181
Klinger
nen und Irren, praktisch, zwischen Beleben und Vernichten, hin und wieder wogt.K. gebort unter Die, welche sich aus sich selbst, aus ihrem Gemüth und Verständeheraus zur Well gebildet hatten. Jenes Beharren eines tüchtigen Charakters aberwird um desto würdiger, wenn es sich durch das Welt - und Geschäfksleben durcherhalt, und wenn eine Behandlungsart des Vorkvnimlichen, welche Manchemschroff, ja gewaltsam scheinen möchte, zur rechten Zeit angewandt, am sicherstenzum Ziele fuhrt. Dies geschah bei ihm, da er ohne Biegsamkeit, aber desto tüch-ttgor, fester und redlicher, sich zu bedeutenden Posten erhob, sich darauf zu erhaltenwusite und mit Beifall und Gnade seiner höchsten Gönner fortwirkte, dabei aberniemals weder seine alten Freunde, noch denWeg, denerzurückgelegt, vergas. Iaersuchte die vollkonimenste Stetigkeit des Andenkens durch alle Grade der 'Abwesen-heit und Trennung hartnäckig zu erhalten: wie es denn gewiß angemerkt zu werdenverdient, daß er, als ein andrer Willigis, in seinem durch Ordenszeichen geschmück,ten Wappen Merkmale seiner frühesten Zeit zu verewigen nicht verschmähte."K. ist bürgerlicher Herkunft. Er besuchte das Gymnasium in Frankfurt , dann dieUniversität Gießen. Seine ersten literarischen Versuche waren dramatisch; daherhielt er sich etwa 8 Monate als Schreiber bei der Seyler'schen Gesellschaft auf,um das Theater kennen zu lernen. Seine Neigung bestimmte ihn zum Million'-dienste, und als der bairische Erbfolgekrieg ausbrach, ward er von dem östr. Feld-zeugmeister, Baron von Ried, in dem Walker'schen FreicorpS als Unterlieutenantangestellt. Beim Frieden ward dieses CorpS verabschiedet. K. lebte jetzt bei seinenFreunde» und machte einige Reisen. Von Weimar ging er 1780 nach Petersburg .Durch den in Montbeillard resitirenden herz. würtemb. Hof bereits empfohlen,ward er von dem Großadmiral, dem Großfürsten Paul, in den FlottenbataillonSals Ofsicier und bei seiner Person als Vorleser angestellt. Das Iahrdaraufmachteer, im Gefolge des Großfürsten, die Reise durch Polen, Östreich, Italien, Frank-reich, die Schweiz, die Niederlande und Deutschland . Als 1783 der Krieg gegendie Türken auszubrechen drohte, stellte ihn der Feldmarschall Rumjänzoff in einemInfanterieregimente an; weil aber der Krieg nicht ausbrach, kehrte K. 1784 nachPetersburg zurück, wo er, mit Genehmigung des Großfürsten, bei dem adeligenCadelteucorpS Ofsicier wurde und unter Katharinas Regierung bis zum Oberstenstieg. Im ersten Jahre der Regierung Pauls ward er zum Generalmajor und1799 zum Director des CadetlencorpS ernannt. Auf der schlüpfrigsten Laufbahn,unter mißlichen Verhältnissen, zu einer Zeit, wo fester Männlichk.it und kühnemMuthe wol gar Gefahr drohte, stend er fest in Behauptung hoher moralischer Kraftund erhielt sich stets ein unwandelbares Vertrauen. Selbst Kaiser Paul verziehihm seine männliche Geradheit. Unter Alexanders Regierung wurden ihm nochandre Posten anvertraut, als die Curarel der Universität Dorpat , die Oberaufsichtüber das Pagencorps w., auch die Oberaufsicht über die Verwaltung deö Fräulein-stiflS und dcs Sk.-Kathar.-OrdenSstisis: Institute, die unter dem Befehle der Kai-serin Maria standen. Im 2. Jahre der Regierung Alexanders erhielt er den An-ncnorden erster Classe und >üe Rente eines KrongutS in Kurland auf Lebenszeit;darauf den Milüair-Georgenorden für 25jähr. Dienste, 1806 den Wladimir-orden 2. Classe. 1811 ward er Generallieutenant. Nach 40jähr. Dienste nahmer seinen 'Abschied von allen ihm anvertrauten Posten und erhielt ihn mit einer le-benslänglichen Pension. Er blieb allein thätig im Rathe und bei der Oberaufsichtder Verwaltung der beiden Institute unter den Befehle» der Kaiserin Maria. Sei-nem Jugendfreunde Götheund dem verstarb. SyndicuS Georg Schlosser , deineroft Rath und That verdankte, bei dem er in Emmendingen, wie bei jenem in Weimar ,die Blüthenzeit seines Lebens genoß, dankte er dafür im späten Alter. — Mittenunter feinem Wirken in der bürgerlichen Welt hatte K. eine Ansicht von der Poesieund dem Dichten gewonnen, von der sich unsere Ästhetiker nichts träumen ließen.