Band 
Sechster Band. K bis L.
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83
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Karneades

Karpathen 83

sich schon früher mit den zwickauischen Bilderstürmern „nd den mühlhausischen Auf-rührern, ja selbst mit Münzer in Verbindung eingelassen hakte), ssir die öffentlicheRuhe besorgt, ihn im Sept. 1524 aus seinen Landen verwies. K. begann nun denSacramenrsstreir, in welchem er gegen Luther die leibliche Gegenwart Christi imAbendmahle läugneie. Dieser von beiden Seiten mit der größten Erbitterung ge-führte Streit war, da sich Zwingst, wiewol mit bessern Grünten, fürK.'S Meinungerklärte, der erste Anlaß desKampses der schweizerischen Theologen mir den witten -bergern und der daraus erfolgten Trennung der reformirten von der lutherischen Kir-che. K. irrte inzwischen, der Theilnahme an dem Bauernkriege in Franken mitGrund verdächtig, in Deutschland unstäi umher, und suchte endlich, zum äußer-sten Elende herabg, stinken, bei Luther Hülfe, der ihn auch, noch einer in etwas be-friedigenden Erklärung über jenen Streit, großmüthig aufnahm und ihm unterder Bedingung, daß er seine Meinungen ganz zurückhalte, einen Zusiuchlsort inKemberg verschaffte. Hier lebte der gedemürhigte Alan», als Nachbar Andreas,vom Feldbau und einem Hantel beinahe 3 Jahre. Sein unruhiger Geist verleiteteihn jedoch, schon 1528 jene Bedingung durch Herausgabe einiger Schriften unddurch Verkehr mit dem Irrlehrcr S ch w enkfeld (s. d.), ja selbst durch Ränke ge-gen Lulhcr's Person zu brechen. Um dem verschuldeten Ungewitter auszuweichen,begab er sich zu Ente desselben Jahrs nach der Schweiz . Hier ward er zuerst Pfar-rer tu Alistätt im Rheinkhal, 1530 Diakon zu Zürich und 1531 Prediger und Pro-fessor der Theologie in Basel , wo er ruhig und mit dem Ruhme eines si ommen undredlichen Mannes 1541 oder 1543 starb. Seine Neuerungen waren mehr Feh-ler des .Kopses als des Herzens; man muß den Eifer, den er an eitle und mißlicheUnternehmungen verwendete, bedauern, und seine Schwärmerei, Unbesonnenheitund Erbitterung gegen Luther mißbilligen.

Karneades von Cyrcne, Stifter der neuern oder dritten Akademie, wargegen 129 v. Chr. geboren und lebte 90 Jahre zu seinem Unglück, ohne Wahrheitzu finden. Dieser Stifter der dritten Akademie stützte seine dialektische Weisheit aufdie sonderbare Theorie: „man könne die Wahrheit nicht erkennen". War das rich-tig, so war es sehr müßig, eine solche Spitzfindigkeit, die nur einer Classe müßigerIdeologen interessant scheinen konnte, zu einem gelehrten Dogma zu erheben, daszu den Veriri ringen gelehrter Köpfeeinen Beitrag lieferte. Doch war dieserZdeologso bescheiden, den sogenannten Weisen zu erlauben, in gewissen Fällen zu vermuthen;nur solle man nie absprechen. Eö war eine Spielerei eines Mannes, der Behagenfand, das Absprechende andrer sogenannten Welttreffen seiner Zeit, und besondersdie finstere Moral der Stoiker und die Wortklauberei der Peripatetiker lächerlich zumachen. Als Griechenlands bessere Köpfe, nach der Unterdrückung ihrer NationalSEtaat, sich nicht niehr mit Gegenständen beschäftigen konnten, die ihr Volk alsVolk ansprachen, so sank ihre in eine enge Sphäre eingeschränkte Untersuchungsfrei-heit zur Ideologie herab. Was wir vom Svsteme deü K. wissen, stammt besondersvon seinem Schüler Klikomachus ab. Er selbst soll nie über sein unlogisches Srstemgeschrieben haben. Cicero, der sich nur zu sehrin seinen Ansichten dergelehrien Ideo-logie hingab, hat in seinen Schriften, als Freund der Stoa, diesen Gegner seinerStoiker hier und da zu widerlegen gesucht. Die Athener hatten einmal den K. mitein paar andern Philosophen als Gesandte nach Rom geschickt. Cato der Große, dermit seinem geraden Sinne an der Dialektik, der Krankheit seiner Zeit, wenig Beha-gen fand, die Roms Jugend anzustecken schien, als jene Sophisten das Widersinnig-ste wahrscheinlich machen zu können behaupteten, gab dem Senate den weisen Rath,diese Sophisten baldmöglichst nach Griechenland zurückzuschicken.

K a r n i e ß, s. Säule.

Kärnthen, ein Herzogth. der östreich. Monarchie. (S. Östreich.)

Karpathen (slaw. Tati)-, auch Lsl-ißvri), das 3. europ. Urgebirge, be-