Band 
Sechster Band. K bis L.
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Karl V. (deutscher Kaiser)

rührn in den Niederlanden gestillt hakte, seinen Ruhm durch die Eroberung vonAlgier zu krönen (1541). Er ging gegen Doria'S Rath in der stürmischsten Jah-reszeit in See und verlor ohne Nutzen einen Theil seiner Flotte und seines Heeres.Nach seiner Rückkehr verwickelte ihn die Weigerung, den König von Frankreich mit dem mailändischen Gebiete zu belehnen, in einen neuen Krieg, in welchem derKönig von England auf seine Seite trat. Karls Heer wurde bei CerisoleS ge-schlagen, aber auf der andern Seile drang er bis ins Herz der Champagne vor.Die in Deutschland wegen der Reformation ausgebrochenen Unruhen bestimmtenden Kaiser, 1544 den Frieden von Crespy zu unterzeichnen. Karl V. suchte dieGemüther zu versöhnen und wandte bei den Protestanten wechselsweise Drohun-gen und Versprechungen an. Nach einigen Scheinverhandlungen erhoben dieprotestantischen Fürsten die Fahne des Kriegs. Der Kaiser erklärte (1546) dieHäupter des Bundes in die Reichsacht, entzweite die Verbündeten, versammeltein der Eil ein Heer und trug mehre Vortheile über seine Feinde davon. Der Kur-fürst von Sachsen, Johann Friedrich , ward in der Schlacht von Mühlbcrg (1541)gefangen. Karl empfing ihn mit Härte und übergab ihn einem aus Italienernund Spaniern bestehenden Kriegsgerichte unter Alba'S Vorsitz, welches ihn zumTode verurtheilte. Nur durch Entsagung der Kur und seiner Eibländer retteteder Kurfürst sein Leben, blieb aber Gefangener. Indeß stellte sich der Kaiser eini-germaßen gemäßigt gegen die besiegte Partei. Als er nach Witteuberg kani,wunderte er sich, daß man die Ausübung des lutherischen Gottesdienstes einge-stellt habe. Er besuchte das Grob Lukher's und sprach: „Ich bekriege nicht dieTodten, er ruhe in Frieden, er ist schon vor seinem Richter". Der Landgraf vonHessen-Kassel, eins von den Häuptern der Protestanten, war genöthigt, nmGnade zu bitten; Karl beraubte ihn, trotz der gethanen Versprechungen, seinerFreiheit. Nach Vernichtung des schmalkaldischen Bundes beschäftigte sich derKaiser aufs Neue mit dem Plane, die ReligionSparteien wieder zu vereinigen,und erließ zu dem Ende das sogen. Interim (s. d.), das aber ebenso fruchtloswar als die von ihm auf dem Reichstage zu Augsburg vorgeschlagenen Maßre-geln. Auch gelang es ihm nicht, die kaiserliche Krone seinem Sohne zu sicher».Die Zwietracht bewegte stets die Gemüther, und als Karl Herr zu sein glaubte,brach ein neuer Krieg gegen ihn aus. Moritz von Sachsen , den er mit der Kur-würde belehnt hatte, bildete ein Bündniß, dem Heinrich !>., Franzens Nachfol-ger, beitrat. Die Vorbereitungen wurden in der größten Stille gemacht. Karlwar zu Innsbruck , wo er die Berathschlagungen der Kirchenversamnilung zu Tri-dent leitete und große Plane gegen Frankreich und die Türkei im Sinne führte.Er erwartete Moritz als Bundesgenossen, als dieser die Maske abwarf, plötzlichan der Spitze eines Heers erschien und (1552) in Tirol einrückte, während Hein-rich II. in Lothringen einfiel. Karl wäre fast in Innsbruck in einer stürmischenNacht überfallen worden. Gequält von Gichkschmerzen, entfloh er allein in einerSänfte auf ungebahnten Wegen. Moritz gab das kasserl. Schloß der Plünderungpreis, das tridentinische Concilium löste sich auf, und die Protestanten dictierendie Bedingungen des passauer Vertrags (1552). Karl war in Lothringen nichtglücklicher; er konnte Metz , das der Herzog von Guise vertheidigte, nicht wie-dernehmen. In Italien verlor er Siena durch einen Aufstand. Er ging nachBrüssel; bedrängt von seinen Feinden und mit der Gicht kämpfend, ward er fin-ster und schwermülhig, und entzog sich dergestalt AllerBlicken mehre Monate lang,daß sich in Europa das Gerücht von seinem Tode verbreitete. Seine letzten An-strengungen waren noch gegen Frankreich gerichtet, das stets seine Angriffe zurück-schlug. Der Reichstag zu Augsburg (1555) bestätigte den passauer Vertrag undgab den Protestanten gleiche Rechte mit den Katholiken. Karl sah alle seine Planefehlgeschlagen und die Zahl seiner Feind« sich mehren. Er beschloß, seine Erbstaa-