Band 
Sechster Band. K bis L.
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Karl V. (deutscher Kaiser)

errungenen Vortheile zu verfolgen, blieb er müßig in Spanien . Aber er dachte sei-,nen Zweck auf anderm Wege zu erreichen. Er schlug Franz I. so harte Bedingun-gen vor, daß dieser unglückliche Fürst schwor, er wolle lieber in der Gefangenschaftsterben, als sie eingehen. Inzwischen brachte man ihn nach Spanien und behan-delte ihn mit scheinbarer Ehrerbietung. Karl aber besuchte ihn erst, als er ver-nahm, daß sein Leben in Gefahr sei. Die Zusammenkunft war kurz; Karl ver-sprach dem Könige, »m dessen Kummer zu lindern, eine baldige Freilassung. End-lich kam im Jan. 1526 der Vertrag von Madrid zu Stande. Die Macht Karlsbeunruhigte die meisten Fürsten Europas . Papst Clemens V'Il. stellte sich an dieSpitze eines Bündnisses der Hauptstaaten Italiens , aber die übel geleiteten An-strengungen führten neue Unfälle herbei. Rom wurde von den Truppen des Con-netable mit Sturm genommen, geplündert, und der Papst selbst gefangen. Karl V. mißbilligte öffentlich das Unternehmen des Connetabke, nahm mit seinem HofeTrauerklcider und trieb die Heuchelei so weit, Gebete für die Befreiung des Pap-stes anzuordnen. Als er dem heiligen Vater die Freiheit wiedergab, federte er einLösegeld von 400,000 Goldthalern, begnügte sich aber mit einem Viertel. Auchgab er gegen 2 Mist. die franz. Prinzen frei, die als Geisel des Friedens ihm über-geben waren. Heinrich VII I. von England hatte sich damals mit dem franz. Mon-archen gegen Karl V. verbunden. Dieser beschuldigte Franz I. , sein als Edel-mann gegebenes Wort gebrochen zu haben. Der Streit führte zu einer AuSfode-rung zum Aweikampfe, der jedoch nicht stattfand. Den Krieg endigte 1529 derFriede von Cambrai zum Vortheil des Kaisers. Bald darauf verließ Karl Spa-nien und ließ sich zu Bologna zum Könige der Lombardei und röm. Kaiser krönen.Bei dieser Feierlichkeit küßte der stolze Karl demselben Papste, den er gefangen ge-halten, die Füße. 1530 schien er auf dem Reichstage zu Augsburg die verschiede-nen Parteien aussöhnen zu wollen; da er aber nicht damit zu Stande kam, erließer ein Decret gegen die Protestanten, welchem diese durch den schmalkaldiscken Bundbegegneten. Auch publicirte er 1532 die Halsgerichtsordnung (s. d.). Un-geachtet seiner Unternehmungen zu Gunsten der kathol. Religion zeigte Karl sich je-des Mal, wo sein Vortheil Duldung zuließ, gemäßigt gegen die Protestanten.Auch zögerten die Protestant. Fürsten nicht, ihre Contingente zu stellen, als er einHeer gegen die Türken versammelte. Nachdem er Soliman zum Rückzüge genö-thigt hakte, unternahm er 1535 einen Zug gegen Tunis , sehte den Dey daselbstwieder ein und befreite 20,000 Christensklaven. Dieser Erfolg gab seinem Cha-rakter etwas Ritterliches, was ihn der Christenheit werth machte und den Planenseiner Politik nützte. Er zeigte diesen Rittergeist noch mehr in einer Rede, die erzu Rom vor dem Papste und den Cardinälen hielt, als sich in Italien die Feind-seligkeiten gegen Frankreich erneuerten. Er schlug darin einen Zweikampf vor, inwelchem einerseits das Herzogthum Burgund, andrerseits das Herzogthum Mai-land der Preis sein sollte; aber am folgenden Tage erklärte er sich gegen den franz.Gesandten auf eine Weise, welche vermuthen ließ, daß seine Ausfodcrung nur eineRedesigur gewesen sei. Seine Unternehmungen sowol in der Provence als in derPicardie waren indeß wenig glücklich; man schloß 1537 einen Waffenstillstand undverlängerte ihn 1538 auf zehn Jahre. Beide Monarchen hatten eine persönlicheZusammenkunft, worin sie viel von gegenseitiger Achtung und Zuneigung spra-chen. Bald darauf reiste Karl, der in Spanien war, wo er die alte Constitutionder Cortes vernichtet hatte, über Frankreich nach den Niederlanden. Er brachte5 Tage bei Franz I. in Paris zu; beide Fürsten erschienen an allen öffentlichenDrten zusammen, wie 2 Bruder. Es fehlte nicht an Hofleuten, welche dem Kö-nige von Frankreich riechen, seinen Gast nicht abreisen zu lassen, bevor derselbenicht den madrider Vertrag widerrufen habe; allein Franz begnügte sich mit Ver-sprechungen, die Karl schnell genug vergaß. Dieser beschloß, nachdem er die Un-Cvnversarions-Lexikon. Bd. VI- 4