Band 
Dritter Band. D bis E.
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EuripidcS 683

phokss zu gleicher Zeit aufgeführt, ja sie erhielten selbst einige Male vor diesen denPreis Freilich stimmten in dieses öffentliche Urtheil nicht auch stets die Kritikerein, uid Aristophanes, der Keinen verschonte, gab durch beißende Parodien gar oftden L eblingsdichter dem Gelächter preis. „Aristophanes", sagt Jean Paul , „läßtwie en MoseS seinen Froschregen auf den Euripides nur zur Strafe seiner schlaffenund erschlaffenden öLittlichkeit fallen, weniger bestochen als Sokrates von dessenSitteasprüchen bei vorwaltender Unsittlichkeit im Ganzen". Die Zahl s. Tragödienwird von 75 bis 92 angegeben; da es bekannt ist, daß er seine Werke mit großerStrerge feilte, so möchte die erste Zahl als wahrscheinlicher anzunehmen sein. Essind inr 19 aufuns gekommen, über deren Werth A. W. Schlegel Folgendes sagt:„Wern man den Euripides für sich allein betrachtet, ohne Vergleichung mit seinenVorgängern, wenn man manche seiner bessern Stücke, und in andern einzelne Stellenaussondert: so muß man ihm außerordentliche Lobsprüche ertheilen. Stellt man ihnhingegen in den Zusammenhang der Kunstgeschichte, sieht man in s. Stücken immerauf das Ganze und wieder aufsein Streben überhaupt, das sich in den aufuns ge-kommenen sämmtlich offenbart, so kann man nicht umhin, ihn vielfach und strengzu takeln. Von wenigen Schriftstellern läßt sich mit Wahrheit so viel Gutes undÜbler- sagen. Er war ein unendlich sinnreicher Kopf, in den mannigfaltigsten Kün-sten des Geistes gewandt; aber einer Fülle von glänzenden und liebenswürdigen Ei-gensckaften stand bei ihm nicht der erhabene Ernsi des Gemüths, noch die strengekünstlerische Weisheit ordnend vor, die wir an Äschyluö und Sophokles verehren.Er strebt immer nur zu gefallen, gleichviel durch welche Mittel. Darum ist ersich selbst so ungleich; manchmal hat er hinreißend schöne stellen, andre Male ver-sinkt er in wahre Gemeinheiten. Bei allen seinen Fehlern besitzt er eine bewunderns-würdige Leichtigkeit und einen gewissen einschmeichelnden Reiz". Wer nun denDichter von s. beiden Seiten will näher kennen lernen, der kann eS, wenn er diesesKünsirichters Schrift: „Vergleichung der Phädra des Euripides mit der des Ra-cine ", zusammenhält mit Dem, was er in s. fünften Vorlesung über dramatischeKunst und Literatur gesagt hat. Ein Theil der Fehler des Euripides mag freilichs. Zeit zur Last fallen, die eine Zeit der grübelnden Sophistik, politischer Streitsuchtund der Rhetorenkünste war: Fehler bleibt es aber stets, den Fehlern des Zeitalterszu huldigen. Ei» Hauptzweck des E. war, Rührung zu erwecken. „Er kannte",sagt ein andrer Kunstrichter, „das Wesen der Leidenschaften, und wußte Situatio-nen zu finden, in denen sie sich auf das vollkommenste entwickeln konnten. Dabeihat er einen elegischen Ton, welcher selten oder nie seine Wirkung verfehlt. Diemeisten seiner Personen haben vormals in dem Genuß eines ausgezeichneten Glücksgelebt, und der Rückblick auf dasselbe in ihrem gegenwärtigen Zustande hemmt dasUngestüme der Leidenschaften und stimmt sie zur Wehmukh herab. Darum athnicnsich bei ihm die Leidenschaften weit öfter in sanften Klagen aus, als daß sie sich zueiner merkwürdigen Größe erheben sollten; darum isterauchsoreichanLittensprü-chen und philosophischen Tiraden, indem seine Personen immer noch Besonnenheitgenug behalten, über ihren Zustand nachzudenken. E. wußte sehr gut Dasjenigezu finden, was auf den Augenblick Wirkung thut. Die Zeiten der Kühnheit warenvorbei, in denen Äschyluö dichtete, und die alte Kraft des Staats fing allmälig anzu sinken. Nun gefiel des E. rührender Ton". Auf jeden Fall ist es wahr, wen»Solger bemerkt, daß E. durch s. Werke eine ganz unbekannte Welt, die Welt desGemüths, aufgeschlossen hat, was ihm auch wol so großen Beifall erwarb. Man-cherlei kann man übrigens gegen seine lockern Plane, oft unerklärlichen Charakter-veränderungen, außerwesentlichen Chorgesange, zum Theil auch gegen seine Stoffeselbst einwenden; vorzüglich bleibt er in wahrem, natürlichem Ausdruck der Leiden-schaften, anziehenden Situationen, originellen Charaktergruppirungen, vielseitigerAuffassung der.mcnschlichen Natur, und ist ein Meister in der Kunst, den Dialog