Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kleist von Rollender f (Emil Friedrich, Grus)

Zeit im Finanzministerium. Aber nach der jenaer Schlacht flüchtete er nachKö-mgsberg, nahm hier seine Entlassung mit suchte bei te» Blusen Trost unt El Hei-ke, ung in der traurigen Zeit der Unterdrückung seines Vaterlandes, welches seinemHerzen über Alles theuer war. So nährte er die ihm angeborene Schwermuth instiller Zurückgczogenheit, und die (Gefangenschaft, in welche er bei seiner Rückkehrnach Berlin , während der franz. Besetzung Preußens, gerieih, mochte auch nichtwenig dazu beitragen, diese seine Gemuthsstimmung zu befestigen. Er saß zu Iouxund Chalons im Gefängniß, ohneGriuid eingesetzt und freigelassen, und lebte hier-auf >n Dresden, wo er an Adam Müller einen Freund und lirerar. (Genossen fand,nur den, er das Journal „Phöbus" herausgab. Als derKrieg gegen Frankreich 1809inOsseich ausbrach, eilte K. mit großen Hoffnungen und Planen nach Prag undwar aus dem Wege nach Wie», als der schnelle Friede alle seine Lustschlösser zer-schmetterte. Innerlich und äußerlich gedrückt und gebeugt, verzweifelnd an sich undseinem Vaterlande, kebrte er nach Berlin zurück und endigte am 21. Nov. 1811bei Potsdam am heil. See sein Leben durch einen freiwillige» Tod, mit ihm einekranke Freundin, die Frau eines bei liner Kaufmanns, Namens Adolfine Vogel.Man muß ihm einen entschiedenen Dichterberuf zuerkennen und bedauern, daß ernicht langer unter uns geweilt, um sich mehr und mehr auszubilden. Denn Eigen-thümlichkeit der Erfindung, ein ungemei»er Schwung der Phantasie, ein tiefes,zartes Gefühl, eine seltene Kraft der Charakteristik, ja eine nickt gemeine Ironie,und überhaupt eine sprudelnde Lebenssulle, aber oft auch eine durch die Lagedes Dichters getrübte Welransicht charaktei isiren seine Werke. Diese sind: „DieFamilie Schroffenstein ", ein Trauerspiel; „Penihesilea", ein Trauerst).; „Am-philrvon"; „Der zerbrochene Krug ", ein Lustsp.; „Kälhchen von Heilbronn",ein histor. Rüterspiel; „Der Prinz von Homburg " und „Die Hennannsschlacht",zwei nachgelassene Schauspiele (v. L. Tieck , in „Heinr. v. Kleist's hinterlassenenSchriften", Berl. 1821, mit e. Vorr. über des Dichters Leben und Schriften);endlich zwei Bdchn. „Erzählungen". „Die Familie >Lchroffc,-stein" ist ein Werk,das zu den bessern gebärt, die aus der Tiefe der Zeit, wen» auch nicht ganz schla-ckenlos, sich hervorgehoben. Noch tiefer ist das „Käthchen von Heilbronn " ge-griffen. Wol ist das Ebenmaß des Bartes zuweilen verletzt durch gehäufte und indie Handlung nicht scharf und stetig eingreifende oder genau umrissne Figuren.Dafür aber sind auch viele an und in der Handlung sich entwickelnde eigenthümlichund fertig gezeichnet, und der Sirl so frei, großartig und üppig, daß ermitWahr-heit das Gemütk ergreift. Im Kathche» ist der Abgrund der Liebe mit einem ge-heimen seelenvolle» Zauber erschlossen. Auch für das Lustspiel zeigte K. einenunqemeinen Sinn. „Der zerbrochene Krug ", wenn er gleich unsern für das Ko-mische wenig empfänglichen Zeiten nicht zusagen sollte, enthält einen Schatz vonLaune und Witz. 'Alles ist scharf und keck gezeichnet und greift rasch in einander.Manchen üppigen Sproß des Humors mächte man doch nicht wegwünschen, dennjeder offenbart des Dichters übersprudelnden, regen, frische» Geist. Auch seineErzählungen zeichnen sich durch Reichthum der Erfindung, Tiefe des Gefühls,durch raschen Fortgang der Handlung, in und mit welcher zugleich sich die Cha-raktere entwickeln, durch scharfe Zeichnung der Charaktere und durch Gediegenheitdes Sryls aus. Besonders ist die längere Erzählung „Michael Kohlhaas " fürgelungen zu achten. Der Farbenton des Ganzen, den K. immer mir kühnemPinsel gab, ist hier unnachahmlich und kräftig wahr, die Gruppirung einfachund klar.

Kleist von Nollendorf (Emil Friedrich, Graf), geb. zu Berlin 1162, wohnte bereits dem Feldzuge von 1118 bei, ward später Adjutant desFeldmarschalls von Möllcndorf, dann im Generalstabe angestellt, in welchem er,zum Capital» aufgerückt, die Rheinfeldzüge mitmachte, und durch Entschlossenheit