Band 
Sechster Band. K bis L.
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224 Kolossen

riesenhaft ist oder auch nur übel-gewöhnliche Größe hat. Ein Koloß von Größe undStärke — sagt man figürlich von einem mächtigen Reiche u. s. w. Eins der be-.rühmresten Kunstwerke des Alterthum? war der zu den sieben Wundern der altenWelt gerechnete Koloß zu Rkodus, eine hohle, metallene Bildsäule des Apollo oderPhöbus, welche der Bildhauer Ehares aus 3080 Talenten Erz in 12 I. verfer-tigte; sie soll 10 Ellen koch gewesen sein, hatte Finger von Mannesgröße und standals Leuchtkurm über dem Eingänge des Hafens der Insel, sodaß die Schiffe unterden ausgebreiteten Füßen der Bildsäule wegsegelten. Nach 56 I. stürzte sie durchein Erdbeben zusammen, lag mehre hundert Jahre in Trümmern, weil das Orakeldie Wiederaufrichtung verboten hatte, bis die Saracenen 665 n. Ch. die zerschla-genen Stücke aus 900 Kameelen wegführte». — Das K olossa lische unterschei-det sich von dem Gigantischen dadurch, daß jenesnicht die Absicht hat, riesenhaft zuerscheinen, sondern, in der berechneten Entfernung betrachtet, sich in natürlicherGröße zu zeigen. Das Gigantische hingegen ist auch in der Entfernung un-förmlich und übergroß.

Kolossen, auf Monte Tavallo, die beiden koloss. Statuen mit den sprin-genden Rossen, daher auch die Pferdebändiger genannt, welche vor dem päpstl. Pa-läste auf dem Monte Tavallossonst äl<>,>5lzuirn>2'iIaufgestelltsind. Sonstglaubteman, daß beide den Alexander darstellten, der seine» Bucephalus bändigt. Die ge-wöhnliche Meinung hält sie jetzt für die Dioskuren , und zwar diejenige Statue,welche, zufolge der Inschrift auf dem Postamente, Werk des Phidias ist, für dirStatue desKastor; das ihr am Werthe aber nachstehende Gegenstück, welches nachder Inschrift Arbeit des Praxiteles sein soll, für die Statue des Pollux. Es ist wederbekannt, zu welchem Zwecke diese Statuen ursprünglich bestimmt gewesen, noch durchhistor. Zeugnisse klar, was den ungefähr 80 I. später lebenden Praxiteles bewogen,ein Gegenbild zu des Phidias Werke aufzustellen, falls nämlich den genannten In-schriften Glauben beizumessen ist. Die Herausgeber der Winckelmann 'schen Werke(VI, 2. Abth., S. 13, vgl. V, S. 560) halte» die erstgenannteStarue wegen ihrergeistreichen und großartigen Behandlung für ein originales Werk des hohen Stvlsder griech. Kunst und finden darin Grund, sie mit der Inschrift dem Phidias beizu-legen, da auch in den einzelnen Theilen keine ängstliche Ausführung, oder Anspruchauf technische Glätte u. Gewandtheit an ihr wahrzunehmen ist. Aus einigen nochstehende» Erhöhungen an der männlichen Starue, z. B. am Kinn, vermuthen sie,daß dieses Werk vorn Meister nicht ganz vollendet und daher früher nicht so sehrgeachtet worden wie späterhin, als die Epoche des hohen Styls vorübergegangen sei,und wo man es wahrscheinlich zuerst aufgestellt habe. Da aber die Bestimrnung,welche das Werk empfangen, ein Gegenstück erfodert habe, so vermuthen sie, habeman in dieser spätern Zeit dem besten damaligen Künstler, Praxiteles, den Auftraggegeben, dasselbe zu fertigen. Aus dieser Hypothese erkläre» sie in der zweiten Sta-tue die Merkmale einer spätern Zeit (vornehmlich die große Kunsigewandtheik, mitwelcher der Meister, ohne als bloßer Copist zu erscheinen, sich dem ersten Bilde an-zunähern und einzelne Theile vortrefflich zu behandeln gewußt) ; den Mangel jenesgroßartigen Geistes in der zweiten Statue schreiben sie insbesondere der Schwierig-keit der Aufgabe zu, ein Gegenstück für ein vorhandenes Werk zu liefern, wobei dieFreiheit des Künstlers mannigfach beschränkt wurde, und Praxiteles, der Meister-einer Zeit, die das Weichere, sanftere liebte, mit dem Riesenbildner einer frühernKunstperiode in Wetteifer getreten sei (Winckelmann's Werke, V 1 ,2. Abkh„ S. 1 55).Canova hat durch Gründe, die aus dem Werke selbst genommen sind, darzuthungesucht, daß in jeder Gruppe Held und Pferd so gegen einander zu stellen seien, daßbeide aus einem Gesichtspunkte ganz gesehen werden können, wie sie auch ursprüng-lich gestanden haben mögen, da hingegen jetzt das Pferd dem Beschauer gerade ent-gegensteht, und das Ganze sich weniger angenehm gruppirt. (S. Canova's Brief