Band 
Sechster Band. K bis L.
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66 Karl XII . (König von Schweden)

seiner Taft! verbannt; zuweilen war ein grobes Brot seine einzige Speise; erschlief oft in seinen Mantel gehüllt auf der Erde; ein einziger blauer Rock mit ku-pfernen Knöpfen war seine ganze Garderobe; er trug beständig große, bis über dieKnie reichende Stiefeln, und Büffelhandschuhe. Gegen das weibliche Geschlechtzeigte er die größte Gleichgültigkeit, und nie vermochte eine Frau Etwas über ihn.

Nach Dänemark mußten auch die Angriffe Augusts und Peters zurückge-schlagen werden. Jener belagerte Riga; dieser bedrohte Narva und das um denfinnischen Meerbusen gelegene Land. Karl kehrte nicht in seine Hauptstadt zurück,die ihn sogar nie wiedersah. Er ließ 20,000 Mann nach Lieflaud übersetzenund ging den Ruffen entgegen, die er 80,000 Mann stark unter den Mauern vonNarva in einem befestigten Lager fand. 810,000 Schweden stellten sich am80. Nov. 1700 unter dem Feuer der Ruffen in Schlachtordnung, und der Kampfbegann. Am Abend zuvor hatte Peter das Lager verlassen, unter dem Borwande,Verstärkung zu holen. In weniger als einer Viertelstunde war das russische La-ger erstürmt. 30,000 Ruffen blieben auf dem Platze oder warfen sich in die Nar-row«; die andern wurden gefangen oder zerstreut. Nach diesem Siege sehteKarl über die Düna, griff die Nerschanzungen der Sachsen an und trug einenvollständigen Sieg davon. Karl hätte jetzt einen Frieden schließen kennen, der ihn,zum Schiedsrichter des Nordens gemacht haben würde; statt dessen verfolgte erAugust nach Polen , und beschloß, die Unzufriedenheit eines großen Theils der Na-tion zu benutzen, um ihn zu entthronen. August versuchte umsonst, zu unterhan-deln; vergebens bemühte sich die Gräsin Königsmark, den schwedischen Heldendurch ihre Schönheit zu entwaffnen. Karl weigerte sich, mit dem Könige zu un-terhandeln und mit der Gräsin zu sprechen. Der Krieg dauerte fort; die Schwe-den erfochten einen glänzenden Sieg zu Cliffow; 1708 war ganz Polen von denSiegern besetzt; der Cardinal Primas erklärte den Thron für erledigt, und die neueWahl fiel durch Karls Einfluß aufStanislauS Lesczinski. August hoffte in Sach-sen sicher zu sein, da inzwischen Peter Ingermannland besetzt und an der Mündungder Newa den Grund zu St.-Petersburg gelegt hatte. Aber der Sieger von Narva verachtete einen Feind, an dem er früh oder spät leicht Rache zu nehmen hoffte, undfiel in Sachsen ein. Zu Altranstädt dictirte er 1706 die Bedingungen des Frie-dens. Der Lieflander Patkul (s. d.), welcher die Verbindung gegen Schweden an-gestiftet hatte, damals Peters Gesandter in Dresden , mußte ihm ausgeliefert wer-den, und er ließ ihn mit dem Rade hinrichten. Man erstaunte mit Recht, daß einbis jetzt großmüthiger Fürst eine so unmäßige Rache habe nehmen können. Übrigenszeigte Karl während seines Aufenthalts in Sachsen Mäßigung und Scelengröße.Er ließ seine Truppen die strengste Mannszucht halten. Mehre Gesandte undFürsten begaben sich in das Lager des Königs zu Altranstädt , unter diesen auchMarlborough, der Karls Plane zu entdecken suchte. Er überzeugte sich, daß dersiegreiche Held an den großen Streitigkeiten im Süden keinen Theil nehmen würde.Dagegen verlangte der König von Schwede», noch ehe er Deutschland verließ, vomKaiser, daß er den Lutheranern in Schlesien volle Gewissensfreiheit zugestehe, unddieser gewährte die Federung. Im Sept. 1707 verließen dieSchrveden Sachsen;sie waren 13,000 Mann stark, gut gekleidet, an gute Zucht gewöhnt und berftchertmit den erhobenen Kriegssteuern. 6000 Mann blieben zum Schutze des Königsvon Polen zurück, mit dem übrigen Heere trat Karl den kürzesten Weg auf Mos-kau an. Als er aber in die Gegend von Smolensk gekommen war, änderte r aufdie Vorschläge des Kosockcnhermanns Mazeppa seinen Plan und zog nach derUkraine , in der Hoffnung, daß die Kosacken sich mit ihm verbinden würden. MeinPeter verwüstete ihr Land, und der geächtete Mazeppa konnte die ver sprochene Hülfenicht verschaffen. Die beschwerlichen Märsche, der Mangel an LebenSmittein, diebeständigen Angriffe des Feindes und die strenge Kälte schwächten Karls Hew au-