28L Krankheit
von der relativen Gesundheit bestimmen. Die Gefahr der Krankheit für das Lebenhängt davon ab, inwiefern sie in einem zum Leben mehr oder weniger nothwendi-gen Körpenbeile oder Systeme stattfindet, die gestörte Berrichtung zur Erhaltungdes Lebens von größerer oder geringerer Wichtigkeit, und die Störung selbst anhal-tend oder vorübergehend ist. So ist z. B. das Gehirn ein zur Erkaltung des Le-bens höchst wichtiges Organ, und die Verletzung desselben oder eine anhaltendeHemmung seiner Verrichtungen erscheint als bedeutende Krankheit. Die Verrich-tung der Lungen ist bestimmt, die Flamme des Lebens zu unterhalten, daher diesebald zu verlöschen droht, wenn das Athmen unterbrochen wird oder die Lungen be-deutend verletzt werden. Die Verrichtungen der Sinneswerkzeuge hingegen zielennicht unmittelbar auf Erhaltung des Lebens, daher ist ihre Störung, obgleich ört-liche Krankheit, doch für das Leben an und für sich nicht gefährlich. Ein Blinderz. B. kann seiner Blindheit ungeachtet so alt werden als ein Sehender. Die Krank-heiten werden in örtliche und allgemeine eingetheilt, insofern die Krankbeitsäuße-rung nur in einem einzelnen Theile und an einer bestimmten Stelle des Körpers zubemerken ist, oder das Ganze desselben leidet. Da jedoch alle einzelne Theile mitden andern in Verbindung stehen, die einzelnen Systeme des Körpers sich allent-halben zeigen, und ihre Verrichtungen wechselseitig einander bestimmen, so ist esnothwendige Folge, daß, wenn das eine angegriffen und dessen Verrichtung gestörtist, auch bald die Verrichtung eines andern, und zwar zuvörderst des zunächst mitihm verbundenen, darunter leiden muß. Ist also das ursprünglich ergriffene Or-gan ein wichtiges, auf viele andre Eüisiuß habendes, so werden bald auch in meh-ren andern KraukheilSerscheinungen zu bemerken sein. So hängt z. B. von demMagen die Verdauung ab, von der Verdauung die Bereitung des Milchsaftes, vonder Beschaffenheit des Milchsaftes die Güte des Blutes, von d. m Blute der Standder Lebenskraft überhaupt. Ist also der Magen in seiner Verrichtung gestört, sokann zwar anfangs diese Krankheit bloß örtlich sein, allein bald wird die Beschaf-fenheit des Blutes schlechter werden, weil der Nahrungsstoff, schlecht bearbeitet,einen schlechten Milchsaft für das Blut liefert, welcher, als roher, fremdartiger-^loff, die Lebenskraft aus der Atmosphäre (das Sauerstoffgas) wenig aufnimmt.Daher wird der ganze Körper schwach, die Lebenskräfte sinken, die Ernährung desKörpers leidet, und so wird die Krankheit allgemein. Die Krankheiten werden fer-ner eingetheilt nach der Länge ihrer Dauer, in hitzige und langwierige (acute undchronische). Unter die ersten gehören z. D. diejenigen Fieber, welche ihren Verlaufin Zeit von 8, 14 Tagen, höchstens 4 Wochen beendigen. (Vgl. Chronisch.)So macht inan ferner einen Unterschied zwischen innerlichen Krankheiten, welcheeinen innern Theil oder ein ganzes Svstem des Körpers befallen, ;. B. Nerven-krankheiten. Fieber u. dgl., und äußerlichen, welche bloß aufder Oberfläche des Kör-pers ihren Sitz haben, ohne innere Theile zugleich mit zu befallen oder ihren Grundin ihnen zu haben. — KrankheitSan la g e ist die hervorstechende Neigung zuirgend einer besondern Abweichung von der relativen Gesundheit. Sie ist also auchnicht Krankheit selbst, kann aber bei gleicher Einwirkung einer Schädlichkeit leichterin diese übergehen als bei einein andern Menschen, der die Krankheitsanlage nichtkat. Wer z. B. eine schwache Brust und reizbare Lungen hat, kann sich immer da-bei relativ gesund befinden, jedoch wird er bei kalter, feuchter Lust vom Katarrh odereiner andern Brustkrankheit eher befallen werden, als bei einein Andern der Fallsein würde. — Krankheitsursachen sind diejenigen, welche den Grund derwirklichen Ausbildung und Erscheinung der Krankheit enthalten. Man unterschei-det dabei die nächste Ursache, welche in derjenigen Veränderung im Körper besteht,die den vollständigen Grund aller andern darauf folgenden in sich enthält, und dieentfernten Ursachen, welche in solchen schädlichen Einwirkungen auf den Körper be-stehen, die theils die erste Abweichung setzen, theils zum Übergang aus der Krank -