Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
128
JPEG-Download
 

128

Kaufmann (Johann Gottfried und Friedrich)

Verbindung kinderlos blieb. Auch dieser starb lange vor ihr, und Angelica lebteseitdem einzig der Kunst und ihren Freunden bis zu ihrem Tode, den 5.Nov. 1807.Ihr Leichenzuz war von Canova angeordnet, und ihre Büste ward 1808 im Pan-theon aufgefüllt. Sie hinterließ eine ausgesuchte Bibliothek, schöne Originale,mälde älterer Meister und ein ansehnliches Vermögen, welches sie zum Vortheilniedrer Personen und Stiftungenvermacht hatte. Sie hat viele Portraits und hi-storische Gemälde, letztere besonders nach Antiken gemalt. Weibliche Idealgestaltenmalte sie am liebsten. Ihre Arbeiten werden vorzüglich wegen der Grazie geschätzt,welche darin herrscht, wenn auch dem wahren Kenner sowol dir Incorrectheit ihresStyls als auch das Einerlei ihres Plans und der Ausführung nicht entgehen kann.

Kaufmann (Johann Gottfried und Friedrich), Vater und Sohn, Aku-stiken, Mechaniker und Tonkünstler. Der Vater war 1752 zu Siegmar , beiChemnitz in Sachsen , von armen Ältern geboren. Schon als Kind verrieth erGenie für Mechanik. Er kain zu einem Strumpfwirker in die Lehre, entsagtejedoch nach 3 Jahren diesem Gewerbe und ging, um seiner Neigung zu mechani-schen Arbeiten zu folgen, nach Dresden . Hier kam er in das Haus eines Mannes,der sich mit Ausbessern von Uhren und ähnlichen Arbeiten beschäftigte. Nach an-derthalb Jahren starb sein Lehrmeister, und K. setzte das Geschäft allein für Rech-nung der Witwe und Kinder fort. 1779 heirathete er die jüngste Tochter desHauses, mit der er eine Tochter und einen Sohn zeugte. Nachdem er mehreneue Uhren gefertigt, versuchte er, obgleich er nie Unterricht in der Musik genos-seirchatte, den Bau von Spiel-und vorzüglich Harfenuhren, wozu er einen eig-nen Mechanismus erdachte. Späterhin wagte er sich in das Gebiet der Orgel-baukunst und lieferte bald ganz vorzügliche Flötenuhren. Aber auch hier blieb ernicht stehen: er war in Sachsen der Erste, der Beides mit einander verband und1789 eine Flöten - und Harfenuhr zu Stande brachte, die wegen ihrer Vortreff-lichkeit von dem damaligen Kurfürsten zum Geschenk für seine Gemahlin bestimmtwurde. Diese Aufmunterung spornte seinen Fleiß immer mehr an, und so brachteer eS durch rastlosen Eifer und durch den Grundsatz, nie zwei Werke ganz gleich zubauen, dahin, daß schon 1800 seine Arbeiten in Italien, Östreich und Rußland alsMeisterwerke gesucht wurden. Um diese Zeit fing auch sein Sohn Friedrich,den er von Jugend auf in der Musik hatte unterrichten lassen, an, ihn bei seinenArbeiten zu unterstützen. 1804 sah er zum ersten Mal ein von Mälzl in Wien gefertigtes Trompetenwerk. Sogleich versuchte er ein ähnliches, und was er lei-stete, beweist sein Delloneon. 1807 u. 1808 erfand er eine Vorrichtung, wodurchan seinen Spieluhren die sogen. Harfe in ein wahres Pianoforte umgewandeltwurde. Auch gelang es ihm, die gewöhnlichen Orgelpfeifen dahin zu vervollkomm-nen, daß sie, ohne die Stimmung zu verändern, durch Vermehrung und Vermin-derung des Windes das täre^eenclc, und ltccri-rce»,!» hervorbringen, was manbis dahin für unmöglich gehalten hatte. Don Vater und Sohn gemeinschaftlichwurden diese Ideen nachher berichtigt und bei dem Chordaulodion zuerst ausgeführt.Beide Künstler erfanden darauf auch das Harmonichord, über dessen außerordent-liche Eigenschaften nur Eine Stimme ist. Es ist ein mit Metallsaiten bezogenesInstrument in Form eines aufrechtstehenden Flügels, welches im Tone großeÄhnlichkeit mit der Harmonie« hat, diese aber in der Tiefe und Höhe, an Umfangund Vielseitigkeit des Toncharakters übertrifft. Der Sohn gab dazu die erste Idee,und ein Theil der Ausführung gehört ihm; die eigenthümliche Art der Stimmungaber ist die Erfindung des Vaters. Nachdem beide Künstler schon früher mehreStädte Deutschlands mit ihren Instrumenten besucht, unternahmen sie 1816 eineReise nach London und Paris . Überall erwarben sie ebensoviel Bewunderung durchihre Talente als Hochachtung durch ihren persönlichen Charakter. 1818 waren siein Frankfurt , woselbst der Vater starb.