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Kirchenmusik
sang schritt einstimmig im Einklang und in lauter Noten von gleichem Werthe ohneRhythmus und Metrum (dadurch soll er sich von dem Ambrosianischen hauptsäch-lich unterschieden habe»; s. Forkel'S „Gesch, der Musik", 2. Thl., S. 1b2), oderebenfalls in den alten griechischen Tonarten, jedoch mit umfassenderer Modulationfort. Dieser Gesang, der durch Gregor und seine Nachfolger im ganzen Occidentverbreitet wurde, ist die Grundlage der christlichen Kirchenmusik geworden. Mannannte ihn auch tA»tn»> 'ü»>^>>o»i (Choral), weil er vom Chor gesungen wurde,wie denn in der That seine Beschaffenheit nicht nur für den Gesang einer großenDolksmaffe, welcher sich schwer und in weniger bestimmt abgemessenen Zeiträu-men fortbewegt, sondern auch für den feierlichen, einfachen Ausdruck eines allge-meinen christlich-religiösen Liedes sehr geeignet war. Man darf sich daher nichtwundern, daß der Choral (s. d.) so viele Jahrhunderte hindurch bei allem Wech-sel der übrigen Musik sich unverändert erhalten hat. Zuerst verbreitete sich derGregorianische Gesang nach England und nach Frankreich. Karl der Große , dervorzüglich zu seiner Verbreitung wirkte, ließ mehre Singschulen in Frankreich er-richten und verband sie mit den Klöstern. Nach Deutschland kam der Gregoriani-sche Gesang wahrscheinlich durch Bonifaz; aber erst zu Karls des Gr. Zeiten wurdeer auch in Deutschland verbreitet. Durch den Choral mochte sich wol der vierstim-mige Gesang leichter entwickeln, aber gewiß haben dazu, sowie überhaupt zur Ent-wickelung der vollkommenen Harmonie, die musikalischen Instrumente noch mehrbeigetragen, unter diesen aber vorzüglich die Orgel (s. d.), die in derKirche baldden Vorrang behauptete. Nun entwickelte sich die Figuralmusik und der figuriereGesang >„ 5 ), welcher im 15. Jahrh, anfing allgemeiner zu werden,
indem man zuerst nur die begleitenden Stimmen einer Melodie veränderte, erwei-terte und ausschmückte, wogegen die Hauptstimme, d. h. diejenige, in welcher dieGrunkmelodie enthalten war, unverändert blieb (daher sie ».-!>»lu« sie,»us, c.uii»sormn, pk-.i» olnliit genannt wurde), doch so, daß die Hauptstimme sehr oft indie ljnterstimnie verlegt wurde. Dies geschah nachher auch mit der Melodie. DieErfindung der Mensuralmusik bewirkte, daß auch der Choral im bestimmter» Zeit-maße vorgetragen wurde, und bildete die Harmonie weiter aus. Nun wurdenSingchdre nothwendiger, und der Gesang vorzüglich in Italien zu mehrein Glänzedes religiö sen Cultus angewendet. (S. Italienische M u si k.) Die Orgelnwurden seit dem 15. Jahrh, immer vollkommener, und auch andre Instrumentein der Kirche eingeführt, gegen welche, sowie überhaupt gegen die neue Figural-musik, die in der Instrumentalmusik eine vorzügliche Stütze fand, sich öfters ei-fernde Stimmen in der Kirche erhoben. Doch waren sie größtentheils gegen denMißbrauch der Figural- und Instrumentalmusik gerichtet und vermochten diesenicht aus der Kirche überhaupt zu verbannen. Eine neue Periode der Kirchenmusikeröffnete sich im 15. und 16. Jahrh, und wurde durch große Meister in Italien ,Frankreich, den Niederlanden und Deutschland verbreitet. Bekannt sind Luther'S Verdienste um den deutschen Kirchengesang, für welchen er besonders durch seinenFreund Wenffel wirkte. Vom 11. und 18. Jahrh, an wurde die Kirchenmusik im-mer glänzender und immer mehr du-ch weltliche Musik verfälscht. Forkel, der inder Einleitung zum 2. Theil s. „Geschichte der Musik" von dem Verfalle des ge-stimmten kirchlichen Musikwesen» in den neuern Zeiten spricht, führt als Haupt-ursachen an: den allzu häufigen Gebrauch der Musik, wodurch dieselbe, so zu jagen,entheiligt lvird; ferner Mißbräuche in der Anwendung der Musik, Mangel an hin-länglicher Kenntniß derselben und Sparsamkeit in Hinsicht des zu einer guten Mu-sik erfoderlichen Aufwandes, wobei man jedoch die Dermögensumstände der mei-sten Kirchen, sowie die zu großen Anfoderungen der neuern Componisten auch inBetracht ziehen muß. In Hinsicht auf letzter» Punkt betrachtet er die Beschaf-fenheit der Cantorate, deren geringe Einkünfte mit den Federungen an gute Kir-chenmusik in großem Mißverhältnisse stehen, ferner die Organisten, Stadtmusikan-