Band 
Sechster Band. K bis L.
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Kornbranntwein

wenn da« Getreide zu mangeln anfingt, so hat es in unserer Zeit eine Parte, dortgegeben, die zum Vortheile de» britischen Landbaue« das Minimum der erlaubtenWeizen- und Hafereinsuhr (80Sch. und 28Sch. für ein O.uark«r oder 5 berlinerScheffel) noch gesteigert verlangte. Gemeiniglich ist kurz vor der Ärnte in Eng-land an swwerem Hafer Mangel, und da er bei der Überfahrt leicht naß wird undsich dann erbistr, so kann von der nahen niederländischen, teutschen und dänischenKüste der Bedarf an dieser und jeder andern Getreideart fast jährlich nach den bri-tischen Häfen gut verkauft werden, woran fernere Küsten, des leichtern Verderb-nisse« halber, bei einer langen Seefahrt, nicht Theil nehmen können. Währendder Contuientalsperre haue sich die Bevölkerung in Großbritannien um 2^ Mill.vermehrt; allein ungeachtet die großen britischen Heere in der pyrenäischen Halb-insel, Malm und Sicilien größtentheils aus dem Vaterland? ihre Subfistenzmittelbezogen, war nie Mangel, wenn auch bisweilen ein hoher Marktpreis des Ge-treide« in Großbritannien eingetreten war, weil man viel sonst dem Getreidebauenicht gewidmetes Land dazu verwandt und aus der Gemeinweide oder grünen Be-nutzung aufgebrochen hatte. Für die reichen Landherren erhöhete diese« Verhält-niß, ungeachtet der gestiegenen Staat«- und Armentaxen, die Einkünfte sehr.Nachdem aber der Continentalfriede hergestellt worden, klagten die reichen Landei-genthümer, daß ihre Pächter und sie zu Grunde ginge», weil die Ausländer, wäh-rend einer kurzen Einfuhrfreiheik in die britischen Häfen, zu viel fremde« Getreideauf den Markt brächten und dadurch auch im nächsten Jahre den Gelreitepieis inEngland erniedrigten. Es ist aber bis 1822 bei dem alten Tarif der bedingt er-laubten Getreideeinfuhr geblieben. In den Parlamentsdebatken wurde auSge-miktelt, daß die jährliche Produetion des Ackerbaues in Großbritannien im Durch-schnitte den Werth von 87 Mill. Pf. St. beträgt und diejenige der Ausfuhr inManufacturen und Fabriken 45 — 50 Mill., worauf der Fabrikgewinn 15 —25 Mill. Thlr. betrüge. Seit 1822 haben sich jedoch Trimmen, sowol im Pub-licum als im Parlament erhoben, welche wichtige Gründe gegen die bisherige Po-litik, de» Getreidebau betreffend, vorbrachten, und dadurch bewirkten, daß derNormalpreis, zu welchem fremdes Getreide eingelassen werden soll, bedeutend her-abgesetzt wurde. 1828 machte die Regierung, besonders Eanning und Huskiffon,den ersten Versuch, der Freiheit der Einfuhr fremden Getreides nach England nachund nach eine größer« Ausdehnung zu verschaffen. Dgl. Ios. Lowe's „Englandnach seinem gegenwärtigen Zustande", übers. vorn Siaatsrathe v. Jakob (Leipzig 1823). Hierauf wurden dem neugewählten Parlamente 1827 mehre Bittschrif-ten wegen Abschaffung der Cerealgesetz« vorgelegt, die ohnehin dem seit 1825 ange-nommenen Grundsätze der Handelsfreiheit widersprechen; allein im Oberhauseward Cannings Bill durch Wellington's Zusatz so entkräftet, daß der Minister siezurücknahm und in einer zweiten Bill bloß auf Feststellung eine« Mitielpreises fürdas aufgespeicherte fremde Getreide antrug, was auch im Juni 1827 angenom-men wurde.

Kornbranntwein, s. Branntwein. Die Erfindung, au« mehl-artigen Stoffen geistige Getränke zu bereiten, ist für die nordischen Völker sehrwichtig, denen die Natur den Wein versagt, und denen bei der Rauhheit desKlima, bei den dicken Nebeln und bei der feuchten Seeluft der Genuß geistigerGetränke eine Magenstärkung ist. Vielleicht muß man es zum großen Theiledem Branntweine zuschreiben, daß nach den Hungerjahren 1816 und 1817 keineSeuchen ausbrachen, sowie in früherer Zeit, wo nach den Hungerjahren inLithauen die Pest ausbroch, welche ein Drittel der Bevölkerung wegraffte. Auchhat der Ackerbau dadurch gewonnen, weil nun das Korn einen größer» Marktbekommt, denn was als Korn nicht zu verkaufen ist, wird als Branntweinverkauft. Ebenfalls hat der Ackerbau durch die Vermehrung de« DiehstandeSsehr gewonnen, dir immer eine Folge der Branntweinbrennereien ist. In neuern