256 Körner (Theodor)
tät, ohne seinen Zweck erreicht zu haben, Zu verlassen. Nach kurzem Aufenthaltin Berlin ging er nach Wien . Mehre dramatische Erzeugnisse, welche er hierschnell hinter einander auf die Bühne brachte, zogen die öffentliche Aufmerksamkeitauf ihn. Einige empfehlen sich al« artige Kleinigkeiten, wie „Der grüne Domino",„Die Braut" und „Der Nachtwächter". Don andern, z. B. „Toni", „Hedwig"und „Zrinv" (die hier angeführten Stücke erschienen zuerst in den „Dramat. Bei-trägen", Wien 1813), glaubte man, der Dichter wolle Schiller'S dramatischesPathos mit Kohebue's gewandter Theaterpraxis verbinden. Letzteren verdankte erauch den Titel eines k. k. Theaterdichters. Aufgesodert von einem großen , nachdem Neuen und (Glänzenden so begierigen Publicum, von Zeit zu Zeit neue Er-zeugnisse für die Bühne zu liefern, da er bis jetzt nur im Gebiete des Lyrischen ein-heimisch war, ohne den scharf beobachtenden Blick in die verschiedenen Kreise derMenschen und in den weiten Umkreis der Geschichte zu besitzen, in welche der dra-matische Dichter seine magische Beleuchtung fallen läßt, schien er in Gefahr zusein, in diesen Verhältnissen seinem Talent eine falsche Richtung zu geben, unddiese Besorgnisse wurden durch einige Äußerungen tieferer K 'nner bestätigt, welcheauch in jenen, vieles Aufsehen erregenden dramatischen 2>Men K.'S nur sein ly-risches Talent sahen. K. hatte den festen Zielpunkt seines Wirkens noch nicht ge-funden. Wie konnte er das Leben in fremden Handlungen bilden und darstellen,in welchem er selbst noch nicht einheimisch geworden? Sein guter Genius rief ihnin die Bahn der Thaten. Ein neues Morgenroth brach von Osten über Deutsch-land an. Mächtig drang auch in seine Brust der Ruf, und der hochgesinnte Züng,ling säumt« keinen Augenblick, die Leier mit dem Schwerte zu vertauschen. Wiedies sein freiheitathmender Sinn für seine ernste Pflicht gehalten, und wie er dieFeigheit am Jünglinge und am Manne verabscheute, das sprachen mehre seinerkräftigen Lieder aus, mit denen er damals und nachher die Herzen feiner Brüdcrund Kampfgenossen beseelte. Er verließ mit fröhlichem Zugendmulhe seine soglücklichen Verhältnisse und zog dahin zur deutschen Schar, die sich unter Lutzow'sAnführung in BreSlau sammelte. Jetzt, in der Laufbahn des Kriegs, fand er dasZiel des thatendurstigen StrebenS und hochherzige Freunde, die mit ihm wetteiferndsich verbanden auf Leben und Tod. Hier fand er die ernste Beschäftigung, hierden Stoff lebendiger Gesänge, den wahren Sinn der Poesie, welche die ernste Zeitverlangte, und der Sturm der Thaten, der ihn umbrauste, den er selbst erlebte,strebte hoch zum männlichen Liede an. Die besten, kräftigsten seiner Lieder hat erin dieser Zeit hervorgebracht. Früher hatte er sich zu den Lühow'schen Büchsen-jägern gesellt, aber die für ihn peinliche Unthätigkeit, in welcher nach der Schlachtvon Lützen die Infanterie jenes Corps bleiben mußte, bewog ihn, zu derCavaleriedesselben zu treten. Als Lutzow's Adjutant machte er den kühnen Streifzug inden Rücken des Feindes mit. Fast wäre es franz. Verrathe gelungen, ihn in demGefechte bei Kitzen, wo er stark verwundet wurde, zu fangen; er wurde aber durchMenschenfreundliche Hülfe seiner Kameraden und einiger Bauern aufgehoben, vonFreunden gepflegt und ging nachher, noch während des WaffenstillüandeS, üb.rTeplih zu seinem Corps zurück, für welches sich eine treue Anhänglichkeit in allenseinen Liedern ausspricht. Nach geendigtem Waffenstillstände kämpfte er in meh-ren Gefechten gegen die Franzosen unter Davoust mit kühnem Muthe. In einemsolchen verlor er auch am 26. Aug. 1813, auf einem Felde, neben der Straße vonSchwerin nach Gadebusch , eine halbe Stunde westlich von Rosenberg, sein jugend-lich kräftiges Leben. Eine Flintenkugel hatte seinen Unterleib durchbohrt. Nacheinigen Minuten hörte er auf zu athmen. Eine Stunde vor dem Anfange desGefechts hatte K. nach einem Nachtmarsche das bekannte Schwertlied in demerwähnten Holze beendigt und seinen Freunden vorgelesen. K.'S Leiche wurde,wie die des nach ihm gefallenen jungen Grafen Hardenberg, fortgeführt, von sei-nen Freunden mit Eichenlaub bekränzt, mit milituirischen Ehrenbezeigungen, be-