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Este (Haus)
vor Leidenschaft und Verbrechen, daß er s. natürlichen Bruder Julius, dessen Ne-benbuhler in der Liebe er war, die Augen aufstechen ließ, weil die von Beiden ver-ehrte Dame die Augen einst schon genannt hatte. Alfons ließ diese Grausamkeit,über welche ganz Ferrara empört war, ungeahndet, aber Ferdinand, sein andrerBruder, und der gemißhandelte Julius zettelten eine Verschwörung an, um ihn zuentthronen und sich desto sicherer an Hippolyt zu rächen. Sie wurde entdeckt, undbeide Bruder, über deren Haupte schon das Beil des Henkers schwebte, mußten ihrLeben im Kerker beschließen. Alfons zeigte große Feldherrntalente. Nachdem er1509 der Ligue von Cambrai beigetreten, erschienen die Denetianer unter AngeloTrevisani mit einer Flotte an der Mündung des Po und verbreiteten Schrecken imganzen Gebiete von Ferrara . AlfonS brachte diese Flotte, die den Fluß hinauffuhr,zwischen das Feuer seiner an beiden Ufern errichteten Batterien, wodurch er sie theilseroberte, theils verbrannte (1509): ein Sieg, der von allen berühmten DichternItaliens gefeiert worden ist. Papst Julius II., der bald die Ligue von Cambrai verließ und den Venetianern beitrat, belegte AlfonS, den er dazu nicht bewegenkonnte, mit dem strengsten Interdict und erklärte ihn aller seiner Kirchenlchen ver-lustig. Alfons verlor Modena und allen Beistand; nur die Franzosen blieben ihmtreu, und er trug zu ihrem Siege bei Ravenna (1512) bei. Bald aber mußtendie Franzosen Italien räumen, und Alfons stand verlassen. Indessen starb Ju-lius ii., doch wollte sein Nachfolger Leo X. die Städte Modena und Reggio nichtherausgeben, wozu ihn König Franz I., der dem Hause Este vorzüglich wohlwollte,verpflichtet hatte. Ja der römische Hof ging so weit, daß er den Herzog Alfonsdurch den Hauptmann seiner Leibwache, den man zu bestechen suchte, ermorden las-sen wollte. Während nun, von allen Seiten bedroht, Alfons sich zur Gegenwehrrüstete, starb Leo X. (1521). Dieses Ereignis rettete das Haus Este vom nahenUntergänge. Adrian VI. hob den Kirchenbann auf; allein Clemens VII. , seinNachfolger, schien den Haß s. Oheims Leo gegen Alfons geerbt zu haben, indem erihm Modena vorenthielt und auch die noch übrigen Staaten zu nehmen suchte.Erst nach der Eroberung Roms (1527) unter Karl V. ließ dieser ihm seine frühernBesitzungen wieder einräumen, und bestätigte die Hoheitsrechte seines Hauses. Sowußte Alfons, wie kein andrer Fürst seiner Zeit, den Ruhm der Waffen mit denTalenten der Staatskunst zu vereinen, aber keiner wurde auch von so ausgezeich-neten Männern umgeben, und keiner von so hohen Dichtern gefeiert, unter welchenAriosto obenansteht. Sein Nachfolger, Hercules II. (gest. 1559), beobachtetedie größte Ergebenheit gegen Karl V. , dessen Übergewicht m allen ital. Angelegen-heiten den Ausschlag gab, während sein Bruder zu Rom , Cardinal Hippolvt derJüngere, aus den Nothfall sich den Schutz Frankreichs verschafft hatte. DieserCardinal, der die prächtige Villa d'Este in Tivoli erbaute, war der edelmüthigsteBeschützer der Wissenschaften, den das Jahrhundert erzeugte. Alfons II. (gest.1597) hatte zwar von seinen Vorfahren den Sinn für die Wissenschaften geerbt,aber noch mehr den Hang zu Festen und rauschenden Vergnügungen. Seine Ei-telkeit regte ihn an, es dem Großherzog von Florenzzuvorzuthun und um die Kronevon Polen zu buhlen, die während seines ganzen Lebens ein Gegenstand des kost-spieligsten Strebens für ihn blieb. So mußten die Finanzen erschöpft und die Un-terthanen mir Auflagen gedrückt werden. Auch s. Hof schmückten die ersten Dich-ter und berühmtesten Männer Italiens ; allein die Schicksale Tasso's an diesemHofe erweckten dem Namen Este nur trübe, wenn nicht gehässige Erinnerungen.Die 7 Jahre, welche der Dichter im Narrenspitale verleben mußte, weil er entwe-der die Fürstin Leonore, Scbwester des Herzogs, wirklich liebte oder, in seinerLeidenschaftlichkeit gegen diesen sicb vergessend, die Grenzen des Anstandes über-schritt, zeugen wider den unedel» harkberzigen Fürsten . Obgleich 3 Mal verhei-mlichet, blieb er kinderlos; deßhalb erwählte er s. Vetter Cäsar (gest. 1628), einen