Band 
Sechster Band. K bis L.
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280 Kranach

um des Künstlers Hautrelief-Gestalt: piclcir celerrim»; (der geschwindeste Maler)stakt oclciieli iiinii (der berühmteste) setzte, dürfte doch zum Theil nicht unpassendsein; denn, wenn man die vielen , ihm zugeschriebenen Gemälde bedenkt, so mußman erstaunen über tieFertigkeit des Malers. Doch dürfte vorher wol auSzumit-teln sein, welche Gemälde ihn selbst, und welche seinen Sohn, der auch Lucas Kra-nach hieß, auch Bürgermeister zu Weimar (wo er 1586 starb) und ein würdigerSchüler seines Vaters war, zum Urheber haben. Erstauntman über die Menge die:ser Gemälde, so findet man noch mehr Ursache, den Werth derselben zu bewundern.Es ist eine Leichtigkeit und Kunstmeisterschaft in ihnen, der Deutschen würdig.Zwar sind seine Compositionen selten oder nie poetisch, es mangelt ihnen nicht anSonderbarkeiten (z. B. auf dem Altarblatte der weimarschen Stadtkirche, wo ausdem gekreuzigten Christus das Blut im Bogen auf den untenstehenden Künstlerströmt), und Anachronismen, Fehler gegen das Costume u. dgl. muß man der from-men Treuherzigkeit zu gute halten; aber wer wird das nicht, wenn er diese Rich-tigkeit der Zeichnung, diese Wahrheit des Ausdrucks, diese Naturtreue, diese zarteBehandlung desPinselS, dieses lebenvolle, glänzende, liebliche Colorik sieht, das nachJahrhunderten noch seine erste Frischheit bewahrt? Mit Einem Worte: Lucas warein treuer Wohn der Natur, wahr, kräftig und herzlich, ein kernhafter, tüchtigerMeister. Seine Bildnisse, unter denen die von seinen Freunden Luther und Me-lanchthon besonders schätzenswerth sind, sind in den Galerien Deutschlands zer-streut; in Böhmen allein befinden sich deren 28, davon 13 in der Samml. der pa-triot. Kunstfreunde in Prag . Unter seinen größern Gemälden verdienen die Alrar-blätter in den Stadtkirchen zuWittenberg, Torgau »»Weimar , ersteres vorzüglich,und mehre Gemälde in der naumburgerWtadt- und Domkirche den Preis. Außer-dem hat er gegen 300 Holzschnitte gefertigt, die aber seinen Gemälden nicht gleich-kommen und selbst von Andern schon vor seiner Zeit übertreffen werden. Die Be-schreibung seiner wittenberger Gemälde findet man des Gen.-Sup.Nitzsche'S „Pre-digt zurEinwe,hang der wittenberger Stadtkirche" beigefügt. Das weimarscheAl-tarblatt wurde 1806 von dem Kunstkenner und Künstler Meyer restaurirt. Vgl.Heller'S „Versuch über das Leben und die Werke Lucas K.'S" (Bamberg 1821).—Eine Sammlung Bildnisse, die auf Pergament in Wasserfarben nach Miniaturart1520, 1543 u. 1516 gemalt sind, nannte der Künstler sein Stammbuch. Derpreuß. WtaatSkanzler Fürst Hardenberg kaufte dieses Wtammbuch aus dem Nach-lasse des Hofraths Lämmermann in Anspach, um es dem Könige Friedrich Wil-helm I I. zu überreichen. Das Geschenk gelangte an diesen in den Tagen seiner letztenKrankheit, ward darüber verlegt und vergessen. Erst 1812 fand solches Hr. v. Me-cheln wieder und gab es 1814 in Berlin , gr. Fol., heraus. In sprechenden Zügenerscheinen hier: 1) der Heiland, der mit der Rechten den Segen spendet und in derLinken eine Weltkugel hält. 2) Friedrich UI., genannt der Weise, Kurfürst vonSachsen, 50 I. alt. 3) Johann Friedrich , genannt der Großmüthige, Kurfürst v.Sachsen, im 40. I. 4) Johann Ernst , Herzog von Koburg, in seinem 32. I.

5) 1). Martin Luther im 60. I. 6) 0. Philipp Melanchthon in seinem 46. I.

1) l). Iustus Ionas, 50 I. alt. 8) I). Johann Bugenhagen in seinem 58. I.

9) äl. Georg Spalatin , 61 I. alt. 10) Lucas Kranach selbst, sowie er sich im

80. I. auf dem Altar blatte der Stadtkirche zu Weimar , unter dem Kreuze Christistehend, abgebildet hat. Über die LebenSumstände der hier in Bildern erscheinen-den merkwürdigen Fürsten und Gelehrten aus der Reformationsgeschichte sind kurzeNachrichten, sowie die Handschriften der vier Theologen hinzugefügt. Im Ge-brauche seiner Monogramme und Künstlerzeichen blieb sich K. nicht gleich. Gernbrachte er sein von Friedrich dem Weisen empfangenes Wappenzeichen an, die ge-flügelte Schlange mit einer rochen Krone auf dem Haupte und einen golde-nen Ring mit einem Rubin im Munde hallend.