Band 
Sechster Band. K bis L.
Seite
303
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Kritik

genstände menschliche!- Thätigkeit, Wissenschaft und Kunst im weitem Sinne.I) In Beziehung auf die eistere ist sie philosophische oder historische Kritik. Phi-losophische Kritik nn weiteste» Sinne kann eine wissenschaftliche, durchgeführte,nur die Idee eines Gegenstandes und deren Verhältniß zur Darstellung betrach-kende Kritik sein, dahingegen die historische eine solche, welche nur das Aeußerlicheeines Gegenstandes oder Werks und seine Beziehung aus Zeit und Raum, sowiedas daraus entspringende Verständnis desselben betrifft. So ist z. B. die ästhe-tische Kritik einer Antike (und dieses soll ja eine philosophische sein) von der techni-schen und antiquarischen Kritik derselben verschieden, obgleich diese mir jener wieForm und Gehalt innig verbunden, ja eine ohne die andre nicht möglich ist. Dannbedeutet philosophische Kritik im engern sinne die Kritik philosophischer Werke,welche auf die Haupterfodernisse der logischen und materiellen Wahrheit gerichtetist. Endlich gaben Kant und seine Schüler dem Namen Kritik noch eine bisherungewöhnliche Bedeutung dadurch, daß ste ihn auf die Prüfung des Erkenntniß-vermögens oder auf die Untersuchung Dessen, was dem Menschen überhaupt zu er-kennen möglich sei, bezogen. Auch unterscheidet man in der Philosophie die kri-tische Methode (den Kriticismus) von der dogmatischen und von der skeptischen.(Vgl. Philosophie, Methode, Kant 'sche Philosophie.) Die histo-rische Kritik bezieht sich auf die Wirklichkeit äußerer Thatsachen und ihre durchErfahrung erkennbare Beschaffenheit, und ist die Untersuchung der Echtheit (Au-thenticität) gewisser (besonders schriftlicher) Zeugnisse. Sie ist wiederum so ver-schieden als die historische Wissenschaft. (S. Historisch.) Hierher gehörtvorzüglich die geschichtliche oder historische Kritik im eigentlichen -sinne, d. i.diejenige, welche die Wirklichkeit und Beschaffenheit gewisser Angaben der Ge-schichtschreiber u. s. w. nach bestimmten, aus dem Zwecke der Geschichte hergeleite-ten, aus den logische» (in der angewandten Logik entwickelten) Kriterien und Er-sodernissen der historischen Gewißheit hervorgehenden und auf die verschiedenenArten der historischen Quellen angewandten Regeln prüft. Sie macht einen Be-standtheil der historischen Kunst im weiter« Umfange oder der Thätigkeit des Hi-storikers aus. Mit ihr in genauer Verbindung steht die philologische Kritik (s.Philologie), die Prüfung der schriftlichen Denkmäler, vorzüglich des Alter-thums, welche entweder auf Untersuchung der Echtheit des Ganzen, in Beziehungauf eine» genannte» Verfasser (ob es ihm mir Recht oder fälschlich, und zwar imletzten Falle mit oder ohne Absicht zugeschrieben wird), oder des Einzelnen, d. i. aufdie Echtheit und Unversalschtheit einzelner Stellen, und wenn ste absichtlich oderdurch Irrthum verdorben worden stnd, aufihre Wiederherstellung und Verbesserung(z. B. durch Conjecturen—daher Conjecturalkritik) gerichtet ist. Ersteresnennt man die höhere, Letzteres die niedere Kritik. Sie geht bei einer Untersuchungvon äußern Umständen, von Überlieferung w., oder von innern und wesentlichenBeziehungen, d. i. von dem Inhalte, Geiste, Sprache und Strl der Schrift aus,vergleicht dieses mit dem bekannten Namen und Charakter des angegebenen Ver-fassers, und bestimmt danach, ob sie demselben, oder welchem andern Verfasser undwelcher andern Zeit ste zuzuschreiben sei. Im erster» Falle heißt ste äußere, imletzter» innere Kritik. Diese philologische Kritik, welche in Verbindung mit derAuslegungskunst oder Interpretation einen Bestandtheil der höhern Philologieausmacht, ist vorzüglich unter den Deutschen in neuerer Zeit auf eine» sehr hohenGrad der Vollkommenheit gebracht worden. Man bewundert, sagt ein deutscherDenker, die Sicherheit der Resultate unserer historischen Forscher und die Festig-keit, mit welcher philologische Kritik uns die classische Literatur gereinigt hat.Freilich sind die Untersuchungen, vorzüglich der innern Kritik, oft an sehr leise An-deutungen der Wahrscheinlichkeit gebunden; allein da jede Zeit, jeder Ort, jedesIndividuum der Eigenthümlichkeiten so viele hat, so bewährt es die Erfahrung