Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kassel

und stets den Untergang Trojas voraus und warnte ihr Volk vergebens vor demtrügerischen Rosse. Als nun Troja erobert war, und K. mit den übrigen Jung:srauen sich zum Tempel der Minerva flüchtete, i ch Ajax in wilder Raserei sie vomAltare weg, entweihte die Jungfrau auf heiliger Stakte und schleppte sie mit ge:bundene» Händen zu den andern Sklavinnen bin, wo sie bei Verkheilung derBeute dein Agamemnon zufiel, der sie als Sklavin und Geliebte mn sieb nachMy-cene führte. Klytamnestra ermordete Beide. Dem Agamemnon soll sie die Zivil:lnigssohne, Telekom»? und Pelops, gebore» habe». Übrigens galt dieser Raubder K. den Alken für eine der verruchtesten Frevelthaten und hat den Dichte, ,i sowolals den bildende» Künstlern zum Stoffe gedient. Auch mußten die Lokrer, dieLanksleute des A>ax, durch Sturm und Ungeivittcr und durch eine in ihrem Landeentstandene Pest viele Jahre dafür büßen.

Kassel, Haupt-, und Residenzstadt des Kurfürsten von Hessen (s. d.),liegt in der Landgrassch. Nieterbessen a» der schiffbaren Fulda (51" 19' 20" N. B.und 21° 1' 5" H. L.) und hat ohne die 2 Vorstädte 1586 H-, und mit Inbegriffder ssslonien Philippinciihof und Mommerodc 26,000 E., worunter an 500 Juden.Sie besteht aus der Altstadt, der untern Neustadt und der obern (franz.) Neustadt.Die Alistadt und untere Neustadt sind giößeniheils schlecht und von Holz gebaut,die Straßen eng und winkelig, und die Plätze unregelmäßig; dagegen sind in der vonfranz. reformieren Flüchtlingen angelegten Obcrueustadk die Plätze durchgängig re-gelmäßig, die Straßen breit und schnurgerade, die Häuser massiv, zum Theilprachtvoll; die 1500 Fuß lange Kör.igsstraße würde jeder europ. Hauptstadt zurZierde gereichen, und die Bellevuestraße hat eine entzückende Aussicht ins Freie.Das Thal, worin Kassel liegt, wird nordwärts von Verbergen des ReinhartSwal-tes, im W. vom Habichtswalde und im S. von dem ö^örewald beherrscht; gegenO. zieht sich beim Dorfe Betlenhausen vorbei eine weite, durch geringe Hügel ein-gefaßte Ebene, über die in blauer Ferne der Meißner sei» Haupt erhebt. Die Fuldawindet sich bereits als schiffbarer Strom m mannigfalrigen Krümmungen von S.nach N. durch dieses Tkal. Die Lage des Orts macht das Klima rein und gesund. —Die Stadt zählt 11 Thore, 10 öffentliche Plätze und 9 Kirchen, wovon eine lu-therisch und enie römisch-katholisch istFDaS Straße,,Pflaster ist im Ganzen schwarz-grauer glatter Basalt. Unter den öffentlichen Plätze» zeichnen sich aus: 1i derFriedrichsplatz, mit der von Nahl (s. d.) gehauene» kolossalen MarmorstatueLandgraf Friedrichs I I. (gest. 1185), 1000 F. lang und 450 F. breit; 2) der Kö-nigsplatz ist cirkelrund und hat 456 F. im Durchmesser und im Mittelpunkte einsiebenfaches Echo (hier ward während der wcstfal- Regierung die MarmorstatueNapoleons auf einem Springbrunnen ausgerichtet, die aber nebst dem Brunnenjetzt verschwunden ist); 3) der Parade- oder Schloßplatz (das Residenzschloß, wel-ches hier stand und wovon eine Seite am 24.Nov. 1811 abbrannte, ist 1811 nie-dergerissen und an dessen Stelle der Grund zu einem neuen Schlosse von g, ößermUmfange und cdlerer Bauart gelegt worden); 4 ) der Karlsplah mit der Marmor-siarue des Landgrafen Karl; 5) der Wilhelmsplatz; 6) das Sechseck am wilhclms-boher Thore; 1) der Casernenplah; 8) der Garde-du-CorpSplatz. Die vorzüglich-sten öffentlichen Gebäude sind: das Museum Fridericianum , worin die Bibliothek,das Antiken -, Kunst - und Naturaliencabinet, die Korkmodelle und die sogen. Holz-bibliotkek; die Bildergalerie, welche die schätzbare >Ltamiiilung von Gemälden ent-halt, die 1815 von Paris zurückgeführt wurde; das Bellevueschloß; das kur -prinzliche Schloß; die 1815 gegründete, n»ch unvollendete Kartenburg; dasZeug-haus; der Mai stall; die Casernen, besonders die unter der westfal. Regierungaußerhalb der Liadl angelegten, welche gegenwärtig zu Armcnanstalten benutzt wer-den; das sogen. Fürstenhaus^ die Sternwarte; das Opernhaus ; das Casiell,ein LKaalSgefängniß; die unter der westfal. Regierung erbaute Arnllericschule,