284 Korvey Korybanten
Verfassung ist in der prcuß. Städteordnung von 1808 und in der bairischen von1818, noch mehr aber in Würtemberg, viel Zweckmäßiges geschehen. Es istHauptsache hierbei, wie bei so vielen andern-Organen des öffentlichen Lebens, daßnur diejenigen sich kräftig entfalten und dem Ganzen Nahrung und Bewegungmittheilen, welche freie Gebilde der Zeit und des Volkslebens selbst sind. Daherist es auch nur nöthig, dem korporativen Triebe Raum und Licht zu gewähren undihn zu lenken, nicht zu unterdrücken. 31.
Korve v, Benedictinerkloster an der Weser (llnrlwi., >>»,,>), war eineColonie des in Westfranken (in der spätern Picardie) gelegenen Klosters d. N.Karl der Große schickte nämlich viele gefangene Lachsen i» die westfränkischenKlö-ster, und auch in das letztgenannte Kloster, um sie mit christlicher Bildung be-kannt zu machen. Hierdurch entstand bei den Vorstehern dieses Klosters der Ge-danke, eine Mönchscolonie in wachsen, und zwar in der Gegend von Pakher-brunna (Paderborn) zu gründen, wozu der Kaiser Ludwig der Fromme seine Er-laubniß gab. Weil man das neue Kloster aber in eine unfruchtbare Gegend ge-baut hatte, so wählte man nach 6 I. das fruchtbare Thal an der Weser bei demDorfe Hüxere (jetzt Stadt Höpter), nahe dem Sollinger Walde. Der Grundsteinzum Bau der Kirche und des Klosters wurde vom Bischof Adelhart zu Altkorvey,welches eine Art von Leitung über die neue Anpflanzung behielt, 822 gelegt. ZumUnterschied von jenem ältern Korvey wurde eS Neukorvey oder das sächsische Kor-vey genannt. Beim Graben des Grundes fand man eine Irmensäule, welcheman in die Kirche nach Hildesheim gebracht haben soll. Der Kaiser Ludwig ver-lieh dem Kloster Ländereien und große Rechte, z. D. das Münzrecht, und es wurdeunmittelbar dem päpstlichen Stuhle unterworfen. Der Anbau um dasselbe erhieltin 12 I. das Ansehen einer Stadt. Es wird erzählt, daß Kaiser Lothar 844 demKloster die Insel Rügen geschenkt habe. Wenigstens hat das Etifr immerfort aufdiese Insel Ansprüche gemacht, welche auch der Papst Adrian IV. 1154 bestätigte.Im Anfange des 10. Jahrh, litt Korvey durch die Einfälle der Ungarn. —Kor-vey war nächst Fulda eine Pflanzstätte der Cultur in Deutschland . Anschar, derApostel im Norden, ging aus diesem Kloster 826 hervor und soll die Schule da-selbst errichtet haben. Sie blühte im 9. und 10. Jahrh. Wittckind, der Ge-schichtschreiber dieses Klosters (in der Mitte des 10. Jahrh.), sowie andre Ge-schichtschreiber, Gelehrte und Geistliche bildeten sich hier. (Vgl. Chr. FranzPaullin's ,, l'Iiealrum illn!>li. riror. Loilwiso 8.->xonicae", Jena 1686, 4.,und Leibnitz'S „lntioiliint. ->il seript. kriiiuirie.", B. 1, S. 26 fg.) DieAnna-len dieses Klosters sind für die Cultnrgeschichte des Mittelalkers wichtig. 1194wurde es zum BiSthum erhoben, 1802 aber aufgehoben und den Entschädigungendes Fürsten von Nassau und Oranien beigefügt; 1801 kam eS an Westfalen und1815 an Preußen (Kreis Härter im Reg.-Bez. Minden ). Das Schloß war derSitz des Weihbischofs von Korvev; jetzt ist es eine Herrschaft des Fürsten VictorAmad. v. Hessen-Rothenburg und wurde 1822 zum Mediatfürstenthume Korvey (5jIM., 10,000 E.) erhoben. Die prächtige Schloßkirche enthält viele Denk-mäler. S. die Geschichte der Abtei Korvey von Paul Wigand (1819).
Korybanten (Kureten, Idäi, Daktyli, bei den Römern eine eignePriesterschaft, genannt Ga l l i) sollen von Korybas, Sohn der Cybele und des Ia-sion, abstammen. Sie waren Priester, welche Korybas zum religiösen Diensteseiner Mutter, der Göttin Cybele, auf der Insel Kreta und in Phrygien einge-setzt hatte. Nach einer weit ältern Sage waren sie Abkömmlinge des Vulcan.Darauf deutet man die Erzählung von dem Getöse, das sie mit den Waffen mach-ten, als ihnen Rhea den neugeborenen Jupiter übergab, damit Saturn das Ge-schrei des weinenden Kindes nicht höre. Nach ApollodoruS waren die KorybantenSöhne Apollo's und der Thalia, nach Andern Apollo'« und der Rhetia.