Band 
Dritter Band. D bis E.
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Europa

zu behandeln, Reden und Gegenreden dem Cbarakker, dem Geschlecht und Standesden offenbaren oder geheimen Absichten, der gegenwärtigen -Lkimmung des Re-^dendcn und dem Erfoderniß des Augenblicks, kurz Allem, was ihnen die größteIBestimmtheit gibt, richtig anzupassen und geschickt ineinanderzufügen. Überdiesist eine gewisse Zartheit und Lieblichkeit über s. Tragödien verbreitet, die dachGemüth einzunehmen nicht verfeblen können. Man bat ihn öfters den Wei?berfeind genannt, wahrscheinlich wegen s. vielen Sentenzen über die Schwülchen des weiblichen Geschlechts. Dennoch war er diesem Geschlecht eben nichtlabhold und soll sogar 2 Frauen zugleich gehabt haben; auch fehlt es bei ihm'nicht an Darstellung schöner Weiblichkeit, und seine Empfänglichkeit für dielediern Reize weiblicher Sittsamkeit ist unverkennbar. Nicht wahrscheinlich ist es,'daß sein Weiberhaß und — s. eigne Frau ihn von Athen nach Macedonie» ge-'trieben; er folgte der Einladung des Königs Archelaus , dessen Gunst und Ver-'trauen er in gleichem Grade besaß. Der Sage nach fand er bei ihni einen Unglückslichen Tod: er ward von Hunden zerrissen oder starb an den Folgen ihrer Bisse?401 v. Chr. Der Monarch ließ ihm ein prächtiges Denkmal errichten mit de/Aufschrift: „Nie wird, EuripideS, dein Angedenken erlöschen!" Noch ehrenvollerwar für ihn die Inschrift an dem Cenotaphium, das die Athener ihm errichteten:Ganz Griechenland ist des EuripideS Denkmal, Macedoniens Erde bedeckt nurjseine Gebeine". Der ihn überlebende Sophokles betrauerte öffentlich seinen Ver-'lust. In Boche's Übersetzung (Berlin 1800, 5 Bde.) kann der des Griech. Un-kundige ihn ziemlich genau kennen lernen: man übersehe dann nicht, was Wielandüber ihn im „Attischen Museum" und Jacobs in den Nachträgen zum Sulzer,5. Bd., 2. St., gesagt hat. Die bcrübmtesten AuSg. des E. sind von Paul Ste-phanus (Paris 1602, 2 Bde., 4.), von Barnes (Cambridge 1694, Fol.), vonMusgrave (Oxford 1118, 4 Bde., 4.) und von Morus und Beck (Leipzig 1119—188, 4.). Die neuesten kritischen Ausgaben sind von Matthiä (Leipzig 1813 — 20/6 Bde.) und von Böthe (Leipzig 1825 fg.). Um einzelne Stücke haben sich Val-kenaer, Brunck, Porson, Markland u. A. verdient gemacht.

Europa, in der Mythologie, Tochter des Königs Agenor von Phönizien und der Nymphe Mella oder Telephaffa, und Schwester des Kadmus, derenName, welcher „die Weiße" bedeutet, die Benennung unsers Welttheils, dessen Be-wohner weiß sind, veranlaßt haben soll. Die Fabel erzählt, daß eine Zofe der Junoein Wchminknäpfchen von dem Puhtische der Göttin entwendete und es der Europa gab. Ihre dadurch noch erhöhte Schönheit gewann die Liebe Jupiters, der, um siezu besitzen, sich in einen schönen weißen Stier verwandelte und in dieser Gestalt anden Ufern des Meeres erschien, wo sie mit ihren Gespielinnen lustwandelte. Siefand den Stier so herrlich und zahm, daß sie es wagte, ihn zu besteigen, woraufdieser mit seiner schönen Beute dem Meere zueilte und nach der Insel Kreta hin-überschwamm. Hier verwandelte er sich in einen schönen Jüngling, der mit ihr denMinos, warpedon und Rhadamant erzeugte. Späterhin vermählte sie sich niitAstcriuS, König von Kreta , welcher, da er selbst kinderlos blieb, jene drei adoptirte.

Europa , der kleinste Haupttheil unserer Erde, aber ausgezeichnet durchBevölkerung, Cultur des Bodens und Flor der Künste, der Wissnschaften, derIndustrie und des Handels; daher die Menge großer und wohlgebauter StädteEuropas , sowie dessen Macht und dessen Einfluß auf die übrigen Erdkheile. Wannund woher Europa s. Namen und s. ersten Bewohner erhalten habe, reicht über dieGrenzen der Geschichte hinaus. Am wahrscheinlichsten ist es, daß von Asien aus,als der Wiege des Menschengeschlechts, die ersten Menschen nach Europa kamen.Griechenland war wol der Theil, welcher zuerst von dorther s. Bevölkerung erhielt.Hier bildete sich etwa 1400 I. vor unserer Zeitrechnung ein Volk aus, die Hellenen,das bald die Cultur Asiens übertraf. Die Blüthe dieses Volks, gewöhnlich Griechen