Band 
Sechster Band. K bis L.
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Karl X. (König von Frankreich )

von Navarra (nachmals Heinrich l V.) mit Karls IX. Schwester, Margaretba, schienjeden Argwohn zu verbannen. Diese Vermählung hatte am 18. Aug. 1572 statt;am 22. geschah der erste Mordversuch gegen Coligny , und am 24. begann jenes Blut-bad, das unter d. N. der Bartholomäusnacht bekannt ist. Der Bürgerkrieg brach zumvierten Male aus, und Katharina sah jetzt das Unstatthafte ihrer Politik ein. Karlkonnte seine Abneigung gegen sie nicht mehr verbergen und war im Begriff,selbst mit kräftiger Hand die Zügel der Herrschaft zu ergreifen, als er 1574kinderlos starb. Ihm folgte sein Bruder Heinrich III. Karl war tapfer, un-ermüdlich, ruhmliebend, von lebhaftem durchdringendem Geiste, und liebte dieWissenschaften. Weniger ihm als seiner Mutter fallen die Gräucl zur Last,welche seine Regierung beflecken. Vgl. Wachler: „Die Pariser Bluthoch-zeit" (s. dN 2. A., Leipzig 1828.

Karl X. (Philipp), König v. Frankreich und Navarra , Ludwigs X VI. undLudwigs XVIII. Bruder, des Lehrern Nachfolger den 16. Sept. 1824, bis 1795Graf v. Artois, dann bis 1824 Monsieur genannt, ward geb. zu Versailles d.9.L)ct. 1757 und verm. 1773 mit Maria Theresev. Savoyen , der Schwester derGräfin v. Provence , seiner Schwägerin, die ihm den Herz. v. Angoulome (s. d.)und den Herzog v. Berry (s. d.) geboren hat und d. 2. Juni 1805 gestorben ist.Erzogen an dem Hofe Ludwigs X V., zeigte der Graf von Artois in seiner Jugendviel Liebenswürdigkeit und Sinn für geistige Bildung, aber auch viel Hang zu denin Versailles herrschenden Hoffesten und kostspieligen Zerstreuungen. Bei einemBalle im Opernsaale 1778 zog er der Herzogin von Bourbon die Maske ab; dieseBeleidigung hatte ein Duell mit dem Herz. v. Bourbon zur Folge, das der BaronBczenval in s. äläionires erzählt. 1782 diente der Graf v. A. als Freiwilliger imLager von St.-Roch vor Gibraltar und wurde St.-L»dwigSritter. 1787 folgte er,als Präsident eines Bureau der Notabeln, andern Ansichten als seine Brüder, derKönig und der Graf von Provence. Daher glaubte das Volk, er sei der allgemeingehofften StaatSvcrbesserung entgegen, und zeigte, als er nebst dem Grafen vonProvence die Einregistrirung des Stempel- und GrundsteueredictS vollzogen hatte,gegen ihn persönlich ein frevelhaftes Benehmen. Nach dem 14. Juli gaben er undder Prinz von Condö den 16. Juli 1789 das Zeiche» zur Auswanderung. DerGraf v. A. begab sich nach Turin, sah den Kaiser Leopold in Mantua , hielt sicheine Zeit lang zu Worms, zu Bruck bei Bonn, zu Brüssel und in Wien auf.Dann begab er sich zu der Zusammenkunft der Monarchen i» Pillnitz (s. d.i,wo er seinen Zweck erreichte. Als aber Ludwig XVI . die Constitution (14. -L-ept.1791) beschworen und hierauf die franz. Prinzen, die sich in Koblenz befanden, zurRückkehr nach Frankreich eingeladen hatte, weigerten sich dieselben zu geborchenund protestirten gegen die neue Verfassung. Darauf entzog die gesetzgebende Na-tionalversammlung dem Grafen v. A. am 19. Mai 1792 die ihm durch die Con-stitution bestimmte Apanage von einer Mill. Fr. und wies auf seine Einkünfte seineGläubiger an. Der Prinz unterhielt damals von Turin aus Bewegungen inFrankreich zu Lvon und a. a. Brten; dann übernahm er den Befehl über ein Enii-grantencorpS, das mit der preußischen Armee zugleich in die Champagne eindrang.Nach dem unglücklichen Ausgange dieses Feldzugs begab sich der Graf v. A. nachHamm in Westfalen , wo er nach Ludwigs X VI. Tode von seinem Bruder, alsnunmehrigen Regenten , zum Generallieutenant des Königreichs ernannt wurde.Nun suchte er den Beistand der Kaiserin Katharina, die ihn an ihrem Hofe mit dergrößten Auszeichnung empfing und ihm einen kostbaren Degen „i>»»r le röinbli-!-.>i<!nie„t et In psioire üe votre maii-nri" überreichte. Die engl. Regierung gab ibmEnde 1794 einen Iahrgehalt von 15,000 Pf. St. Er selbst harte dem MarschallBroglio seine Diamanten und den Degen, welchen Ludwig X VI. seinem Sohnegegeben, geschickt, um durch deren Verkauf den nöthigsten Bedürfnissen der Emi-