Kindheit an die Hautpflege ver-nachlässigt haben, allgemeiner Fehler geworden ist, so leicht Störung ihrer Ge-schäfte und viele Kränklichkeiten zur Folge haben. 2) Frühzeitige Gewöhnung anOrdnung. Die ganze Natur beobachtet in ihren Erscheinungen im lebenden Kör-per pünktliche Ordnung und höchste Zweckmäßigkeit. Auch das Kind muß von denersten Tagen an daran gewöhnt werden; alle Geschäfte des Organismus gehendann leichter und ungestörter von statten. Also im Essen und Trinken, Schlafenund Wachen, Abwartung der Ausleerung, u. s. w. werde der Mensch zur Ordnung'erzogen. Die Erfahrung lehrt auch durch ihren Eiflolg den Vortheil und die Noth-wendigkeit davon. Jede Unordnung stört das Ganze, jede Thätigkeit außer derOrdnung angestrengt (z. B. Verdauung u. s. w.) erfodert mehr Kraftaufwand. Un-ordentliche Menschen werden selten alt; die Störung der Harmonie ihrer körper-lichen Verrichtungen reibt sie bald auf. Alte Personen sind immer sehr an Ordnunggewöhnt. 8) Schutz gegen äußere Einflüsse aber auch allmälige Gewöhnung andieselben. Nicht alle äußere Einflüsse, stehen in unserer Gewalt, vielen können wirnicht, oder doch nicht gänzlich entgehen, besonders den atmosphärischen, Hitze undKälte u. s. w. Wir müssen daher suchen, den Körper mit ihnen vertraut und da-durch ihre Einwirkung weniger schädlich zu machen. Daher Gewöhnung an dieAbwechselung der freien Lust, täglicher Genuß derselben und öfterer Aufenthalt inihr, leichte, nicht zu warme Kleidung, Abhärtung gegen Hunger und Durst u. s. w.nothwendig ist. Nur darf die Abhärtung nicht in zu plötzlichen Übergängen undnicht im Übermaß geschehen. 4) Frühzeitige Übung der körperlichen Kräfte undBewegung des Körpers. Vorzüglich nützlich sind daher die gymnastischen Übungenzur Entwickelung der körperlichen Gewandtheit und Stärke, und selbst zu Erhal-tung und Dauerhaftigkeit d?r Gesundheit, welches die ältern Völker, besonders diegriechischen, so gut wußten als wir, aber besser befolgten. Man lasse von der erstenKindheit an den Menschen seine Glieder niehr gebrauchen, das Kind lieber auf derErde sich wälzen als beständig getragen werden, späterhin lasse man sie, nachVerhältniß des Alters und der Gelegenheit, alle gymnastische Übungen vornehmen:ringen, laufen, klettern, welchen, baden, schwimmen u. s. w. 5) Vermeidung einerzu frühen Geistesbildung. Wird der Geist zu früh angestrengt, so geschieht es nuraufKosten der körperlichen Ausbildung. Ist der Körper gesund und gedeihlich her-angewachsen, so hat die Empfänglichkeit des Geistes eben dadurch auch gewonnen,und das Lernen geht dann um so geschwinder, sodaß gar nichts dabei versäumt wird.Vor dem 7. bis 8. Jahre sollte man kein Kind zum eigentlichen Lernen anhalten.S. Friedländer „Über körperliche Erziehung" (Leipzig 1819).

Eschenbach (Wolfram von), dessen Blüthe in die erste Hälfte des 13.Jahrh, fällt, ist unter allen Dichtern des schwäbischen Zeitraums nicht allein einer