Band 
Sechster Band. K bis L.
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Karl IV - (deutscher Kaiser)

So stink Rechte verhandelnd und vertauschend, kam er nach Rom , ward voneinem Abgeordneten des Papstes gekrönt, wagte aber nicht, nur einen einst-gen Tag hier zu verweilen. Die Bitten einiger Römer, im Namen des Reichsdie Stadt als sein Eigenthum zurückzufedern, lehnte er ab, und entsagte ineinem Vertrage jeder Oberherrschaft über Rom, den Kirchenstaat, Ferrara ,Neapel, Sicilien, Sardinien und Corsica, ja er versprach eidlich, nicht ohnedes Papstes Erlaubniß wieder nach Italien zu kommen. Von den Gneisenverspottet, verwünscht von den Ghibellinen, kehrte Karl nach Deutschland zu-rück, wo er die berühmte goldene Bulle erließ, die bis auf die neuesten Zeitenein Grundgesetz des deutschen Reichs war. (S. Bulle.) Er erwarb sich da-durch einige Ansprüche auf die öffentliche Dankbarkeit; diese Ansprüche wur-den aber bald ausgelöscht durch den allgemeinen Unwillen, den die mit seinerBewilligung von dem päpstlichen Nuntius gemachten Anträge erregten, zumVortheile des Papstes eine Abgabe einzuführen, deren Betrag dem zehntenTheil der Einkünfte aller geistlichen Güter gleichkäme. Alle Mitglieder desReichstags widersetzten sich nachdrücklich; und Karl wurde durch seine 'Ängst-lichkeit, die Reichsfürsten zu besänftigen, so weit fortgerissen, daß er ankün-digte, er wolle der Versammlung vorschlagen, sich mit einer Reform der deutschen Geistlichkeit zu beschäftigen. Der Papst, erzürnt über diese Kühnheit des Kai-sers, foderte die Kurfürsten auf, ihn abzusetzen. Sogleich kehrte Karl zur ge-wohnten Unterwürfigkeit zurück und gab nicht nur alle Verbesserungen auf, son-dern bestätigte sogar 1359 alle Freiheiten der Geistlichkeit, alle ihre gegenwärtigenund zukünftigen Besitzungen und machte sie von jeder weltlichen Macht unabhän-gig. Ein so schwankendes Benehmen zog ihm die Verachtung beider Theile zu.Noch vor dem Schlüsse des nämlichen Reichstags, welcher zu Mainz gehaltenwurde, bekam er davon den Beweis. Verschiedene Fürsten hakten nach und nachviele ehemalige Reichslehen an sich gerissen; Karl wollte sie wieder mit dem Reichevereinigen; aber die Unzufriedenheit, welche sich darüber äußerte, vereitelte auchdiesen Plan des schwachen Kaisers, welcher sich dadurch entschädigte, daß er demKönige von Polen die Souverainetätsrechte verkaufte, die über einige seiner Pro-vinzen bisher ausgeübt worden waren. Es ist begreiflich, daß unter einem solchenKaiser Deutschland in seinem Innern nicht ruhig war. Räuberbanden plündertenes allenthalben; der Kaiser zog gegen sie aus, ohne jedoch Etwas zu unternehmen,und überließ endlich den Fürsten und Städten, sich durch Bündnisse unter einan-der so gut wie möglich zu schützen. Italiens Zustand war nicht minder traurig:Toöcaua seufzte unter der Anarchie; die Lombardei ward von Bürgerkriegen zer-rissen ; die Visconti halten sich sogar des Mailändischen bemächtigt. Der Kaiser,treu seiner Gewohnheit, die Macht allenthalben, wo er sie fand, gut zu heißen,ernannte diese Usurpatoren zu seinen Geueralvicarien in der Lombardei . Dadurchkühn gemacht, drohte Barnaba Visconti, ganz Italien seinem Joche zu unterwer-fen. Papst Urban V. , durch die Gefahr beunruhigt, lud Karl zu sich ein, eiltevon Avignon nach Rom , schloß verschiedene Bündnisse, hob Truppen aus und er-wartete den Kaiser, der wirklich mit einer ansehnlichen HeereSmacht erschien, so-daß Italien sich einen Augenblick für gerettet hielt. Karl benutzte die Stimmungdes Papstes, um seine vierte Gemahlin, Elisabeth von Pommern, zu Rom krö-nen zu lassen, und übernahm dagegen die bestimmtesten Verbindlichkeiten. Den-noch unterhandelte er aufs Neue mir den Visconti und verkaufte ihnen eine förm-liche Bestätigung aller ihrer Usurpationen. Auf ähnliche Weise verkaufte er wäh-rend seines Aufenthalts in Italien Staaten und Städte den Meistbietenden, odermachte sie, wenn sie mehr bezahlten, zu unabhängigen Republiken. Mit großenSchätzen, aber auch verachtet von seinen Feinden und gehaßt von seinen Bundes-genossen, kehrte er nach Deutschland zurück. Nachdem Gregor XI. ihn ermäch-