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Klinik
Eine hohe, moralische Stimmung, einen mit edeln, großen Gedanken beschäftigtenGecst, eine durch den Charakter bestimmte, kräftigeDenkungsart, einfache Sitten,Gefallen an einer beschränkten Lebensweise, völlige Unkenntnis, der Glücksjäuerei,wer hätte denn die von dem Dichter gefedert? Wie eine solche Theorie in ihm ent-stand, wie erst die wirkliche Welk bloß durch den dichterischen Schleier sich seinemGeiste darstellte, wie die Dichterwelk bald daraus durch die wirkliche erschüttert wardund dann dachten Sieg behielt, weil derselbständige, moralische Sinn Licht durchdie Finsterniß verbreitete, die des Dichters Geist ganz zu verdunkeln drohte, dar-über wird der achtsame Leser manches Bekenntniß in dieses Dichters anziehenden,,Betrachtungen und Gedanken über verschiedene Gegenstände der Welt und Lite-ratur" leicht aussuchen. In diesem Sinne entwarf er eine Reihe von Romanen:„Faust'S Leben, Thaten und Höllenfahrt"; „Geschichte Giafar'S, des Barmeci-den"; „Geschichte Raphael's de AguillaS"; „die Reisen vor der Sündflut";„Der Faust der Morgenländer"; „Geschichte eines Deutschen der neuesten Zeit";„Der Weltmann und der Dichter" (in jeder Hinsicht sein gelungenstes Werk);„Sahir, Eva'S Erstgeborener im Paradiese". Diese Werke umfassendste natür-liche und erkünstelte Verhältnisse, das ganze moralische Dasein des Menschen, undberühre» Gesellschaft, Religion, hohen idealen Sinn, die süßen Träume einer an-dern Welt, die schimmernde Hoffnung auf reineres Dasein über diese Erde. Na-türlich ist der Ton seiner verschiedenen Romane verschieden, und ebenso verschiedender Eindruck, den sie im Gemüth desLesers hinterlassen. DasHerz, taSim„Faust"sich zerrissen fühlt, wird im „Giafar" und „Raphael" stark und erhoben. Willder kalte Verstand die Blüthe des Lebens vertrocknen, so wird sie im „Faust derMorgenländer" durch das Her; belebt. Erregten der „Weltmann und der Dichter"unk die „Geschichte eines Deutschen" eine milde Trauer, so wird ,,^Lahir"diesemildverscheuchen. In der <Lammlung seiner Werke bdi NicolovmS (der auch sein Por-trait, von Senfft gest., abdrucken ließ) hat er in 12 Bdn. (Königsb. 1809—10)das Reinste, was er empfunden, das Edelste, was er gewollt, das Beste, was ergedacht, in möglichster Vollendung der Nachwelt hinterlassen. ck>1.
Klinik (von dem griech. xX, Bette) bezeichnet einen Unterricht amKrankenbette, um in der Erscheinung selbst den wahren Charakter der KrankheitS-zeichcn, ihren Gang und ihr verschiedenes Ende nebst allen Emzelnheiten der Be-handlungsart kennen zu lernen. Die Klinik lehrt also die individuellen Krankhei-ten erkennen und heilen, während der theoretische Unterricht nur bis auf die spe-ciellen KrankheitSfvrinen Herabgehen kann. Sie erfodert demnach eine genaueBeobachtung der Krankheit, wie sie sich in der Natur darstellt, und führt zu der-selben; sie bildet die echte Erfahrung. Welche wahre Fortschritte hätte die Medi-cin gemacht, welche Irrthümer wären ihr erspart worden, wenn der öffentliche Un-terricht stets dieser natürlichen Richtung gefolgt wäre, um den Zöglingen nur deut-liche und bestimmte Begriffe zu geben, und sie mit der Anwendung der Vorschrisenvertraut zu machen, bieder dogmatische Unterricht immer unbestimmt läßt! Mankennt nicht die Methode, die in der Familie der Asklepiaden für den klinischen Un-terricht der Medicin befolgt wurde, aber man wird die Ergebnisse davon stets in denSchriften des Hippokrates bewundern, der die gleichsam ererbte Erfahrungslehremit Allem, was er auf demselben Wege an gründlichen Kenntnissen erwarb, be-reicherte. Nach ihm hörte die Medicin auf, das Eigenthum besonderer Familienzu sein, und man entfernte sich bald von dem strengen Wege der Beobachtung, dener so sehr empfohlen hatte. Die noch schwankenden Fortschritte der Anatomie undPhysiologie, das anhaltende Studium der Philosophie des Aristoteles und endlosesStreiten über die Natur des Menschen, die Krankheiten und Heilmittel, beschäf-tigten die Aufmerksamkeit der Ärzte; die weise Methode, die Krankheiten zu be-obachten und genau zu beschreiben, wurde vernachlässigt. Die Hospitäler dienten