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gen, unter den Verwirrungen der bürgerlichesi Kriege und kirchlichen Händel jenerZeit, konnten ihre wenig mit einander zusammenhängenden, politisch nicht gefähr-lichen Gemeinden oft lange Jahre straflos ihr stilles Wesen treiben. Freilich fehltees auch nicht an Ausartungen bei diesen Sekten: die nächtlichen Zusammenkünfte,die Gemeinschaft der Güter, die heimathlose, herumschwcisende Lebensart, wegenderen mehre derselben Passageren, Passagini genannt wurden, dieursprünglich asce-tische Geringschätzung des Ehestandes Mancher von ihnen gab, da sie doch das Zu-sammenleben beider Geschlechter gestatteten, Gelegenheit zu groben llnsiltlichkeiten,und das Geheimniß, in das sie ihre Religionsübung hüllten, bedeckte bisweilen aucharge Verirrungen einer sich selbst überlassenen Schwärmerei. Doch wenn ältereSektennamen durch solche Flecken übel berüchtigt wurden, so gaben neue Anführerund Reformen in Lehre und Leben auch neuen Sekten Dasein und Namen, unddem einmal beliebten Geiste des Separatismus frischen Schwung. Versuche die-ser Art waren die Regungen unter dem Volke in Frankreich, der Schweiz und Ita-lien, die Peter von Bruys, Heinrich und Arnold von BreScia im 12. Jahrh, ver-ursachten, und dadurch die Parteinamen: Pelrobrusianer, Hcnricianer und Arnol-disten aufbrachten. (Vgl. Arnold von BreScia.) Nun wurden zugleich diegeistlichen Ldbern eifriger im Aufspüren und Bestrafen der Ketzer, sodaß diese neuen,noch dazu unter einander nicht einige» Gattungen der Katharer bald wieder erlo-schen. Zwar brauchten jetzt jene ältern Katharer, Pub'ckaner, Patarener re., wosie ansässig waren, die Vorsicht, sich öffentlich zu den katholischen Kuchen zu hal-ten und ihre Privatversammlungen immer mehr in nächtliches Dunkel zurückzu-ziehen; auch gestatteten sie den bedrängten Gliedern, sich vor den geistlichen Ge-richten durch scheinbaren Widerrufzu helfen; die Aufmerksamkeit dieser Behördenwar aber einmal rege, und da die Päpste die Verfolgung der Ketzer durch eigne Le-gaten betrieben und im 13. Jahrh, die furchtbare Inquisition errichteten, so gabauch das unbescholtenste bürgerliche Leben und die tiefste Verborgenheit der Reli-gionsübung den Irrgläubigen keine Sicherheit mehr. Das Schicksal der A lb i-genser (s. d.), welche großentheils Katharer waren, brachte endlich im 13. Jahrh,dieser ganzen Sektenfamilie den Untergang. Nur die Waldenser (s. d.), dieman ohne Grund mit den Katharern verwechselt hat, erhielten sich. Später ent-standene Sekte» führten nicht mehr diesen allgemeinen Ketzernamen. bl.
Katharina von Medici , Gemahlin Heinrichs II., Königs vonFrankreich, geb. zu Florenz 1519. die einzige Tochter Lorenzos von Medici, Her-zogs von Urbino, und die Nichte Papst Clemens V II. Franz I. willigte nur darumein, sie seinem zweiten Sohne Heinrich zur Gemahlin zu geben, weil er nichtglaubte, daß sie auf den Thron gelangen würde, und weil er eine bedeutende Sum-me Geldes nöthig hakte, welche Lorenzo ihm verschaffte. Die Vermählung ward1533 zu Marseille gefeiert. Katharina, ebenso schön als geistreich, hatte in Flo-renz ihren Geschmack für die Künste ausgebildet, zugleich aber auch die Grundsätzejener damals herrschenden italienischen Politik eingesogen, die stets ihre Zufluchtzu Cabalen, Listen und Treulosigkeiten nimmt, und einem großen und mächtigenReiche am wenigsten ziemt. Katharinas Ehrgeiz war unbegrenzt; sie opferteFrankreich und ihre Kinder der Lust zu herrschen; allein nie hatte sie ein feste? Ziel,und man kann ihr keinen tiefen Plan beimessen. Die Lage, in welcher sie sich beiihrer Ankunft an deni Hofe von Frankreich befand, gab ihr Gelegenheit, dieKurstder Verstellung immer mehr zu üben. Der Herzogin von Ekampes, des KonicsGeliebte, und der Diane de Poitiers , ihres eignen Gemahls Buhlei in, diesich ein-ander haßten, schmeichelte sie ausgleiche Weife. Aus ihrer Gleichgültigkeit hätteman vermuthen sollen, daß sie die Unruhe der Geschäfte scheue; aber als der TodHeinrichs II. sie 1559 zum Herrn ihres Willens gemacht hatte, sah man sie ihreKinder in einen Strudelvon Vergnügungen stürzen, theils um siedurch Ausschwei-